Aus dem Koreanischen von Kim Hi-Youl und Ralf Deutsch. Der Korea-Krieg ist beendet - die "Tagore", ein indisches Schiff, bringt entlassene koreanische Kriegsgefangene, die weder in den Norden noch in den Süden Koreas zurückkehren wollen, nach Kalkutta. Unter den Männern befindet sich Lee Myong Chun, den seine Landsleute wegen seiner Englischkenntnisse zu ihrem Sprecher gemacht haben. Nach der Befreiung von der japanischen Kolonialherrschaft studiert Lee Myon Chun im Süden Philosophie, doch er ist enttäuscht von der politischen, sozialen und kulturellen Entwicklung, die sich in erster Linie an Amerika ausrichtet. Wegen seines Vaters, der in der kommunistischen Bewegung des Nordens aktiv ist, gerät er in Konflikt mit der Polizei. Als auch seine Liebesbeziehung zu Yun Ae einen unglücklichen Verlauf nimmt, setzt er sich über die Grenze nach Nordkorea ab.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.09.2003
Erstmals erschien dieser Roman in der Zeit des "südkoreanischen Tauwetters" 1960. Danach wurde er mehrfach überarbeitet und gilt heute, so der Rezensent Ludger Lütkehaus, als "Klassiker" der koreanischen Liteatur. Der Autor, 1936 geboren, 1950 in den Süden geflohen, schildert die Geschichte eines "Umgetriebenen", der im Süden gefoltert wird und im Norden, in den er flieht, von den Bonzen nicht akzeptiert wird. In den Süden kehrt er mit der nordkoreanischen Besatzungsmacht zurück, wird selbst zum "Agressor" und vergewaltigt seine einstige Geliebte. Die Kritik des Autors fällt "beißend" aus, am Norden wie Süden, stellt Lütkehaus fest, problematisch blieben allerdings die psychologische Beschreibung des Protagonisten und auch die mitunter "etwas penetrante" Symbolik.
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