Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Than ist die Geschichte eines Stummen, der in einem extrem kalten Winter auf eine kleine Insel im Süden Deutschlands kommt. Der Postbote, die Wirtin, der Maler und der Jäger lassen den Mann, der auf ihre Fragen keine Antworten gibt und offenbar eine heimliche Affäre mit der Töpferin hat, nicht aus den Augen. Than selbst beharrt auf seiner Perspektive als stummer Betrachter. Auf einer Eisbahn neben dem See gerät ein Traktor außer Kontrolle und gefährdet eine Gruppe von Kindern. Ein Junge ist im See verschwunden, ein Mädchen bricht auf dem Eis ein. Wo immer ein Unglück geschieht, ist Than am Ort. Als er einer Spur von verwüsteten Kassettenbändern folgt, die im Garten der Töpferin in den Bäumen hängen und zu einer geheimnisvollen Entdeckung führen, möchte der Leser Klarheit über Thans Rolle bei den Vorgängen haben.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.07.2002
"Ein klassischen Außenseiterdrama," schreibt Rezensent Martin Halter und ist voller Bewunderung. Ähnlich wie Ransmayr, Georg Klein oder zuletzt Henning Ahrens in "Lauf, Jäger lauf" tauche Thomas Lang in die dunkle, von Sonderlingen und deutschen Mythen bewohnte Parallelwelt hinter der Realität ein. Sein sprach-, obdach- und hoffnungsloser Held fliehe auf eine namenlose Insel in einem bayrischen See: in ein Bilderbuchidyll, dessen Bewohner ebenfalls dem "Lehrbuch gemütlicher Bestialität entsprungen zu sein scheinen". Eine "Insel der Unseligen", schreibt Halter in seiner neugierig machenden Rezension, wo er den Helden wie Camus' Fremden seine Umwelt so fatalistisch, monoton und mechanisch registrieren sieht, als ginge sie ihn nichts an. Die Sprache des Romans sei "beunruhigend lapidar, so kalt, so rau und brüchig, wie das Eis auf dem See" um die Insel.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.07.2002
In ihrer Rezension mit der wundersam schönen Überschrift "Stummfilm aus der inneren Provinz" zeigt sich Dorothea Dieckmann äußerst angetan von Thomas Langs Debütroman. Wenn auch das Motiv ein altes ist - die Flucht ins Exil, die scheitern muss, weil die Krise als inneres Exil mitreist - , so findet die Rezensentin doch, dass die Stummheit des Ich-Erzählers dieser Bearbeitung eine neue - "hypervisuelle" - Qualität verleiht. Und so "fassbar" die Umstände der Krise auch sein mögen, sie sind nicht mehr als der "Rahmen einer zwischen Wahn und Wirklichkeit schillernden Welt", in der nicht sicher ist, ob die Hauptfigur es mit ihrer tatsächlichen Umgebung zu tun hat oder nicht vielmehr mit ihrer eigenen wahnhaft verzerrten Wahrnehmung. Zwei Dinge haben Dieckmann besonders gefallen: die starke "Vernetzung" aller Elemente und die "bildhafte, aber schlichte" Sprache. Lang betreibe keine "Effekthascherei", auch nicht wenn es um Tod und Eros geht. "Gänzlich unaktuell" nennt die Rezensentin das Buch, was aber als Kompliment gemeint ist. Es habe einen "neuartigen Klang": "still" und doch "beunruhigend".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.06.2002
Mit seinem Roman "Than" legt Thomas Lang zur Freude des Rezensenten Ulrich Baron ein "starkes Debüt" vor. Die atmosphärisch dichte Geschichte um Moritz Than, der sich - nach einem Unfall stumm geworden - auf einer winterlichen Insel im Süden Deutschlands ein Fremdenzimmer anmietet und dort verdächtigt wird, einen Jungen ermordet zu haben, bewegt sich nach Einschätzung Barons auf dem "schmalen Grat einer erzählerisch wohlinszenierten Ungewissheit". Baron hebt hervor, dass Langs Roman vor allem von den Fragen lebt, die er offen lässt. Die Stummheit seines Helden ist für Baron nicht allein klinisch bedingt, sondern sie ist auch Ausdruck eines Lebens im "Unverbindlichen". Wenn Than am Ende des Romans im Tablettenrausch versinkt, erscheint dem Rezensenten das Leben in weite Ferne gerückt. Fazit des Rezensenten: "Das Leben ist anderswo. Vorhang. Nachdenklicher Applaus."
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