Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Am 10. August 1896 wird in Prag Milena Jesenska geboren, Tochter gut situierter Eltern. Für das frühreife Kind, das von der kränkelnden Mutter wenig Hilfe erhält, wird der elegante, weltgewandte Vater zum Idol, seine Parteinahme für die tschechischen Nationalisten zum politischen Vorbild. Bald beginnt sie, die gesellschaftlichen Zwänge und Heucheleien der verfallenden k. u. k.-Monarchie zu durchschauen und in den Kreisen tschechischer Intellektueller und Bohemiens nach neuen Möglichkeiten zu suchen. Erste journalistische Texte erscheinen, sie übersetzt Kafka ins Tschechische. Ihre politische Arbeit wird ihr immer wichtiger, auch über eine kurze Liaison mit Kafka, zwei Ehen und eine Tochter hinweg. 1939 wird Milena Jesenska wegen Widerstands und Beteiligung an der Rettung verfolgter Juden verhaftet; fünf Jahre später kommt sie im KZ Ravensbrück ums Leben.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.2003
Recht unzufrieden ist Rezensent Peter Demetz mit dieser Milena-Jesenska-Biografie. Zwar würdigt er das Anliegen der Autorin, die tschechische Schriftstellerin von der ewigen Anbindung an Kafka zu befreien, mit dem sie lediglich eine kurze Affäre hatte. Am ehesten kann Margret Steenfatt den Rezensenten dort überzeugen, wo sie sich zeitlich und thematisch auf engen Raum bewegt und zur Genauigkeit gezwungen ist. Ansonsten bewertet er das Vorhaben negativ. Besonders macht ihm die Projektion einer "Entweder-Oder-Ordnungskategorie" auf den "altböhmischen Porzellanladen" zu schaffen, wo alles doch ziemlich durcheinander gegangen sei. So figuriere Egon Erwin Kisch plötzlich als Tscheche, was den Sachverhalt für den Rezensenten nicht einmal annähernd beschreibt. Auch die historischen Ausblicke des Buches erscheinen Demetz "eher diffus". Es ärgert ihn außerdem, dass die Biografin nur die deutschsprachige Sekundärliteratur gelesen hat. Genervt ist er schließlich, dass diese "popularisierende Darstellung" alles in einem dauernden Präsens erzählt. Diese "gewaltsame Nähe" unterminiert für ihn die Möglichkeit jeglicher Relexion.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.01.2003
Vieles missfällt der Rezensentin Marion Löhndorf an Margaret Steenatts Milena-Jesenska-Biografie, zum Beispiel Kafkas Bild auf dem Buchdeckel, das Jesenskas Persönlichkeit auf die Rolle der Geliebten reduziere, oder auch die weitschweifige Darstellung historischer und sozialer Umstände und die langen Zitate von Personen, die den Zeitgeist widerspiegeln sollen. Löhndorf findet es schade, dass Jesenskas Bild "unscharf" bleibt, räumt jedoch ein, dass wenigstens "umrisshaft" das Bild einer Frau gezeichnet werde, die sich, wie sie findet, durch Unkonventionalität und großen Mut auszeichnete und deren Leben von schweren inneren und äußeren Kämpfen gezeichnet war.
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