Bücherschau der Woche
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Matthias Steinbach
Des Königs Biograf
Alexander Cartellieri (1867-1955) - Historiker zwischen Frankreich und Deutschland. Habil.
Klappentext
Alexander Cartellieri gehörte zu den wenigen deutschen "Frankreich-Historikern" der ausgehenden wilhelminischen Epoche. Geprägt durch seine Pariser Kindheit fand er in Philipp II. August, der Französischen Revolution sowie den deutsch-französischen Beziehungen Themen, die ihn über lange Jahre beschäftigten. Beeinflußt von Rankes Idee der "germanisch-romanischen Kultureinheit" ist jedoch auf Cartellieris betont nationale Gesinnung hinzuweisen. Die Arbeit sucht nach Niederschlägen dieser Konstellation in Leben und Werk des Jenaer Historikers. Vor allem im Spiegel seiner von 1878 bis 1954 akribisch geführten Tagebücher erscheint Cartellieri als Repräsentant einer exklusiven sozialen Gruppe, als Wilhelminer oder Mandarin, als Bildungsaristokrat, der sich dem Verlust seiner Exklusivität letztlich vergeblich entgegenstemmte, dabei aber als Wissenschaftler und Hochschullehrer Beachtliches leistete.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.07.2001
Hans-Christof Kraus berichtet recht spannend vom Zufallsfund einer nachgelassenen Privatbibliothek eines Gelehrten, der dann zur Entstehung dieser Habilitationsschrift führte. Sie rekapituliert die Lebensgeschichte des Historikers Alexander Cartellieri: der gebürtige Weißrusse, in Paris aufgewachsen, lehrte ab 1902 in Jena. Kraus charakterisiert den Frankreich-Spezialisten als national und konservativ gesinnt, was ihn nicht davon abhielt, beispielsweise die "Annales d'histoire économie et sociale" für die Jensenser Bibliothek zu abonnieren. Cartellieri hat, berichtet Kraus, Distanz gehalten zur Weimarer Republik wie zu den Nationalsozialisten und zeigte sich auch vom neu installierten Regime nach 1945 unbeeindruckt. Um nicht zu hungern, musste er seine Privatbibliothek verkaufen, wurde aber nach seinem Tod 1955 als "großer Historiker der DDR" reklamiert. Für Kraus kommt diese "problemorientierte Historikerbiografie", die sich auf minutiöse Tagebücher aus sechs Jahrzehnten stützt, gerade zur rechten Zeit - die Aufarbeitung der Geschichte der Historiker hat begonnen.
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