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Klappentext
"Und das Wahre wird zur Narbe", liest man in den neuen Gedichten. Doch sind sie alles andere als ein Dokument der Ernüchterung. Rothmanns "gelenkige Poesie" (Ludwig Fels) und seine Lebensfreude zeigen sich sowohl in erotischen Gedichten als auch in Songs und modernen Psalmen, sein Ton hält mühelos die Balance zwischen Eleganz und Frechheit. Die Anlässe dieser Lyrik sind scheinbar alltäglich, doch in ihrer Sprache teilt sich eine Erregung mit, die den Alltag transzendiert.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.11.2000
Jochen Hörisch gefällt dieser Band. Diese Lyrik sei "souverän komponiert, eigentümlich lax und in ihrer Laxheit tiefsinnig", wie er mit mehreren Beispielen zu belegen versucht. Unter anderem geht er auf den Umgang Rothmanns mit den Worten "Lied" und "Leid" ein, was er für typisch hält. Hier werde durch den Tausch von Vokalen ein Sinn- und Bedeutungswechsel, ja ein "Neusehen" herbeigeführt, was Hörisch für besonders reizvoll hält und ihn in Rothmanns Anordnung an "Escher-Zeichnungen" denken lässt. Etwas undurchsichtig sind Hörischs Ausführungen darüber, dass seiner Ansicht nach diese Gedichte - wie der Titel bereits suggeriert - auch "Gebete sein könnten". Da ist von Gott die Rede, der diese Gebete auch akzeptieren müsse, von einem Ruin, der dem Gebet als solchem vorausgehen müsse und vom doppeldeutigen Charakter des Wortes Gebet. Es bleibt wohl dem Leser überlassen, sich daraus einen Reim zu machen. Zum Schluss erfährt man immerhin, dass sich in diesem Band anscheinend auch eine Hoffnung ausdrückt: Die, "es könne möglich sein, den Ruin dichter Sprache zu ruinieren".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.2000
Rezensentin Hannelore Schlaffer hat für die Beschreibung dieses Autors nur Superlative übrig, so sehr hat sie dessen Lyrikband begeistert: "Virtuose der modernen Poesie", "Meister solcher Pointen", "raffinierter Metaphern-Techniker". Die Rezensentin ordnet Rothmann ins Spektrum zeitgenössischer Lyrik ein, findet, er gehört zu "einer neuen Generation von Lyrikern, die die Rhetorik wiederentdeckt" hätten und gleichzeitig den Gestus der Kritik beibehielten, "auf den das Gedicht seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts verpflichtet" sei. An "dem schmalen Bändchen" beglückt sie, dass es von "geistreichen Widersprüchen" wimmele, wobei das Beispiel vom "schmerzhaften Grau der Leber" nicht so überzeugend wirkt. Die Rezensentin zeigt sich auch bewegt von der "Souveränität, die - ganz Coolness" - das mitunter "gequälte Lyrikerherz" den Verletzungen gegenüber wahrt, die ihm von der Welt zugefügt werden.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.09.2000
In seiner Besprechung erinnert Eberhard Falcke daran, dass auch das Debüt des ansonsten als Prosaschriftsteller bekannten Autors ein Gedichtband gewesen ist ("Kratzer und andere Gedichte", 1984). Der lyrische Ton mancher seiner Erzählungen wird hier eher eingedickt zur Gewichtigem, dem "manchmal durchaus forcierten Bekenntnis zur Lebensfrömmigkeit" trotz Lebensqual, meint der Rezensent. Ein Beispiel, das Falcke zitiert, kommentiert er als "poetisches Gepolter", wenn er auch den Kunstgriff des Ausprobierens verschiedener lyrischer Ichs durchaus akzeptiert. Alles in allem hat ihn der Band jedoch wenig überzeugt, scheint ihm die "Ausflucht ins Gebet" bei dem von Sehnsucht und Zerrissenheit schreibenden Rothmann zumindest dichterisch keine Lösung.
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