Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
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Klappentext
Aus dem Französischen von Uli Wittmann. Le Clezio erzählt die Geschichte Laïlas, einer illegalen Einwanderin. Als kleines Kind wird Laïla, die aus dem Süden Marokkos stammt, geraubt und nach Rabat verkauft. Von ihrer Vergangenheit bleiben ihr nur zwei Ohrringe in der Form einer Mondsichel, dem Zeichen ihres Stammes, den Hilal. Nach dem Tod ihrer ersten "Herrin", die dem Kind eine liebevolle Großmutter war, beginnt Laïlas Flucht, die sie nach Paris führt, wo sie untertaucht und sich mit Gelegenheitsjobs und kleinen Diebstählen durchschlägt. Durch ihre fremdartige Schönheit übt sie eine ungewöhnliche Faszination auf andere aus, findet schnell Kontakt, aber kommt sich auch vor wie ein Fisch, der anderen ins Netz geht. Doch sie schafft es, sich durchzubeißen, dank ihrer Lernbegier und vor allem ihrer großen Musikalität, durch die sie nach langem Herumirren in Amerika eine Karriere als Sängerin beginnen kann.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.08.2003
Hendrik Markgraf nimmt Le Clezio entschieden davor in Schutz, ein Erzähler exotischer Sehnsüchte zu sein. Seine Prosa sei niemals "Sprachkitsch", es gehe ihm aber seit seinen frühen Werken um die Suche nach dem Ursprung - des Selbst, der Kultur -, um den "Mythos vom Anfang, als alles noch gut war". Seine Heldin Laila träume diesen Wachtraum der Erinnerung auf ihrer jahrelangen Odyssee durch eine Welt voller Niedertracht und "gesellschaftlichem Elend". Sie lasse sich von ihm zu "immer nur kurzem Glück" leiten und schließlich zurück ins "Land ihrer Väter" - nach Marokko, zu sich selbst und zur Freiheit. Doch gibt es ihn wirklich noch, diesen Ort der Friedlichkeit, das Außerhalb am Ursprung? Die "Reste ferner Kulturen" jedenfalls lösen sich auf - "Folge der Dekolonisation", schreibt Markgraf - und ihre Versprengten fristen ein elendes Dasein in den Armenvierteln einer kaputten westlichen Zivilisation. Und das größte Elend, das erkenne Laila, sei die Akzeptanz der Opferrolle. Eigentlich also ein wahnsinnig pessimistischer Roman, der dennoch einen unwiderstehlichen "Sog" entfalte.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.07.2003
Christoph Haas erkennt in diesem Roman um ein afrikanisches Mädchen, das aus den elenden Lebensbedingungen flieht, nach Paris flüchtet und schließlich als erfolgreiche Jazz-Sängerin zurückkehrt, etwas verwundert ein "partielles Remake" des Buches "Wüste". Darüber, warum der Autor den gleichen Stoff noch einmal bearbeitet hat, kann der Rezensent nur spekulieren. Er vermutet, dass J.M.G. Le Clezio das Elend der armen arabischen und afrikanischen Flüchtlinge eben sehr am Herzen liegt. Die Schilderungen der "Glücksmomente" der Hauptfigur Leila, findet Haas etwas kitschig. Als überzeugender lobt er die Darstellung der Freunde, die Leila in Paris kennen lernt und als am "eindruckvollsten" an diesem Roman lobt der Rezensent die Darstellung von Paris aus der Perspektive einer Fremden.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.04.2003
Jean-Marie Gustave Le Clezio ist nicht gerade dafür bekannt, ein politisch engagierter Schriftsteller zu sein, schreibt der Rezensent Steffen Richter. Sein Terrain waren vielmehr die "zerstörerischen Kraft der westlichen Städte, die Kindheit als magisches Menschenalter und die Vermischung kultureller Lebensweisen". Dieser Ausrichtung sei Le Clezio auch in seinem jüngsten Roman "Fisch aus Gold" treu geblieben, doch habe er auch "subtil" das "schriftstellerische Engagement" geprobt. Seine Geschichte, so der Rezensent, rankt sich um "das schwarze Arabermädchen" Laila, die verkauft wurde und der es nach dem Tod ihrer "Herrin" gelingt, durch Prostitution, Diebstahl und Betrug aus dem Elend zu fliehen. Doch was auf den ersten Blick wie eine "steinerweichende Inszenierung des Jammers" scheinen mag, so Richter, ist in Wahrheit ein Ableger des traditionellen "Schelmenromans" mit der "blitzgescheiten" Laila als Hauptfigur. Denn wie auch im Schelmenroman spiele Le Clezio unter großem Personen- und Intrigenaufgebot mit "engano" und "desengano", Illusion und Enttäuschung. Mit "Fisch aus Gold", in dem sich das Abenteuer mit einer im Zeichen der "Dekolonisation" stehenden "Identitätssuche" verbindet, habe Le Clezio bewiesen, dass "weltanschauliches Engagement und literarische Form kunstvoll zueinander finden können" und "ein sehr zeitgemässes Stück Literatur" geschaffen.
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