Bücherschau der Woche
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Klappentext
Seit wann hat Ernst Jandl Schriftsteller werden wollen, und warum hat er dennoch 25 Jahre als Lehrer in der Schule zugebracht? Warum hat er eigentlich mit einer beharrlichen Konsequenz fast nichts als Verse geschrieben und immer wieder Verse? "a komma punkt" zeichnet anhand von Bildern und Texten nach, wie Ernst Jandl zum bedeutendsten Neuerer unter den Lyrikern geworden ist und gegen erbitterten Widerstand zu Ruhm gelangte.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.02.2001
Uwe Schüttes Rezension dieses "liebevoll gestalteten und reich dokumentierten Bildbandes" ist gleichzeitig eine Hommage an Ernst Jandl, dessen Sprachkunst er "beispiellos" nennt. Das Buch von Klaus Siblewski, Jandls Freund und Lektor, wird den vielen Facetten des österreichischen Dichters gerecht, meint Schütte. Das liege vor allem daran, dass es nicht linear, sondern nach Schwerpunkten geordnet sei: auf Jandls Familiengeschichte folgen Kapitel über `Lesungen`, `Musik` oder `Friederike Mayröcker`. So würden die "Besonderheiten" Jandls gut sichtbar. Nur an einem Punkt ist der Autor gescheitert, erklärt Schütte, nämlich bei den Lesungen. Keine noch so gute Beschreibung könne "die Dynamik und Magie" von Jandls Vortrag einfangen. Hier vermisst der Rezensent schmerzlich eine CD, die dem Buch hätte beigelegt werden müssen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2001
Gelobt sei Klaus Siblewski für die "endlich" erschienene umfassende Jandl Biografie in Text und Bild. Mit diesem erleichterten Stoßseufzer auf den Lippen muss man sich den Rezensenten Peter Demetz bei dem Umschlagen der letzten Buchseite von Silewskis Buch vorstellen. Ein "kompaktes und wohlausgestattetes Buch über Jandl" sei entstanden, das mit seinen vielen "Fotografien, Snapshots und Materialien" den Rezensenten zu der einen oder anderen lustvollen Abschweifung vom Text veranlasste. Ein wenig vernachlässigt findet Demetz allerdings die Frage, warum Jandl plötzlich zu einem international begehrten Dichter wurde. Auch treffen den Rezensenten persönlich sprachliche Entgleisungen Siblewskis, der unbedacht von "Säuberungen der Klassen von jüdischen Mitschülern" spricht und es nicht für nötig hält, solche Begriffe zumindest in Anführungsstriche zu setzen. Dennoch lässt sich Demetz davon keineswegs die Lust an Text und Bild verderben und kommt als Jandl Liebhaber offenbar voll und ganz auf seine Kosten.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.09.2000
Aus der "Hommage", so stellt Rezensent Dirk Knipphals bedauernd fest, ist durch Jandls Tod nun ein "Nachruf" geworden. Dieser Band mit Fotos aus dem Leben Jandls, Kommentaren seines Lektors Klaus Siblewski und Faksimiles von Typoskripten ist aber, das geht aus der Besprechung klar hervor, ein würdiger Nachruf, geradezu "ein Lebensroman in Bildern". Dass es an Jandl immer Neues und Überraschendes zu entdecken gebe, belegten nicht zuletzt auch die Fotos, die zeigen, dass Jandl alles Posenhafte abging.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.08.2000
Dem Rezensenten Paul Jandl gefällt der Blick, mit dem Klaus Siblewski in seiner mit Fotos angereicherten Biografie das Leben Ernst Jandls betrachtet: "Die Biographie verliert sich nicht in Vertraulichkeiten, und hätte sie es versucht, sie wäre verloren gewesen" - wohl nicht zuletzt aufgrund der "virulenten Traurigkeit", die des Dichters Leben durchzieht. Der Rezensent rekonstruiert die wesentlichen Zäsuren in Jandls Leben und versucht eine künstlerische Verortung des Dichters zwischen Dadaismus, HipHop Poesie, der angloamerikanischen und der Wiener Avantgarde. "Ernst Jandls Poesie ist Jazz, bevor der Autor selbst es weiß". Der Rezensent lobt die Recherchearbeit von Siblewski und die Fotos, die den Dichter "als Poseur einer komischen Traurigkeit" zeigen. Ein Anhang der Rezension verweist noch auf eine weitere Veröffentlichung zu Jandl: "Stehn JANDL gross hinten drauf. Interpretationen zu Texten Ernst Jandls", herausgegeben von Michael Vogt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.07.2000
In einer Doppelrezension bespricht Jörg Drews zwei Bücher zum kürzlich verstorbenen Ernst Jandl: "A komma punkt ernst jandl", von Klaus Siblewski und "Stehn jandl groß hinten drauf", hrsg. von Michael Vogt.
1) Klaus Siblewski: "A komma punkt..." (Luchterhand)
Zu Beginn seiner Besprechung lobt Drews den verlegerischen Wagemut von Klaus Wagenbach, 1966 auf einer Quartplatte (inzwischen auf CD) Jandl seine Gedichte sprechen zu lassen. Erst damit begann der eigentliche Erfolg des österreichischen Dichters, schreibt Drews, und wer ihn nicht nur des Klamauks wegen anhörte, konnte den "konstruktiven Ernst" wahrnehmen, mit dem er dichtete. Die vorgelegte Bildbiografie - ursprünglich gedacht als Geburtstagsgabe zum 75., der am 1.August zu feiern gewesen wäre - zeichnet ein Leben nach, das im "katholischen Wiener Kleinbürgertum" begann und über internationale Erfolge schließlich auch zum Österreichischen Staatspreis führte. Ein Interview mit dem Dichter ist den Bildern beigegeben, in dem Jandl, so Drews, "eine wunderbar schroffe Mischung" von Abwehr und "etwas von sich verraten" bietet.
2) Michael Vogt (Hrsg.): "Stehn jandl groß hinten drauf" (Aisthesis)
Recht spät, meint der Rezensent, erscheinen jetzt auch ausführlichere Arbeiten zu Jandl, der mit seinen politischen Gedichten, die oft vulgär-zynisch oder folkloristisch daherkamen, zu den schwierigeren Dichtern der Gegenwart zählt. Die hier gesammelten elf Aufsätze sind nicht nur seinen Gedichten sondern auch den Dramen und Prosatexten gewidmet und beweisen, so Drews, dass bei Ernst Jandl alles "bis in die letzte Silbe hinein genau und verantwortet" ist. Sie bezeugen, wie sehr das "ausgeleierte Adjektiv `experimentell`" für den Wiener Dichter bedeutete, immer wieder "spezifische Formen" zu finden. Wer die vorliegenden Beiträge geschrieben hat und ob sie vorher schon irgendwo zu lesen waren, erfährt der Leser leider nicht.
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