Bücherschau der Woche
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Bernd W. Holzrichter. Hoch im Norden an der Küste Kaliforniens liegt ein geheimer Surf-Platz. "Heart Attacks", ein Ort für Legenden: fremdenfeindliche und heruntergekommene Indianerreservate und von Haien unsicher gemachte Gewässer, in denen sich im Winter die über zehn Meter hohen eisigen Pazifikwellen brechen. An dieser sagenumwobenen Landzunge soll der ehemals berühmte Fotograf Jack Fletcher noch einmal seine Chance zum "hot-shot" bekommen. Drew Harmon, der verschollen geglaubte Surf-Champion, will hier die gigantische Welle seines Lebens reiten ...
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.10.2002
Richtig beeindruckt zeigt sich Tobias Rapp von den Surferrromanen des Kaliforniers Kem Nunn und entdeckt neben dem Surfen eine gemeinsames Thema in seinen Romanen: den magischen Wellenritt, das absolute Freiheitsgefühl, das Surfen zu einer Droge macht. Tobias Rapp redet nicht lange herum. Er findet diesen im Original vor fünf Jahren erschienen Roman - mehr noch als das Frühwerk "Wellenjagd" - schlichtweg großartig und fühlt sich mit dieser Lobpreisung auch nicht alleine: Der Roman wird "als der beste Roman gehandelt, der je über das Surfen geschrieben wurde", weiß Rapp zu berichten. Das Buch liest sich, als hätte der Autor von der ersten Seite an "den Hall gewaltig aufgedreht". Die atmosphärischen Beschreibungen, zum Beispiel des heruntergekommenen Indianerreservats, in dem das große Surf-Showdown stattfindet, sind in Rapps Augen besonders gelungen. Die Kunst liegt für ihn vor allem in Nunns Sprache, "deren Schönheit man sich kaum entziehen kann" und die einen "merkwürdigen Sog" schafft, so sein begeistertes Fazit.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.01.2002
Dorothea Dieckmann ist hin und weg : "Wo Legenden sterben" sei ein Roman, schwärmt sie, der den amerikanischen Mythos vom gelobten Land auf bewunderswerte, aber auch erbarmungslose Weise weiterträume und -schreibe. Schauplatz ist die "verlorene Küste" Nordkaliforniens, berichtet Dieckmann, es geht ums Meer und ums Surfen; männliche Topoi wie Naturbeherrschung und Selbstüberwindung werden durchgespielt, während zugleich laut Dieckmann alle "heroischen Erwartungen" unterlaufen werden. Denn im Mittelpunkt des Geschehens steht das Schicksal einer Frau, die wegen eines Zwischenfalls von Indianern entführt wird, und es geht letztlich um das blutige Erbe der amerikanischen Kolonisatoren. Die weibliche und die historische Perspektive sorgen nach Dieckmann für eine häufig sogar ironische Brechung des Männlichkeitskultes, ebenso das "lakonische Pathos der Dialoge". Dieckmann ist schlicht begeistert: von der Handhabung des Erzähltempos, den differenzierten Charakteren, den wunderschönen Naturschilderungen, der ungewöhnlichen Sprache, die sich am Ende sogar, so Dieckmann, zu einem versöhnlichen Bild fügen lässt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2001
Aus der Distanz eines "kontinentalen Nichtschwimmers" hat sich Rezensent Martin Halter dieses Buchs angenommen. Amerikanische Kritiker hielten es für "den großartigsten Roman, der je über das Surfen geschrieben worden sei". Halter stellt das etwas fragend in den Raum und meint, aus seiner Sicht sei "Wo Legenden sterben" auch ein kalifornischer Heimatroman - trotzdem eine "packend erzählte Kreuzung aus Thriller und Robinsonade, Abenteuer und Sportroman". Protagonist Harmon wird der "Bruderschaft messianischer Altsurfer" zugeschrieben. Auf der Suche nach dem "ultimativen Kick", der Welle der Wellen, will er in bisher unbekannte Dimensionen des Surfens vorstoßen,. Ein "Käpt'n Ahjab des Wellenreitens" unkt der Rezensent mit leichter Häme. Halter hatte beim Lesen manchmal Mühe, nicht an der Fachterminologie zu scheitern und flucht auf den Übersetzer, der sie fast unübersetzt stehe lasse: also "gesnaked" oder "shooten" schreibt, statt die Sache angemessen einzudeutschen. Andererseits lässt Halter wissen, dass ihn auch Melvilles Beschreibungen von Techniken der Trangewinnung nicht aus der Lesebahn werfen konnten. Und dorthin zurückgekehrt, fällt sein Urteil über das Buch ziemlich positiv aus.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.08.2001
Richtig begeistert zeigt sich Alex Rühle in seiner Rezension von Kem Nunns Surfroman. Deshalb ist er auch ziemlich betrübt darüber, dass das Buch bislang nicht breitere Beachtung fand und dies angesichts der bevorstehenden neuen Büchersaison wohl auch nicht mehr passieren wird. Das schiebt er darauf, dass der Roman schwer kategorisierbar sei und dass die Schlagworte, die den Roman beschreiben könnten, erst mal falsche Assoziationen auslösen würden. Er findet trotzdem, dass Nunn hier eine grandiose Geschichte erzählt und dass Form und Inhalt des Roman wunderbar korrespondieren: "Nunns Prosa hat sich dem Rollen der Pazifikwellen anverwandelt, er treibt die Handlung in weiten Bögen voran." Und auch die Art und Weise, wie Nunn die dunkle Umkehr des kalifornischen Traums beschreibt, findet er ausgesprochen ansprechend. Und so schreckt Rühle auch nicht vor dem Vergleich mit großen Namen zurück: "Nichts ist hier zu spüren von großer weiter Welt und bunten Träumen, die Leute irren durch die Geschichte wie durch einen Albtraum von David Lynch."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.07.2001
Kenn Nunn entwirft in seinem Roman "ein Gruppenbild der Gescheiterten", und das Schlimmste an diesen knapp vierzigjährigen Helden ist, dass sie selbst am besten wissen, wie tief sie gesunken sind, meint Michael Schmitt. Die Reise, die ein ehemaliges Surfer-Idol gemeinsam mit einem in der Vergangenheit erfolgreichen Fotografen und einer "Handvoll Verlorener" zu einem verrufenen Ort an der Ostküste Kaliforniens unternehmen, um zu dokumentieren, wie der Surfstar vergangener Zeiten seine größte Welle reitet, bezeichnet der Rezensent als Reise an den Abgrund, aber auch als "Chiffre einer dunklen Sehnsucht". Die packende Handlung dieses Romans werde mit lakonischer Distanz erzählt, lobt Schmitt. Der Ritt auf der Welle sei dabei der Augenblick der Freiheit, der jedoch nie von Dauer sein könne. Deutlich werde dabei, dass die Suche nach ihm immer das Verderben nach sich zieht, erklärt Schmitt.
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