Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
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Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Der Milliardenerbe George Morton kommt einer unglaublichen Verschwörung auf die Spur: Um die Aufmerksamkeit der Medien auf die bevorstehende Klimakonferenz zu lenken, macht die Umweltorganisation NERF gemeinsame Sache mit Ökoterroristen. Diese haben eine weltweite Serie von Naturkatastrophen vorbereitet. Lässt sich das Unheil noch aufhalten?
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2005
Joachim Müller-Jung ist enttäuscht von Michael Crichtons neuestem Öko-Thriller, der seines Erachtens eine durchaus heikle, fast ketzerische Botschaft enthält, aber diese, so lautet Müller-Jungs Fazit, leider moralinsauer vermittelt. Crichton hätte die Ergebnisse seiner dreijährigen Recherchen zum Thema Klimawandel in Romanform verwandelt, wobei der Roman nur als Gerüst herhalte, um die wissenschaftliche Recherche auf- und auszubreiten. Für Müller-Jung grenzt das an "Faktenhuberei", Crichton schrecke nicht mal davor zurück, spröde Klimadiagramme abzubilden, mokiert er sich. Die literarischen Figuren blieben dagegen blaß, führten hölzerne Dialoge oder dozierten mit philosophischem Unterton, so Müller-Jung, um Crichtons These von der "Verschwörung des Gutmenschentums" und seine Warnungen vor einer Hysterisierung der Gesellschaft zu illustrieren. Was ist nun so provokant an Crichtons These? Seine niederschmetternde Erkenntnis lautet, verkündet der Rezensent, dass die Klimaforschung, die mit der Erderwärmung ein Schreckensszenario nach dem anderen an die Wand malt, im Grunde von knallharten Interessen geleitet ist. Kein ganz neue, aber eine interessante und auch haltbare These, findet Müller-Jung, die von einer Perversion des Naturschutzgedankens ausgehe. Eine literarisch adäquate Umsetzung habe Crichton, der ja ironischerweise mit seinen früheren Romanen zu dieser Hysterisierung einiges beigetragen habe, wie Müller-Jung anmerkt, mit "Welt in Angst" allerdings nicht geleistet.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.01.2005
Patrick Illinger ist richtig wütend auf Michael Crichton: Nichts als Besserwisserei, Verschwörungstheorie und absichtliche Fehlinformation, weswegen er ganz klar die Contra-Position innerhalb der unentschiedenen SZ-Redaktion übernimmt. Nun ist ein Thriller nicht zur wissenschaftlichen oder politischen Aufklärung, sondern zur Spannung verpflichtet, doch gerade Crichton habe immer beides bestens miteinander verbunden. Im vorliegenden Roman aber hat ihn das Ressentiment gepackt: Ausgerechnet auf die Umweltschützer hat er es abgesehen und konstruiert eine mächtige Klimaforschungslobby, die es mit Schreckensvisionen von bevorstehenden Katastrophen auf die Hirne und Geldbeutel der globalen Gemeinschaft abgesehen hat. Und dabei, schimpft Illinger, wird der "aktuelle Stand des Wissens schlicht negiert, verkehrt und zur Unkenntlichkeit verstümmelt", während die Handlung "zu einem Pausenfüller... verkommt" und die Charaktere so "durchschaubar" wirken, "als hätten sie eine Leuchtschrift auf der Brust". Fazit: Schlecht und unlauter.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.01.2005
Frauen seien in "Welt in Angst" gern "schön" und "hinreißend" und eher aus Modelagenturen rekrutiert worden als aus der Studienstiftung des Deutschen Volkes, spöttelt Cord Riechelmann über Michael Crichtons neuen Thriller. Um Ökoterroristen gehe es darin, die ein künstliches Seebeben auslösen sollen, um den Menschen die verheerenden Folgen der globalen Erderwärmung klarzumachen. Hinter dieser und anderen fiesen Aktionen steckt Nicholas Drake, Chef der Umweltschutzorganisation NERF, den sein Gegenspieler verfolgt, ein Geheimagent vom "Typ ehrliche Haut". Der Rezensent ist mit beiden durch die Geschichte "gehastet" und dabei den Eindruck nicht losgeworden, der Autor habe endlich zum Abspann kommen wollen. Anhang und Bibliografie, in denen Crichton eine Kritik der Ökologie liefert und gegen den Bevölkerungstheoretiker Thomas Robert Malthus polemisiert, hätten es aber in sich, schreibt Riechelmann nachdrücklich, so dass man doch noch versteht, warum er eigentlich die Pro-Position für die unentschiedene SZ-Redaktion übernimmt. Sie seien "hochgradig nervös infiziert" und zeichneten das Bild eines unglücklichen Positivisten, das man von dem Autor, der sich gerne als unerschütterlicher weiser Mann gebe, gar nicht gewohnt sei.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.01.2005
Etwas enttäuscht zeigt sich Rezensent Kolja Mensing von Michael Crichtons Roman "Welt in Angst", in dem der Chef einer großen Umweltorganisation eine Reihe von Ökoterroristen engagiert, die vor Kalifornien ein künstliches Seebeben auslösen sollen, damit die Spenden an seine Organisation wieder fließen. Wie Mensing berichtet, hat der Bestsellerautor mit Romanen wie "Jurassic Park" oder "Beute" das Genre des Wissenschaftsthrillers groß gemacht und dabei auch einen leicht fortschrittskritischen Ton angeschlagen, ohne jedoch in erster Linie eine Botschaft verbreiten zu wollen. Mensing bescheinigt ihm in seinen früheren Werken einen "spielerischen, literarischen Umgang mit Wissenschaft". Davon habe Crichton sich in "Welt der Angst" leider verabschiedet. Nunmehr gehe es Crichton vor allem darum, Recht zu behalten mit seiner Meinung, Kritik am zivilisatorischen Fortschritt sei völlig überflüssig. Darunter leiden zum Bedauern Mensings Spannung und literarische Glaubwürdigkeit des Romans. Zwar findet Mensing die Actionszenen "nicht schlecht". Doch die können die endlosen Reden der klischeehaften Protagonisten darüber, dass die These vom Klimawandel nur eine Schutzbehauptung sei, nicht aufwiegen. Als literarisches Armutszeugnis Crichtons wertet Mensing schließlich die zahlreichen Fußnoten, die zusammen mit einer langen Literaturliste nur dem Zweck dienten, die Auffassungen des Autors zu belegen. "Zahlenden Mitgliedern von Greenpeace und dem World Wildlife Fund wird dieser Roman nicht besonders gefallen", hält Mensing fest, "aber eingeschworene Michael-Crichton-Fans werden ihn mit Sicherheit hassen."
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