Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Margret Steenfatt

Milena Jesenska

Biografie einer Befreiung

Cover: Milena Jesenska

Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2002
ISBN-10 3434502157
ISBN-13 9783434502159
Gebunden, 200 Seiten, 18,00 EUR

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Klappentext

Am 10. August 1896 wird in Prag Milena Jesenska geboren, Tochter gut situierter Eltern. Für das frühreife Kind, das von der kränkelnden Mutter wenig Hilfe erhält, wird der elegante, weltgewandte Vater zum Idol, seine Parteinahme für die tschechischen Nationalisten zum politischen Vorbild. Bald beginnt sie, die gesellschaftlichen Zwänge und Heucheleien der verfallenden k. u. k.-Monarchie zu durchschauen und in den Kreisen tschechischer Intellektueller und Bohemiens nach neuen Möglichkeiten zu suchen. Erste journalistische Texte erscheinen, sie übersetzt Kafka ins Tschechische. Ihre politische Arbeit wird ihr immer wichtiger, auch über eine kurze Liaison mit Kafka, zwei Ehen und eine Tochter hinweg. 1939 wird Milena Jesenska wegen Widerstands und Beteiligung an der Rettung verfolgter Juden verhaftet; fünf Jahre später kommt sie im KZ Ravensbrück ums Leben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.2003

Recht unzufrieden ist Rezensent Peter Demetz mit dieser Milena-Jesenska-Biografie. Zwar würdigt er das Anliegen der Autorin, die tschechische Schriftstellerin von der ewigen Anbindung an Kafka zu befreien, mit dem sie lediglich eine kurze Affäre hatte. Am ehesten kann Margret Steenfatt den Rezensenten dort überzeugen, wo sie sich zeitlich und thematisch auf engen Raum bewegt und zur Genauigkeit gezwungen ist. Ansonsten bewertet er das Vorhaben negativ. Besonders macht ihm die Projektion einer "Entweder-Oder-Ordnungskategorie" auf den "altböhmischen Porzellanladen" zu schaffen, wo alles doch ziemlich durcheinander gegangen sei. So figuriere Egon Erwin Kisch plötzlich als Tscheche, was den Sachverhalt für den Rezensenten nicht einmal annähernd beschreibt. Auch die historischen Ausblicke des Buches erscheinen Demetz "eher diffus". Es ärgert ihn außerdem, dass die Biografin nur die deutschsprachige Sekundärliteratur gelesen hat. Genervt ist er schließlich, dass diese "popularisierende Darstellung" alles in einem dauernden Präsens erzählt. Diese "gewaltsame Nähe" unterminiert für ihn die Möglichkeit jeglicher Relexion.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.01.2003

Vieles missfällt der Rezensentin Marion Löhndorf an Margaret Steenatts Milena-Jesenska-Biografie, zum Beispiel Kafkas Bild auf dem Buchdeckel, das Jesenskas Persönlichkeit auf die Rolle der Geliebten reduziere, oder auch die weitschweifige Darstellung historischer und sozialer Umstände und die langen Zitate von Personen, die den Zeitgeist widerspiegeln sollen. Löhndorf findet es schade, dass Jesenskas Bild "unscharf" bleibt, räumt jedoch ein, dass wenigstens "umrisshaft" das Bild einer Frau gezeichnet werde, die sich, wie sie findet, durch Unkonventionalität und großen Mut auszeichnete und deren Leben von schweren inneren und äußeren Kämpfen gezeichnet war.

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Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
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Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren