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Ramon Gomez de la Serna
Der Cirkus
Klappentext
Aus dem Spanischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Fritz Rudolf Fries. Von der Eröffnungsnummer bis zur letzten Nummer und zum Verlassen des Zirkuszelts erleben wir ein Schauspiel in allen Facetten: Über die Amazone, die Cirkusradler, Illusionisten und Magier, die Äquilibristen und Japanesen, Schlangenmänner und die Clowns, die Robben und Seelöwen zu den geschmeidigweichen Cirkusfrauen, den Athleten mit Gladiatorenschritt und den rundlichen Pferden: Alles zieht leuchtend an uns vorüber, unter den Raketenklängen der Musik, erhellt vom Funkeln der Pailletten und durchzogen von den Gerüchen der vielköpfigen Zuschauermenge. Im Zirkus ist alles erlaubt, harmoniert alles Groteske, Gegensätzliche und Feindliche, Ernst und Spaß; der Zirkus spiegelt das ganze Leben, ein Welttheater.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.10.2000
Hans-Jürgen Schmitt erläutert zunächst, was es mit den Greguerías auf sich hat, die im gesamten Werk des Autors eine bedeutende Rolle spielen. Dabei handele es sich um ein "aphoristisches Anti-Sprichwort-Verfahren oder auch um die Auflösung eines Begriffs durch einen weit hergeholten Vergleich", so Schmitt. Davon ist auch der vorliegende Band geprägt, wie der Leser erfährt, und nach Ansicht des Rezensenten gelingt es dem Autor auf diese Weise eine Welt zu erschaffen, die "noch imaginativer ist als der authentische Zirkus". Wichtig ist nach Schmitt dabei vor allem das Verhältnis der Zirkuskünstler zur Erwartung des Publikums, die eine entscheidende Rolle spielt, wobei die "ständige Auflösung einer gerade getroffenen Feststellung oder Beschreibung" von großer Bedeutung sei. Das klingt kompliziert, allerdings weiß Schmitt mit einigen Beispielen anschaulich zu machen, was er damit meint, etwa dort wo de la Serna die offenen Münder der Zuschauer beschreibt, so als ob sie mit ihren Schlünden die abstürzenden Trapezkünstler zu retten vermögen. Auch die verschiedenen Perspektiven zwischen Zirkuschronisten und Publikumsmeinung, voller "funkelnder Bosheit und Ironie", gehören für ihn zu den Stärken des Buchs, das durch Fritz Rudolf Fries "hervorragend" ins Deutsch übersetzt worden sei.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.08.2000
Für dieses Dreihundertfünfzig-Seiten-Buch, das fast hundert Mark kostet, hat Wilfried F. Schoeller tief in den Wortschatz gegriffen, sich selbst wohl auch inspirieren lassen von dem "Atlas" aller Zirkusnummern, dem "Kaleidoskop der poetischen Petitessen", um es anzupreisen. Dem Schriftsteller selbst und seinen Rollenbezeichnungen, unter denen er in Deutschland, wenn überhaupt, bekannt ist - Dadaist, Flaneur, Denkbild-Erfinder -, widmet er den ausführlichen Anfang der Besprechung. Siebzig oder hundertfünfzig Titel hat er veröffentlicht, keiner weiß es genau, nur weniges ist in Deutschland übersetzt. Im vorliegenden Buch - die französische Ausgabe wurde noch von Walter Benjamin zur Kenntnis genommen -, beschreibt der Erzähler nicht nur alle und alles am Zirkus irgendwie Beteiligte(n) sondern auch das eigene Entzücken: mal ist er der auf dem Seil, dann wieder im Publikum zu finden. Witzige Bemerkungen zu Tieren und ihren Bändigern, Akrobaten, Gerüche, Musik: ein "luxuriöser Überfluss" ist das, meint Schoeller, dass es einem fast zuviel wird. Und der Rezensent reflektiert am Ende mit Melancholie diesen Versuch, "nocheinmal demonstrativ und vergeblich" den Zirkus zu retten, dessen Sensationen schon damals vom wirklichen Leben überboten wurden. Auch das "Nachspiel" am Schluss, eine pazifistische Rede, die Ramón Gómez de la Serna am Vorabend des Ersten Weltkriegs auf einer Zirkusfete gehalten hat, lässt solche melancholische Betrachtung wohl aufkommen.
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