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Klappentext
Die republikanischen Auseinandersetzungen zwischen Plebejern und Patriziern bilden ein Urszenarium politischer Theorie. Anders als die klassische Altertumswissenschaft versteht Isabell Lorey die "Ständekämpfe" als Kämpfe zweier politischer Ordnungen um eine neue Konstituierung, und anders als in der zeitgenössischen politischen Philosophie (etwa bei Agamben) erhält der homo sacer bei Lorey eine widerständige immunisierende Funktion. Diese Neuinterpretation der römischen Geschichte dient als Hintergrund für eine umfassende politische Theorie der Immunisierung.
Es sind im Wesentlichen drei Figuren des Immunen, die diese Theorie ausmachen: Bei Thomas Hobbes entwickelt sich eine herrschaftssichernde Figur des Immunen, die die Einzelnen in der politischen Gemeinschaft über die Abwehr des Bedrohlichen schützt. Neben dieser Figur der "juridischen Immunität" entsteht im 18. Jahrhundert eine zweite herrschaftssichernde Figur, jene der "biopolitischen Immunisierung". Hier dient nicht mehr nur die Abwehr des bedrohlichen Anderen, sondern auch seine Domestizierung und Inkorporation der Immunisierung einer politischen Gemeinschaft. Die Geschichte der Plebejer liefert schließlich den Hintergrund für eine dritte Figur und deren Aktualisierungen: Im Exodus und in der Konstituierung durchbricht die "konstituierende Immunisierung" die auf Herrschaftserhalt ausgerichteten okzidentalen Immunisierungsdynamiken.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Isabell Lorey: "Figuren des Immunen" - mehr Infos beim Diaphanes Verlag
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.07.2011
Beeindruckt zeigt sich Rezenstin Andrea Roedig von Isabell Loreys Buch "Figuren des Immunen", in dem die Politologin ein bemerkenswertes Modell des politischen Widerstands entwirft. Im Mittelpunkt des Werks sieht sie Loreys Ausführungen der Auseinandersetzungen zwischen Patriziern und Plebejern im alten Rom, bei denen sich die rechtlosen Plebejer mehrmals aus der Stadt auszogen und erst zurückkamen, nachdem ihnen politische Rechte zugestanden worden waren. Eine gewaltlose, listige Form des Widerstands also. Die Deutungen der Autorin weisen laut Roedig zahlreiche Bezüge zu Denkern wie Foucault, Antonioni Negri, Roberto Esposito, Paolo Virno und Giorgio Agamben auf, wobei dessen Deutung des "Homo Sacer" eine klare Absage erteilt wird. Das Buch versammelt nach Ansicht der Rezensentin eine Fülle von historischem und theoretischem Material. Bisweilen wirkt es für sie ein wenig "überfrachtet". Zudem moniert sie einen gewissen "Manierismus" in der historischen Ausdeutung. Nichtsdestoweniger findet sie das Modell, das Lorey entwirft, bestechend.
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