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Klappentext
Vier Lebensläufe treffen im brasilianischen Urwald aufeinander. Ihr Vordringen in den Regenwald legt bei den Reisenden immer tiefere Schichten frei. Marina flieht schließlich aus der Vergangenheit, in der sie als Übersetzerin und Geliebte des Eroberers Cortez lebte, in eine Zukunft, in der sie als Heilige verehrt wird. "Wenn ich von Honigbienen sprach, träumten Cortez´ Männer von goldenen Hoden. Wenn ich von Bäumen und ihren Früchten sprach, träumten sie Smaragde und Opale..."
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.08.2001
Malinche, Mexikanerin, Geliebte, Übersetzerin und Leibeigene des spanischen Eroberers Hernán Cortéz, Mutter aller Mestizen, Verräterin - das sind die Schlagworte, mit denen diese Frau immer wieder in Verbindung gebracht wird, berichtet Alexander Honold. Um das Leben dieser Frau ranken sich viele Geschichten. Um Wahrheit und Legende geht es auch in den drei jüngst erschienenen Bänden, denen der Rezensent eine jeweils eigene Qualität abgewonnen hat.
1) Anna Lanyon: "Malinche. Die andere Geschichte der Eroberung Mexikos"
Die australische Historikerin Anna Lanyon hat aus der Not eine Tugend gemacht, ist auf Spurensuche nach Malinche durch Mexiko gereist und hat darüber einen erzählenden Bericht abgefasst. Dabei war ihr keine Legende zu abwegig, und sie hatte keine Scheu, Hunderte von Kilometern zurückzulegen, um mehr über ein Gerücht zu erfahren, berichtet der Rezensent beeindruckt, wenn gleich er auch denkt, dass einige von Lanyons Erkenntnissen auf ihre suggestive Fragetechnik zurückgehen. Ihre Recherchen über Malinches Kinder - eines hatte sie mit Cortez, eines mit einem anderen - lesen sich "fast wie eine Detektivgeschichte", meint Honold. Als Mischlingskinder mussten sie ihre Legitimität erst erstreiten, und dieser Rechtsstreit sei gut dokumentiert, auch bei der Autorin.
2) Barbara Dröscher / Carlos Rincón (Hg.): "La Malinche. Übersetzung, Interkulturalität und Geschlecht"
Die von der Lateinamerikanistin Barbara Dröscher und von Carlos Rincón zusammengestellten Studien zeigen ein genaueres, wenn auch eher widersprüchliches Bild der Malinche. Weder verurteilten die Autoren sie als "Hure der Macht" und ihre Nachkommen entsprechend als "Hurensöhne Mexikos", noch legten sie einen Glorienschein um die "Urmutter Mexikos", erzählt der Rezensent. Besonders empfiehlt er den Beitrag der New Yorker Kulturwissenschaftlerin Jean Franco, die in Malinche als historischer Figur den ambivalenten Schauplatz kolonialer Gewalt sehe.
3) Sabine Scholl: "Die geheimen Aufzeichnungen Marinas"
Die in Chicago lebende Österreicherin Sabine Scholl hat einen anderen Weg gewählt, sich der umstrittenen Figur Malinche zu nähern. Sie hat eine literarische Figur, die Mestizin Marina, geschaffen, die in einem mexikanischen Viertel in Chicago aufwächst, ihre Herkunft erforschen will und deshalb jahrelang durch die Regenwälder Brasiliens streift und dabei allerlei skurrile Menschen trifft, fasst Honold den Inhalt zusammen. Ein ganzer "tropischer Menschenzoo" mache hier seine Aufwartung, meint der Rezensent. Dass der wiederum aktuellen Theoriedebatten stark nachempfunden sei, stört ihn wenig. Eher sind ihm Scholls Reminiszenzen an Hubert Fichte, Carl Peters, Quax und Sting sowie ihr "etwas angestrengter futuristischer Fimmel" etwas säuerlich aufgestoßen. Allerdings, denkt Honold, ein bisschen Freiheit darf sein, gerade, wenn man die sagenumworbene Lebensgeschichte der Malinche zur Grundlage nimmt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.01.2001
Claudia Kramatschek ist recht angetan von diesem Roman, der eine "eigentümliche Reise durch Zeit und Raum" darstellt, in der sowohl aus der Epoche der Eroberung Brasiliens als auch vom Leben einiger Aussteiger im Urwald im Jahre 2002 erzählt wird. Die Rezensentin registriert erfreut, dass das Buch ohne "den Anflug von Manieriertheit" auskommt, der sie in früheren Texten der Autorin gestört hat. Sie lobt die "poetische Beschreibungsdichte" der Geschichte. Das einzige, was ihr unangenehm auffällt, ist der "sehr erhobene Zeigefinger", mit dem die Autorin mitunter operiert, aber insgesamt zeigt sie sich überzeugt von der "Lakonie und den präzis verknappten Bilder" Scholls sowie von deren Collage-Technik, mit der sie Erzählweisen wie Tagebuchaufzeichnungen, Tonbandabschriften, Reisejournal, historischen Bericht und Gespräche kombiniert.
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