Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Ramon Gomez de la Serna

Der Cirkus

Cover: Der Cirkus

Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2000
ISBN-10 3434500863
ISBN-13 9783434500865
Gebunden, 350 Seiten, 50,11 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aus dem Spanischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Fritz Rudolf Fries. Von der Eröffnungsnummer bis zur letzten Nummer und zum Verlassen des Zirkuszelts erleben wir ein Schauspiel in allen Facetten: Über die Amazone, die Cirkusradler, Illusionisten und Magier, die Äquilibristen und Japanesen, Schlangenmänner und die Clowns, die Robben und Seelöwen zu den geschmeidigweichen Cirkusfrauen, den Athleten mit Gladiatorenschritt und den rundlichen Pferden: Alles zieht leuchtend an uns vorüber, unter den Raketenklängen der Musik, erhellt vom Funkeln der Pailletten und durchzogen von den Gerüchen der vielköpfigen Zuschauermenge. Im Zirkus ist alles erlaubt, harmoniert alles Groteske, Gegensätzliche und Feindliche, Ernst und Spaß; der Zirkus spiegelt das ganze Leben, ein Welttheater.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.10.2000

Hans-Jürgen Schmitt erläutert zunächst, was es mit den Greguerías auf sich hat, die im gesamten Werk des Autors eine bedeutende Rolle spielen. Dabei handele es sich um ein "aphoristisches Anti-Sprichwort-Verfahren oder auch um die Auflösung eines Begriffs durch einen weit hergeholten Vergleich", so Schmitt. Davon ist auch der vorliegende Band geprägt, wie der Leser erfährt, und nach Ansicht des Rezensenten gelingt es dem Autor auf diese Weise eine Welt zu erschaffen, die "noch imaginativer ist als der authentische Zirkus". Wichtig ist nach Schmitt dabei vor allem das Verhältnis der Zirkuskünstler zur Erwartung des Publikums, die eine entscheidende Rolle spielt, wobei die "ständige Auflösung einer gerade getroffenen Feststellung oder Beschreibung" von großer Bedeutung sei. Das klingt kompliziert, allerdings weiß Schmitt mit einigen Beispielen anschaulich zu machen, was er damit meint, etwa dort wo de la Serna die offenen Münder der Zuschauer beschreibt, so als ob sie mit ihren Schlünden die abstürzenden Trapezkünstler zu retten vermögen. Auch die verschiedenen Perspektiven zwischen Zirkuschronisten und Publikumsmeinung, voller "funkelnder Bosheit und Ironie", gehören für ihn zu den Stärken des Buchs, das durch Fritz Rudolf Fries "hervorragend" ins Deutsch übersetzt worden sei.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.08.2000

Für dieses Dreihundertfünfzig-Seiten-Buch, das fast hundert Mark kostet, hat Wilfried F. Schoeller tief in den Wortschatz gegriffen, sich selbst wohl auch inspirieren lassen von dem "Atlas" aller Zirkusnummern, dem "Kaleidoskop der poetischen Petitessen", um es anzupreisen. Dem Schriftsteller selbst und seinen Rollenbezeichnungen, unter denen er in Deutschland, wenn überhaupt, bekannt ist - Dadaist, Flaneur, Denkbild-Erfinder -, widmet er den ausführlichen Anfang der Besprechung. Siebzig oder hundertfünfzig Titel hat er veröffentlicht, keiner weiß es genau, nur weniges ist in Deutschland übersetzt. Im vorliegenden Buch - die französische Ausgabe wurde noch von Walter Benjamin zur Kenntnis genommen -, beschreibt der Erzähler nicht nur alle und alles am Zirkus irgendwie Beteiligte(n) sondern auch das eigene Entzücken: mal ist er der auf dem Seil, dann wieder im Publikum zu finden. Witzige Bemerkungen zu Tieren und ihren Bändigern, Akrobaten, Gerüche, Musik: ein "luxuriöser Überfluss" ist das, meint Schoeller, dass es einem fast zuviel wird. Und der Rezensent reflektiert am Ende mit Melancholie diesen Versuch, "nocheinmal demonstrativ und vergeblich" den Zirkus zu retten, dessen Sensationen schon damals vom wirklichen Leben überboten wurden. Auch das "Nachspiel" am Schluss, eine pazifistische Rede, die Ramón Gómez de la Serna am Vorabend des Ersten Weltkriegs auf einer Zirkusfete gehalten hat, lässt solche melancholische Betrachtung wohl aufkommen.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

Mehr Bücher aus dem Themengebiet

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren