Bücherschau der Woche
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Klappentext
Als Nicolaus Sombart im Sommer 1945 aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen wird und einen Zielort angeben soll, sagt er spontan: Heidelberg! Hier betritt er die Welt von Wissenschaft und Literatur, entdeckt das Heidelberg der zwanziger Jahre, dessen Geist von Gelehrten wie Karl Mannheim und Georg Lukacs geprägt war, und registriert sofort starke reaktionäre Gegenströmungen, die sich etwa in der Person von Carl Schmitt manifestieren. Sombart beschreibt die Träume der frühen Nachkriegszeit und porträtiert die Protagonisten des Heidelberger Geisteslebens. Karl Jaspers, der in den Debatten über die Schuldfrage einen neuen Akzent setzt. Alfred Weber, dessen "Kultursoziologie" deutsche Geschichte neu schreibt. Die Zirkel um Marianne Weber und Else Jaffe, in denen Max Weber noch immer gegenwärtig ist. Die "Neuerer", Dolf Sternberger und Alexander Mitscherlich, die den Anschluss an die westliche Zivilisation suchen. Und: die Kommilitonen Hanno Kesting und Reinhard Koselleck.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.02.2001
Hans-Albrecht Koch spart nicht mit Kritik an diesen Lebenserinnerungen des Schriftstellers und Soziologen, dem er "Selbstverliebtheit" und Mangel an Reflexion vorwirft. Die "pseudo-erotischen Plattheiten" hätte seiner Ansicht nach ein aufmerksamer Lektor entfernen müssen. Es wird "seitenlang in plattester Direktheit" "gevögelt", wobei sich der Autor nicht einmal Mühe gegeben hat, dies sprachlich zu variieren, so der Rezensent indigniert. Trotzdem attestiert er Sombart eine Stärke für das "Anekdotische" und ein Kapitel über einen Aufenthalt in Neapel lobt er sogar als "besonders anschaulich" und "anmutig".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.01.2001
Warum das Ganze, wenn es doch immer nur an einzelnen wenigen Stellen überzeugen kann, fragt sich Lutz Hagestedt bei der Besprechung von Nicolaus Sombarts Autobiografie Teil drei. Eine weitere Altherrenbiografie zwischen "Namedropping und "Diwanhopping" sei das, die zudem trotz stimmiger atmosphärischer Bilder bei der Behandlung wichtiger Themen wie der NS-Zeit nicht über die ignorante Position eines Menschen hinauskomme, der "an der Modifikation seines Geschichtsbildes nicht mehr interessiert ist". Aufgeblasen, mit wenig Distanz zur eigenen Person - Hagestedt formuliert subtiler ein "Anflug davon ist... spürbar" - ist das letzte Wort zu einer Autobiografie, die damit unter der Rubrik ärgerlich belanglos ablegt wird.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.12.2000
Das jüngst erschienene Buch von Nicolas Sombart ist nach den bereits veröffentlichten Jugenderinnerungen des Autors die Fortsetzung einer Autobiografie, die laut Rezensent Rudolf Walther von Eitelkeit und Selbstüberschätzung geprägt ist. In dem Buch erfahre man weder Neues über gesellschaftliche und politische Entwicklungen der Zeit, noch scheine Sombart in der Lage zu sein, seine eigene Denkleistung und die anderer richtig einzuschätzen. Das Buch ist vom "Geist des Ressentiments" geprägt, kritisiert Walther. Überall sei der Autor offensichtlich "Pygmäen des Geistes" begegnet. Adorno und Horkheimer, Taube und Blumenberg hatten ihm nichts zu bieten, von Bedeutung war für Sombart in Heidelberg einzig die Entwicklung seiner "Mega-Utopie", so Walther: Kein Grund, sich so hoch einzuschätzen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.11.2000
Sorgfältig erklärt Michael Buselmeier, warum das neue Erinnerungsbuch von Nicolaus Sombart eine einzige Enttäuschung darstellt. 1984 sei dem Soziologen aus bestem Hause mit "Jugend in Berlin" ein "bedeutender Wurf" geglückt, nun hat er über die Zeit zwischen 1945 und 1951 in Heidelberg was "zusammengestoppelt", streckenweise zwar "brillant formuliert", aber ohne Substanz: Die Stadt am Neckar zwischen Kitsch und Klischee, dazu viel "Vorgeplänkel", Unverständnis für die Aufbauphase nach dem Krieg, Verachtung für die Spießbürger. Hinzu kommen Porträts einiger Wissenschaftler und Freunde - Sombart mag Alfred Weber sehr und Jaspers überhaupt nicht. Das alles ist "künstlich in die Länge gezogen", so Buselmeier, und nicht mal amüsant.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2000
Ist es der "Weltgeist" oder nur der "Heidelberger Geist", an den Nicolaus Sombart in seinen Erinnerungen gerät? Michael Jeismann ist dem Autor in unbeheizte Hörsäle, wo Jaspers über "Kollektivschuld" doziert, und auf Leseabende mit Dolf Sternberger gefolgt und stellt fest: Von der intellektuellen und moralischen Verfassung der Studenten im Nachkriegsheidelberg gibt das Buch einen recht genauen Eindruck. Auch wenn Sombart, wie wir lesen, mitunter der Versuchung erliegt, "mit dem Spiegel in der Hand zu schreiben".
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