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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Pat Barker

Die Straße der Geister

Roman

Cover: Die Straße der Geister

Carl Hanser Verlag, München 2000
ISBN-10 3446198423
ISBN-13 9783446198425
Gebunden, 255 Seiten, 18,41 EUR

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Klappentext

Aus dem Englischen von Matthias Fienbork. Leutnant Billy Prior glaubt längst nicht mehr an den Sinn des Krieges. Und trotzdem kehrt er zum viertenmal an die Front zurück, weil er es nicht erträgt, daß andere an seiner Stelle sterben. Pat Barker erzählt die Geschichte von Menschen, die der Krieg nicht losläßt. Was die einen in Alpträumen erleben, erleiden die anderen in der Wirklichkeit. Der Roman wurde mit dem Booker-Preis ausgezeichnet.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.08.2000

Aus Anlass der Publikation des letzten Bandes der deutschen Übersetzung von Pat Barkers Roman-Trilogie über den Ersten Weltkrieg ("Niemandsland", "Das Auge in der Tür" und "Die Straße der Geister") würdigt Klaus Harprecht noch einmal das ungewöhnliche Unternehmen der britischen Autorin. Zum einen vergleicht er die in Britannien berühmten "war poets" Wilfried Owen und Siegfried Sassoon, ihren "bitteren, negativen Idealismus" - so die Autorin des Nachworts, Angela Schader - mit den Reaktionen deutscher Künstler auf das Erleben in den Schützengräben, nämlich deren "wild-verbales Gestikulieren". Er macht dann die "Fälle" jener beiden britischen Poeten, ihre Internierung in Nervenheilanstalten und freiwillige Rückkehr an die Front, als Hintergrund der Romane aus. Und schließlich fragt er sich, warum die britische Historikerin, die "mitten im Zweiten Weltkrieg geboren" wurde, sich so ausschließlich und intensiv mit dem "Großen Krieg", wie er in Britannien bis heute heißt, beschäftigt hat? Seine Antwort ist überzeugend: u.a. weil sein Erleben in Britannien überdeckt ist durch die flächendeckende Erinnerung durch Filme und Bücher an die "finest hour" im Sieg gegen Hitler. Und weil das Grauen der Vernichtungsmaschinerie, der der einfache Soldat ausgeliefert war, für die Völker der britischen Inseln im Ersten Weltkrieg stattfand. Insofern, so Harprecht, definiert ihn Groß Britannien als Vorbereitung "gleichsam hinter dem Rücken der europäischen Kulturgeschichte" auf "Auschwitz und Treblinka". Pat Barker lässt nun ihre Protagonisten Leutnant Billy Prior aus dem Proletariat des englischen Nordens und seinen feinsinnigen Nervenarzt Doktor Rivers die Konflikte und Tragödien dieses historischen Geflechtes ausagieren. Das Erleben im Schützengraben, so Harprecht, hat sie mit "erstaunlicher Wachheit?unter anderem auch in seinen "homoerotischen" Aspekten portraitiert, hat "unerschrocken" sexuelle Szenen zwischen den Männern geschildert, ebenso wie die verzweifelten Versuche des Arztes, durch Einfühlung in seine Patienten sie vom Nervenschock durch Trommelfeuer und Gasangriff zu heilen, - nur um sie wieder "frontfähig" schreiben zu müssen. Der "böse Spiegel", den sie dem vergangenen Jahrhundert vorhält, zeigt zudem ein Stück britischer Kolonialgeschichte: Doktor Rivers setzt das europäische Kriegsgeschehen in "merkwürdige Beziehung" zu seinen Erfahrungen als Antropologe und berichtet, wie die britischen Herrscher den in ihrem Machtbereich lebenden Kopfjägern "den permanenten Krieg verboten" haben. Ein großes Lob von Harprecht am Ende auch für den Hanser Verlag - und den Übersetzer Matthias Fienbork -, die dieses "bedeutende Werk" zugänglich gemacht haben.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.05.2000

"Kosmische Lakonie" bescheinigt Sybil Wagner diesem dritten Band einer Romantrilogie über den Ersten Weltkrieg. Die Rezensentin beschreibt Barkers Mischung aus fiktiven und authentischen Biografien, die den Roman auszeichneten. Besonders die Aufnahme des Ethnologen und Psychiaters William Rivers - den es wirklich gegeben hat - empfindet Wagner als gelungenen Kunstgriff. Rivers hatte bei Kopfjägern in der Südsee magische Praktiken gelernt, mit denen er in England "Lähmungen hysterischen Ursprungs" bei Soldaten heilen wollte. So werde bei Barker der gefallene Soldat vor dem Hintergrund primitiver Rituale zum Symbol des natürlichen Werdens und Vergehens - eine Sichtweise, die der Rezensentin deutlich besser gefällt, als jede Überhöhung des Gemetzels zum "Heldentod". Den angesehen Booker-Preis habe Barker für diesen Roman "mit Recht" erhalten, resümiert Wagner.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2000

Mit Respekt, aber nicht unbedingt Begeisterung spricht Klara Obermüller über diesen Roman, der eine Trilogie zum Ersten Weltkrieg abschließt und in Großbritannien den Booker-Prize erhielt. "Kunstvoll gefügt" seien diese Romane - vielleicht allzu kunstvoll, meint die Rezensentin. Die Männer, die hier die Schrecken des Ersten Welkriegs durchleben und in einem Hospital von ihren Kriegstrauamata geheilt werden, um wieder ins Sterben zu ziehen, kommen ihr ein bißchen vor wie Versuchstiere in einer Versuchsanordnung. Die ganze Konstruktion diene der Autorin nur dazu nachzuweisen, dass Männer eine Fehlkonstruktion der Natur seien. Vielleicht, so Obermüller, sei die Kälte, mit der Pat Barker ihre Figuren schildere, nötig, um die Schrecken überhaupt darstellen zu können, andererseits werde das Buch dadurch zu einer quälerischen Lektüre. Interessant findet Obermüller aber, wie die Autorin ihre Fiktion mit dichterischen Erzeugnissen aus der Zeit des Kriegs anreichert.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.03.2000

Thomas Medicus nimmt den Roman, letzter Teil einer Trilogie, erst einmal zum Anlass, um zu beschreiben, wie stark in England die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg noch ist. Das massenhafte Sterben in den Gräben der flandrischen Front bedeutete gleichzeitig den Tod des viktorianischen Englands. Die "war poets" Siegfried Sassoon und Wilfred Owen, die in ihren Gedichten den grauenhaften Stellungskrieg beschrieben, kennt heute noch jedes englische Schulkind. Pat Bakers Trilogie (die ersten zwei Bände "Niemandsland" und "Das Auge in der Tür" sind ebenfalls bei Hanser erschienen) gehört nun zu einer Bewegung vor allem weiblicher Autoren, die diese Zeit kritischer betrachtet, meint Medicus. Die Widersprüchlichkeit, die Bakers Figuren kennzeichne - einerseits verabscheuen sie den Krieg, andererseits wollen sie sofort wieder in die Schlacht, um die Kameraden nicht im Stich zu lassen - halte die Romane "in Atem". Aber Medicus mag sie trotzdem nicht. Vor allem missfällt ihm Bakers "feministische Botschaft", dass diese Männer allesamt hysterisch an ihrer "repressiven Männlichkeitsrolle" leiden. Das leuchtet ihm zwar irgendwie ein, aber gleichzeitig findet er, dass die "ideologische Aufladung" zu allerlei Klischees führt. Wenn Medicus die Autorin dann in die Reihe der Prinzessin-Diana-Fans stellt, deren Demonstrationen nach dem Tod der Prinzessin auch ein Protest gegen die "stiff upper lip"-Kultur des Königshauses war, schwingt einige Verachtung mit.

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