Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Englischen von Ditte und Giovanni Bandini. Irische Sagen und Legenden, Räubergeschichten und Räuberpistolen, Eklogen und Elegien, Epigramme und Scherzgedichte, Meditationen und liebevolle Nachrufe auf die Weggefährten Joseph Brodsky, Zbigniew Herbert und Ted Hughes - der neue Band von Seamus Heaney zeigt alle sprachlichen und metrischen Möglichkeiten, für die der irische Dichter und Nobelpreisträger bekannt ist und verehrt wird. Und immer wieder Erinnerungen an die Kindheit, als plötzlich das elektrische Licht die dunklen Ecken der bäuerlichen Welt ausleuchtete, an die Schule, die Reisen, das Vertrautwerden mit der dichterischen Tradition. Die poetische Summe eines Dichters, dessen Werk wie kein anderes die Notwendigkeit und den Reichtum der Poesie in einer unpoetischen Welt bezeugt.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.03.2003
Von der britischen Kritik sei dieser Band des sonst stets gefeierten irischen Lyrikers und Nobelpreisträgers ausnahmsweise mit Vorbehalten aufgenommen worden, berichtet Bruno von Lutz zu Beginn seiner Kritik. Es mag an den zum Teil ungewohnt schwierigen Gedichten gelegen haben, die auch poetologische Reflektionen enthalten. Der Rezensent aber mag den britischen Vorbehalten dennoch nicht folgen - für ihn knüpft Heaney auch hier an seine große Naturlyrik an, nur verbindet er sie hier, wenn auch mit großer Gelassenheit, mit Statements zu seiner eigenen Position im "großen, postmodernen, globalisierten Wortstrom". Und diese Position ist - erstmals wohl bei Heaney - vergangenheitsbezogen und verbindet sich mit Bildern vom Schwimmen gegen den Strom, die Heaney den Fischen in irischen Bächen abschaut. Lutz zeigt sehr schön, dass es Heaney dabei nicht mehr nötig hat, seine Originalität zu beweisen. "Er scheut sich nicht", so sagt er, "die einfache Geste zu beschreiben und auch selbst die einfache Geste zu machen".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.12.2002
Als fast "zwanghaften" Charakterzug macht Hans-Herbert Räkel bei diesen Gedichten der zweisprachigen Ausgabe den Rückgriff auf das "Heimische" aus, wobei sich der irische Lyriker auch das geografisch Ferne "anverwandelt" und zudem niemals "idyllisch" wird, wie der Rezensent betont. Deshalb kritisiert er auch die Übersetzung des letzten Gedichtes als zu "harmonisch" und bietet für diese Stelle eine eigene Übertragung ins Deutsche an. Im zweiten Teil des schmalen Bandes, dessen Gedichte sich fast alle mit verstorbenen Dichterkollegen beschäftigen, fällt ihm als schmerzhafte Lücke das völlige Fehlen von Anmerkungen auf. Wer etwa Rory Kavanagh war, können die deutsche Leser nicht wissen und ein Hinweis, dass das vorliegende Gedicht auf dessen Beerdigung vorgetragen wurde, hätte nicht geschadet, so der Rezensent mit leiser Kritik. Insgesamt preist er Heaney als "eigensinnigen Dichter", wobei er positiv bemerkt, der "Hauch von Authentizität", der in den Gedichten wirke, gehe auch in der Übersetzung nicht verloren.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2002
Souverän findet Rezensent Florian Döring im neuen Gedichtband des Nobelpreisträgers "Nutzung und Anverwandlung klassischer dichterischer Formen". In den Gedichten findet er außerdem poetische Gesichter und Geschichten "hartnäckig auf ihre verborgene Herkunft" befragt. Auch in dieser Sammlung bleibe Heaney seiner "oft bezeugten Vorliebe für ländliche Lokalitäten, abseits des Strom von technischer Modernisierung" treu, obwohl der Titel anderes assoziiere. Hier klingt, respektverhangen, auch eine Spur Enttäuschung mit an. Für viele deutsche Leser sei am vorliegenden zweisprachigen Gedichtband sicher das Beste, befindet schließlich der Rezensent, dem "Erfindungsreichtum und subtilen Deutungsvermögen" der deutschen Übersetzung nachzuspüren. Auch wenn Ditte und Giovanni Bandini mitunter einen "etwas hohen Ton" anschlagen, gehen sie doch "ebenso schöpferisch wie mutig" mit dem Original zu Werke, schreibt Döring. Ihre Kennerschaft konnten sie dem Rezensenten auch in den zahlreichen Anmerkungen bezeugen, die sie den Gedichten "beigegeben" haben. Gelegentlich allerdings findet Döring die Bedeutungsquellen mancher Gedichte etwas zu ausführlich protokolliert und wäre ihren vielstimmigen Verbindungen gern etwas eigensinniger gefolgt.
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