Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Es war einmal eine Zeit, in der waren Märchen das Selbstverständlichste, die erzählten ebenso wie die erlebten. Heute ist das anders, heute haben sich die Märchen ein wenig zurückgezogen, in die versteckten Dinge, die unscheinbaren Winkel. Aber gelegentlich machen sie sich bemerkbar, tauchen da und dort auf. So auch in diesem Buch, in dem sie sich wie ein Schwarm Zugvögel niedergelassen haben, allerdings Zugvögel der unterschiedlichsten Art: bunte, lächerliche, sinnige, innige, kluge und herzlich dumme. Sie sind alle ziemlich eigenwillig, auch da, wo sie gar keine Märchen sind, sondern Parabeln, kleine Geschichten, die etwas erzählen oder die Rätsel aufgeben oder die einfach gar nichts wollen. Da gibt es etwa ein Huhn mit Sommersprossen, einen Zwerg mit Tangoleidenschaft, Menschen, die knirschen, und Blitze, die das tun, wofür sie bestimmt sind: einschlagen.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.12.2000
Diese Märchen sind, so Arnold Stadler in seiner Rezension, geschrieben "für das Kind im Erwachsenen". Es sind Stücker 118 (auf 96 Seiten), also sind sie sehr kurz, aber doch ist "jeweils alles gesagt". Ja, es sind, findet Stadler, "Haiku-Märchen" und "Märchen-Aphorismen" und trotz des offenbaren Märchencharakters handle es sich doch um eine neue "Kunstform". Jungs Märchen zeichnen sich aus durch "einen subtilen Blick auf diese Welt", die die der Gegenwart und unseres Alltags ist - und dann doch wieder "nicht ganz", schreibt Stadler.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.11.2000
Dieter Hildebrandt hat eine echte Alternative zu Harry Potter entdeckt! Ein schmales Bändchen nur, aber, wollen wir dem Rezensenten glauben, in seiner Schmalheit und Stille ausgestattet mit genügend Sprengkraft, um die Altertümlichkeit des Märchenhaften wegzusprengen. Zum Vorschein kommen hundert Miniaturen in Form von Skizzen, Parabeln, Kinderreimen und Glossen und unterfüttert mit Lichtenberg, Hebel, Andersen, Kafka u.a. - eine "Jamsession der Improvisationen und Impressionen ... mit der Zeit und gegen den Zeitgeist". Hildebrandt kann das nicht anders als "herrlich" finden und ein wenig "klammunheimlich" vielleicht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.09.2000
Kein Buch, das Marion Löhndorf in einem Zug zum Durchlesen animiert, sondern sie mehr zum Stöbern und gelegentlichen Zurhandnehmen einlädt - wie das Märchenbücher nun mal so an sich haben. Wer will sich schon mehr als eine Moral am Tag um die Ohren schlagen? Es seien Märchen für Erwachsene, schreibt Löhndorf, denn sie alle beginnen mit "Es war einmal", aber sie kommen ohne Königinnen oder Feen aus. Sie handeln in kurzen, in sich geschlossenen Kapiteln Alltagsgegenstände oder -geschichten ab: Schuhe, Sommersprossen, Gummibärchen oder Radiergummi. In der Verschiedenheit der Themen liegt Löhndorf zufolge der Reiz des Geschichtenbuchs, das mit verlässlicher Moral und Schlüssigkeit aufwartet.
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