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Klappentext
Katja ist eine erfolgreiche Fotojournalistin: Bilder von privaten Dramen inmitten gesellschaftlicher Umbrüche haben sie berühmt gemacht. Jetzt, nach 20 Jahren des Reisens, ist sie ihres Berufs müde, und sie bemerkt, wie sehr auch ihr eigenes Leben von der großen Geschichte bestimmt wurde: von dem Geiseldrama bei den Olympischen Spielen in München, 1972. "Spiele" entwirft ein großes, hinreißend atmosphärisches Gesellschaftspanorama. Mitten darin und von den weltgeschichtlichen Ereignissen auf verblüffende Weise mitbestimmt: die virtuos erzählte Geschichte einer zarten, verhinderten Liebe.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.11.2005
Ulrike Draesner hat sich viel vorgenommen, und vieles ist ihr dabei gelungen, findet die Rezensentin Maike Albath. Denn die von Draesner inszenierte Rückschau der Fotografin Katja auf die blutige Geiselnahme der Olympischen Sommerspiele 1972 in München und ihr Versuch, die von ihr gefühlte Verantwortung daran, dass ihr Jugendfreund Max als Polizist in das Blutbald verwickelt wird, aufzuarbeiten, ist nicht lediglich eine "objektivierte Darstellung der Geschehnisse" noch ist sie ein "platter Siebziger-Jahre-Roman". Vielmehr liege hier ein außerordentlich vielschichtiger Roman vor, lobt die Rezensentin. Wieder beweise Draesner ihr "Gespür für kollektive Stimmungen" und ihre psychologische Begabung in der Aufdeckung von "inneren Verkrustungen". Doch allmählich entwickle der Roman "etwas Zähes" und so werde deutlich, dass sich Draesner einfach zu viel vorgenommen hat. Das Vorhaben, alle Zeitebenen mit einer Dynamik der gegenseitigen Erhellung zu durchdringen und darüberhinaus noch individuelle Erfahrung mit kollektiver Geschichte zu verquicken, kommt der Rezensentin letztlich zu ehrgeizig vor. Der Roman wirke auf den Leser "übercodiert" und ermüde mit seinen zahllosen "Bedeutungsebenen", schreibt die Rezensentin, die jedoch darauf besteht, dass Draesners großes Talent außer Frage steht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.10.2005
Draesner habe das Urdrama des Terrorismus, die Geiselnahmen bei den Olympischen Spielen 1972, "parallel? zu Steven Spielberg Film "Munich? als Stoff ihres neuen Romans verwendet, blickt Rezensent Oliver Fink auf die weltgeschichtlichen Koinzidenzen. Der Autorin gehe es allerdings ganz explizit um die Auswirkungen des Politischen aufs private Schicksal, und so stehe bei ihr eine Familien im Vordergrund. Die vierzigjährige Journalistin Katja realisiert, referiert Fink, dass sie am tragischen Schicksal ihrer Jugendliebe Max einen mindestens so großen Anteil hat wie das Geiseldrama von 1972, bei dem Max als Polizist angeschossen wird und zeitlebens gehbehindert bleibt. Die Autorin, so der Rezensent, inszeniere Katjas Suche nach ihrem Anteil Schuld in der Geschichte zu einem "eindrucksvollen Panorama? der 70er Jahre, wobei sie "souverän? zwischen den Zeitebenen und Figuren wechsle und "kraftvoll parataktische Satzkaskaden? aufbaue. Weniger gelungen als die große Durchmischung findet der Rezensent dagegen die kleine Geschichte von Katjas Schuld- und Sinnsuche. Hier verliere sich die Autorin in unwichtigen Details, und wenn sie zum Ende des Romans dann noch einen zeitlich aktuelleren Bio-Terrorismus mit ins Spiel bringe, wirke dies vollends als "Fremdkörper? in der doch ansonsten so ausbalancierten Romankonstruktion.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.10.2005
Rezensent Paul Michael Lützeler könnte es verstehen, wenn man Ulrike Draesners Roman nach den ersten Seiten weglegen wollte - und warnt dennoch davor. Auf eine erste Passage voller Metaphern und "Plauderrinnsalen" folgt nämlich eine wahre "Überraschung". Die Autorin erzählt die Vorgeschichte des 11. September und geht dabei bis zur Geiselnahme während der Olympiade 1972 zurück. Ihre Protagonistin, eine Fotografin, erforscht die Hintergründe des Terrorismus und trifft bei ihren Recherchen auf zahlreiche interessante Spuren. Schön findet der Rezensent die "Spekulationen", die die Romanheldin über einzelne Politiker und Regierungen anstellt; und auch die detaillierte Beschreibung ihres Liebeslebens - "nur das Kamasutra ist ausführlicher" - stört ihn nicht. Aber obwohl das Buch sich nach und nach in einen "rasanten Erzählstrom" verwandelt, bleiben die "stilistischen Schwächen" nicht zu übersehen. Fürs nächste Mal empfiehlt der Kritiker eine "Metaphern-Entschlackungskur".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.10.2005
"Ambitioniert" findet Gerrit Bartels den neuen Roman von Ulrike Draesner, aber nicht besonders gelungen. Draesner will, anders gesagt, zu viel - und scheitert gerade deshalb. In erster Linie versucht sie zu zeigen - und zwar am Beispiel des Terroranschlags bei den Olympischen Spielen in München -, wie sich das Politische und das Private durchdringen, auch und gerade da, wo sie sich nicht unmittelbar berühren. Im Zentrum des Ganzen steht in der Gegenwart die Fotojournalistin Katja, die ihrer Vergangenheit nachzuforschen beginnt. Der Bezüge sind viele, wiederum, bedauert der Rezensent, zu viele. Im Fortgang verwirren sich die Fäden und der Roman mischt "Politkrimi" und "Liebesgeschichte", nur nicht auf schlüssige Weise. Trotz dieser teils heftigen Kritik hat Bartels am Talent der Autorin wenig Zweifel, vor allem bewundert er ihre Sprache, "ein kommareiches Satzstakkato, dass sich nachhaltig in den Kopf des Lesers fräst".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2005
Durchaus beeindruckt zeigt sich Holger Noltze von Ulrike Draesners Roman "Spiele", der sich vor dem Hintergrund der tödlichen endenden Geiselnahme bei den Olympischen Spiele in München 1972 mit der Verknüpfung von privater Geschichte und dem Lauf der Welt befasst. Uneingeschränkt loben kann Noltze den Roman gleichwohl nicht. Wie er berichtet, erzählt Draesner von der Fotojournalistin Katja, die nach dreißig Jahren die Ereignisse des Sommers 1972 rekonstruiert, nicht zuletzt um ihre Verantwortung für den Unfall eines Jugendfreundes Max zu klären, der damals, weil sie ihn verraten hatte, zur Polizei ging und beim Einsatz am Flughafen von Fürstenfeldbruck, in der Nacht des 5. September 1972, schwer verletzt wurde. Noltze lobt das "erzählerische Dispositionsgeschick", mit dem Draesner die "komplexen Verknotungs- und Durchdringungsverhältnisse von Privatgeschichte und Historie" entfaltet. Andererseits mutet ihm die Konstruktion des Romans bisweilen "zu lang" und "zu ambitioniert" an, was auch dazu führe, dass der Erzählfluss irgendwann etwas ermüdet. Auch der "ehrgeizige geschichts- und existenzphilosophische Diskurs" erscheint ihm bisweilen "etwas angestrengt mit Alltag und Lebenswirklichkeit perforiert". "Draesners 'Spiele' ist eine imponierend souverän gelegte Roman-Patience", resümiert der Rezensent. "Nur dass sie allzu glatt aufgeht."
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