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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

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Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Javier Marias

Schwarzer Rücken der Zeit

Roman

Cover: Schwarzer Rücken der Zeit

Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2000
ISBN-10 3608935088
ISBN-13 9783608935080
Gebunden, 377 Seiten, 20,35 EUR

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Klappentext

Aus dem Spanischen von Elke Wehr. Wird eine Geschichte in der ersten Person Singular erzählt, werden ferner Dinge erwähnt, die dem Autor selbst tatsächlich zugestoßen sind, dann mag es verführerisch sein, den Autor gleichzusetzen mit dem Ich-Erzähler. Das geschah Javier Marías mit einem Roman. Er erhielt Anrufe von Freunden und völlig Fremden, die sich in gewissen Figuren wiedererkannt hatten; und er hörte von anderen, die sichtlich verschnupft waren, weil sie nicht vorkamen. Die Wahrheit war: alle Romanfiguren waren erfunden, die einzig nicht-erfundene Figur war ein wenig bekannter Schriftsteller, der lange tot war. Ein Beweis für die Macht der Fiktion, Wirklichkeit zu schaffen ohne ein reales Vorbild; und Vergessenem durch Erzählen Dauer zu verleihen. Um diese Gedanken kreist dieser neue Roman von Javier Marías. Plaudernd, ironisch, klug, immer unterhaltsam verfolgt Marías wie ein Detektiv die abenteuerlichen Lebensläufe des Dichters Gawsworth, dessen Mentors Wilfried Ewart oder des Abenteurers Hugh Oloff de Wet, deren Wege sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder gekreuzt haben. Lücken in ihren Biographien füllt er gekonnt mit Erfundenem. Die Übergänge zwischen der Rekonstruktion eines Ereignisses und der erzählerischen Imagination sind fließend und legen nahe, dass es sich bei »Schwarzer Rücken der Zeit« selbst möglicherweise um eine subtile Fälschung handeln könnte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.12.2000

Oh bitte, kein zweiter Band, stöhnt Rezensent Heinrich Detering. Genau den plant Marias aber, erfahren wir. Da ist man schon voller Mitleid für diesen Rezensenten, dessen Leidensweg durch 377 Seiten man mit wachsender Anteilnahme verfolgt hat. Es beginnt bei den "hochtrabenden Plattitüden" des mit offensichtlich mäßigem Erfolg unter die Sprachphilosophen gegangenen Autors, die Detering mit verdrehten Augen wiedergibt. Und bald hat dieser Rezensent auch aufgegeben, das Vorhaben des Autors wenigstens im Konjunktiv zu beschreiben. Denn im Zentrum des Buches stehe nicht die Vor- und Nachgeschichte von Marias' Roman "Alle Seelen" sondern der Literat persönlich, der "sich nicht satt sehen kann an seinem Werk" und wohl auch an sich selbst. Wie sich die Sache darstellt, hat Marias dann aber wenig zu bieten, was diesen immens narzisstischen literarischen Auftritt zum Ereignis machen könnte. Zwar beherrsche er das erzählerische Handwerk auf weiten Strecken, gesteht der Kritiker ihm zu, doch durch Missbrauch werde es diskreditiert.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.11.2000

In einer recht inhaltsreichen Rezension geht Albrecht Buschmann zunächst auf einige Spezialitäten des Autors ein, die dieser bereits in "Alle Seelen" an den Tag gelegt habe. So spiele das Hypothetische eine große Rolle - weniger die Handlung selbst als das, was auch hätte sein können. Auch im vorliegenden Roman vermischen sich reale und fiktionale Welt, manche Personen der Geschichte gibt es wirklich, manche weisen Ähnlichkeiten mit ehemaligen Oxford-Kollegen Marias` auf, manche sind fiktional. Verbunden wird dies - so Buschmann - mit Reflexionen "über das Erzählen" und mit autobiografischen Aspekten, wie etwa dem pränatalen Tod seines älteren Bruders. Die Überlegungen, wie dessen Leben hätte verlaufen können, zählt Buschmann zu den "eindringlichsten" der bisher vom Autor verfassten Passagen. Zwar hat das Buch nach Ansicht des Rezensenten im ersten Drittel einige Längen. Allerdings werde der Leser durch Marias` " erhellendes Reflektieren über die Zeit, ihre Flüchtigkeit" durchaus entschädigt. Auch die Übersetzung durch Elke Wehr gefällt ihm ausgesprochen gut.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.09.2000

Milde geht Verena Auffermann mit dem 49-jährigen, "wohlhabend" gewordenen spanischen Schriftsteller um, in dessen "Labyrinth" selbst sie, die seine Bücher liebt, sich manchmal verliert. Dann fühlt sie sich aus dem Text geworfen und mutmaßt, dass man ihm überhaupt gar nichts glauben kann, weder die Fiktion noch die Fakten. Mit der Mischung von beidem beschäftigt sich nämlich dieses "Buch über Bücher" noch einmal auf besondere Weise. Marías nimmt den "Rücken" in seinem Titel als Rückseite der Geschichte, jeder Geschichte, ernst, und gibt, so Auffermann, hier "Auskunft über das Verhältnis realer Personen zueinander, die sich in Marías fiktiven Figuren zu erkennen glauben". Oberflächlich gesehen wurde dies ausgelöst durch einige Oxforder Professoren, die sich über Missrepräsentationen empörten, nachdem sie sich in Marías Roman "Aller Seelen" dargestellt wähnten. Damit hatte der "internationale Star" sie am Haken und schreibt hier seinen Roman noch einmal, gewissermaßen aus der Sicht der anderen und macht so zum Thema, was Kunst und Leben gleichermaßen auszeichnet. Denn "nicht nur der Schriftsteller `fälscht` Biografien", schreibt Auffermann, "jeder Mensch tut es, wenn nicht mit anderen, dann mit dem eigenen Leben. Darüber gibt Marías Auskunft." Eine "Arbeitsanalyse des Schriftstellers" ist dies zudem, meint die Rezensentin, und dem Literaturliebhaber gibt sie weitere Hinweise an die Hand, wie das Buch zu lesen sei: da gibt es z.B. Anspielungen auf Nabokov, auf Marías Biografie und auf die anderer Schriftsteller, und natürlich seine eigenen Bücher. Und sie lobt am Schluss die Übersetzerin Elke Wehr, die seine "verzwickten Bücher so souverän, schlank und lakonisch übersetzt".

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