Während Zeit und Geld ständig knapper werden, in den Redaktionen und Korrespondenzbüros immer weniger Leute die gleiche Menge an Arbeit machen, wächst in Wirtschaft und Politik die Macht und Zahl der Spin-Doktoren, PR-Consultants, Agendasetter, Werber, Imageberater, Marktforscher, Eventmanager und Mediencoaches. Meinungen und Stimmungen werden gegen Geld von Profis gemacht. Ihre perfekt designten Bilder und Botschaften zielen direkt auf die Massen. Der unabhängige Journalist ist nur noch Störfaktor. Tom Schimmeck, seit dreißig Jahren Journalist für führende Medien, beschreibt Mechanismen der Gleichschaltung und Ursachen der Misere. Seine Bestandsaufnahme unserer defekten Öffentlichkeit zeigt: Wenn wir nicht bald irgendwo zwischen Putin und Berlusconi landen wollen, brauchen wir mehr denn je eine unabhängige, kritische vierte Gewalt im Staat.
Gutes und wichtiges Buch, findet der hier rezensierende Jornalismus-Professor Siegfried Weischenberg. Tom Schimmeck analysiert seiner Ansicht nach sehr genau, in welcher Krise sich der Journalimus derzeit befindet: Von Chefredakteuren wird er kaputtgespart, von Journalisten zum falschen Zweck benutzt, wenn sie etwa in "Rudeln" auftreten, um einen Politiker fertigzumachen wie Andrea Ypsilanti. Schimmeck belegt mit vielen Beispielen, "dass die Publizistik von links bis rechts hier wie gleichgeschaltet wirkte", so der Rezensent. Er hofft, dass das Buch größere Beachtung findet, denn dies beweise ihm, dass man in Deutschland an einem kritischen Journalismus immer noch interessiert sei.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.04.2010
Willi Winkler bekommt Angst vor den eigenen Leuten. Was der Journalisten-Veteran Tom Schimmeck hier "sprachgewaltig" und erbarmungslos dokumentiert, zeigt ihm: Gebraucht werden Journalisten nur, wenn sie gut sind und sich nicht zu Fertigteilberichterstattern und Speichelleckern degradieren lassen. Anderenfalls droht, das kann Winkler hier nachlesen, postdemokratische Herdenbildung und Verblödung, aber auch jetzt stehen schon alle stramm, wenn die Direktoren dieses Zirkus die Peitsche knallen lassen. Dass die deutsche Presse nicht mehr so unterwürfig ist wie zu Bonner Zeiten, ist Winkler nicht wirklich ein Trost. So lange sie träge ist und sich abhängig macht, weiß er jetzt, wird sich nichts ändern.
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