Michael Quante befass sich in diesem Buch mit allen Aspekten der modernen Biotechnologien von der Stammzellforschung bis zur Sterbehilfe und fragt nach den Folgen, die sich aus ihnen für den Erhalt der demokratischen Werte ergeben (Autonomie, Freiheit, Gleichheit, etc.). Solange man in der Frage, was den Lebenswissenschaften auf dem Felde des Erwerbs und der Anwendung innovativer Biotechnologien erlaubt sei, von der Annahme der strikten Unvereinbarkeit von Lebensqualitätsbewertung und Menschenwürde ausgeht, droht der bioethischen Debatte die Gefahr, in eine starre Konfrontation bewegungs- und verständigungsunfähiger Blöcke zu münden. Aber ist es wirklich so, daß jede Form der Lebensqualitätsbewertung unvereinbar ist mit der Menschenwürde?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.12.2010
Rezensent Thomas Sören Hoffmann ist mit den Ergebnissen, zu denen der Philosoph Michael Quante hier gelangt, ganz und gar nicht einverstanden. Das ist das eine. Empörender aber noch - und bezeichnend - findet er jedoch, dass Quante die Auseinandersetzung mit Immanuel Kant gar nicht erst sucht. Das ist für Hoffmann geradezu ein Skandal: Ein Philosoph der Gegenwart denkt über "Menschenwürde? und "Autonomie? nach, und Kant kommt nicht vor. Damit hat sich das Denken Quantes offenbar sozusagen von selbst erledigt - der Rezensent lässt sich jedenfalls nicht weiter drauf ein, erwähnt einzig, dass eine Nebenbemerkung in einem Aufsatz aus dem Jahr 1998 heute widerlegt sei. Insgesamt, das bleibt das zentrale Argument, seien Quantes Begriffe von "Menschenwürde? und "Autonomie? im Licht Kants heillos unterbestimmt. Hoffmann wundert sich darum nicht, dass der Autor dann Präimplantationsdiagnostik, Embryonenforschung und Sterbehilfe für Dinge der ethischen Möglichkeit hält.
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