Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Müllers literarische Arbeit war die permanente Provokation gegen Geschichtslosigkeit, und Geschichte war ihr Grundthema. An der eigenen biografischen Geschichte war er nicht sonderlich interessiert. Weil er als Schriftsteller versuchte, seine Erlebnisse auf eine poetische Formel zu bringen, mischen noch seine persönlichsten Texte Dokument und Fiktion, Dichtung und Wahrheit. Die Auseinandersetzung mit seiner Person und seinem Werk ist entsprechend von Legenden und Thesen überwuchert. Diese Biografie stellt Material bereit, um die Diskussion zu versachlichen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.01.2006
Zu Heiner Müllers zehntem Todestag sind zwei Bücher erschienen, denen sich Beatrice von Matt in einer Doppelrezension widmet. Heiner Müllers "Autobiografie", die nun als neunter Band der Werkausgabe erscheint, war unter anderem Titel bereits 1992 erschienen, wurde 1994 erweitert und liegt nun in einem kommentierten Nachdruck vor, erklärt die Rezensentin. Sie lobt, dass daraus "viel zu erfahren" sei, auch wenn sie weiß, dass Müller selbst mit dem Buch nicht zufrieden war. Der Text ist aus Gesprächen, die Müller mit seinem Lektor Helge Malchow und anderen geführt hat, entstanden, und der Autor beklagte, dass es ihm nicht gelungen sei, die Dialoge "in Literatur" zu übertragen, informiert Matt. Trotzdem findet sie, dass der Band viele "hellsichtige Passagen von schlagender Prägnanz" zu bieten hat, etwa wenn Müller sein Schreiben in der Malerei Goyas "spiegelt". Auch wenn der Autor Kleist oder Shakespeare "von ihren Umbruchzeiten her" interpretiert, "denkt er politisch", stellt die Rezensentin fest, und sieht damit Müller als wahrhaft "europäischen Autor". Das demonstriere nicht zuletzt seine "weitgespannte Lektüre" von griechischen Schriftstellern über Faulkner bis zu den umstrittenen Autoren wie Ernst Jünger und Carl Schmitt, so Von Matt interessiert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.11.2001
Den "Sadomarxisten" Heiner Müller sieht Rezensent Hans Christoph Buch in Hauschilds Biografie zu einem "kleineren Bruder von Brecht" verharmlost und die "Banalität des Buchs" in "auffälligem Widerspruch zur Brisanz seines Objektes" stehen. Zwar sei Müllers Leben und Werk "literarisch zuverlässig und psychologisch glaubwürdig" nachgezeichnet. Doch die Ausgewogenheit dieser "germanistischen Fleißarbeit" überzeuge nicht nur, sondern verstimme leider auch. Risse in Müllers Leben sieht Buch nicht deutlich herausgestellt, nicht den Widerspruch zwischen Müllers literarischer Kühnheit und persönlicher Feigheit herausgearbeitet. Müllers Zusammenarbeit mit der Stasi findet Buch sogar "auf peinliche Weise bagatellisiert". Der Biograf vereinnahme Müller für etwas, was dieser nicht gewesen sei: "Vertreter einer lauen Vernunft, eines linken Mainstreams aus ideologischen Versatzstücken". Auch Anekdoten aus Müllers Leben vermisst Buch, besonders, weil Müller sie selber so gut erzählen konnte. Doch wenigstens hier kann der enttäuschte Rezensent Abhilfe aus eigener Anschauung schaffen. Er erzählt, wo er sie persönlich hörte bzw. erlebte, die ein oder andere Müller-Andekdoten einfach selbst.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.07.2001
Martin Krumbolz hat allerhand zu erzählen. Der Rezensent lässt die merkwürdige Liaison zwischen Müller und der DDR Revue passieren, verweist auf die Widerstände, die Müller zum Schreiben brauchte, und auf dessen Durchhaltestrategien. Schließlich staunt er, was für ein liebenswerter Mensch Müller gewesen ist, "von chinesischer Höflichkeit" geradezu. Und woher weiß er das alles, Krumbolz? Er hat es gelesen - in einer "vorzüglich recherchierten Biografie", die frei ist "von Parteinahmen und weitgehend auch von vorgreifenden Wertungen" und die "in einer unprätentiösen Sprache das Material zur Verfügung (stellt), anhand dessen der Leser sich sein eigenes Urteil bilden darf."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.03.2001
Die Biografie von Jan-Christoph Hauschild über Heiner Müller ist "ein Buch des Fleißes, der Korrektheit und des kritischen Abstandes", lobt Jürgen Verdofsky. Hauschild habe sich als Biograf von Georg Büchner und Heinrich Heine bereits einen Namen gemacht, informiert der Rezensent. Das Leben des großen und berühmten Theatermachers Müller erklärt er nun, und das findet Verdofsky mehr als angemessen, nicht aus dessen Werk. Bereits Bekanntes weiß Hauschild geschickt und genau in seine Biografie einzuflechten, meint der Rezensent. Und selbstgeführte wie zitierte Gespräche mit dem Theater-Mogul verleihen dem Buch Lebendigkeit und einen Hauch von Müllers Aura. Kritik übt der Rezensent lediglich an einigen wenig oder gar nicht berücksichtigten Fakten aus Müllers Leben. Doch diese wenigen Ungenauigkeiten schmälern für Verdofsky nicht den Gehalt der Biografie, die Leben und Werk bis zur "Schul-Verständlichkeit" vermittelt.
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