Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Herta Müller

Im Haarknoten wohnt eine Dame

Cover: Im Haarknoten wohnt eine Dame

Rowohlt Verlag, Reinbek 2000
ISBN-10 3498044745
ISBN-13 9783498044749
Gebunden, 208 Seiten, 29,65 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Wie in ihrem 1993 erschienenen Postkartensammlung "Der Wächter nimmt seinen Kamm" variiert Herta Müller auch in ihren neuen Text-Bild-Collagen ihre Themen auf spielerisch-virtuose Weise: Gewalt und Flucht, Entwurzelung und Sehnsucht nach Heimat. Die Bildcollagen ? Gesichts- und Körperfragmente, Details aus dem Alltagsleben neben schwarzen Scherenschnittfigurinen ? geben die Stimmung vor, die Texte sind aus einzelnen, aus Zeitungen und Illustrierten herausgeschnittenen Wörtern zusammengeklebt, Bruchstücke mit optischen Akzenten und sichtbaren Fugen, die sich wie Puzzleteile erst bei der Lektüre zu einem Gesamtbild fügen. Neben den Themen von Bedrohung und Bedrängnis schlägt Herta Müller aber auch einen leichteren, unbeschwerteren Ton an: Sie spielt mit Reim und Assonanz, die die Texte bisweilen in die Nähe von Volkslied, Moritat und Bänkelsang stellen, humorvoll, aber auch makaber.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.08.2001

Wieder einmal ein großes Lob für die vielgelobte Herta Müller, dieses Mal von Ernst Osterkamp. Der liebt an diesen "kunstlos-kunstvolle(n)" Reimen und Bildern aus der vorgeblichen Perspektive eines Kindes, das Mama und Papa und andere Bedrohlichkeiten beschreibt, dass hier ohne Larmoyanz von Angst, Terror und Tod die Rede sei. Müllers "poetische Miniaturen" kommen meist leicht und verspielt daher, schreibt Osterkamp, bestechen aber immer durch "lakonische Prägnanz". Immer wieder zitiert er aus ihren Gedichten, deren Erscheinungsbild auf den Buchseiten das von Collagen - ausgeschnittene Wörter und Bilder - annimmt. (Zwei Seiten aus dem Band sind der Rezension per Foto beigegeben). Sein Fazit: große Kunst.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.12.2000

Begeistert äußert sich Gabriele Killert über die "Gelegenheitslyrik" (die Autorin) von Herta Müller: heitere verspielte Texte, denen der vorausgegangene Schmerz, die Erschütterung noch anzumerken sei, die aber eine befreiende Wirkung zeigten. "Der toxische Stoff ist in einer schwingenden Kapsel aus Wohlklang gleichsam versiegelt", schreibt Killert. Gar einen Hang zur Blödelei kann die Rezensentin in diesen Gedichten und Collagen ausmachen, bei denen sich die Autorin erstmals sogar dem Reimschema beugt. Sie betreibe ein parodistisches Spiel, so Killert, in dem den Wörtern das passiere, was der rumäniendeutschen Autorin selbst widerfahren sei: sie würden "entheimatet", auf Kassiberreise geschickt. Die Themen gleichen denen aus Müllers Prosa: Abschied, Weggehen, Auswanderung, aber mit gelassener, fast defätistischer Heiterkeit behandelt, von der Killert gleich mehrfach Beispiel gibt: "Abschied ist ein Apfelwort/ kommt so blind und rund/ ins Rollen/ Nasen ziehn die Koffer fort/ haben keinen andern Grund/ außer daß sie leben wollen." Einfach schön.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.09.2000

Angelika Overath skizziert in einer sehr liebevollen Rezension zunächst die Situation der rumäniendeutschen Schriftstellerin, die unter Ceaucescu die traumatische Erfahrung der Diktatur und Ausgrenzung machte. Deutsch war dabei in gewisser Hinsicht "ihre Sprache, ohne ihre Sprache zu sein". Aus dieser Grunderfahrung erklärt sich für Overath die Machart der Gedichte im vorliegenden Band. Irgendwie war Müller auch in Rumänien an den "Spiegel" gekommen. Sie schnitt Wörter aus dem Magazin aus, um sie auf Postkarten, die sie an Freunde sandte, neu zusammenzukleben. Sie nutzte also, wenn man Overath folgt, das metaphorische Instrument der Zensur, die Schere, um Neues zu schaffen und sich "ihre" Sprache anzueignen. Overath fällt dabei auf, wie oft die so geschnittenen und geklebten Gedichte an Abzähl- und Kinderreime erinnerten, die dann aber immer wieder ins Finstere und Rätselhafte umzuschlagen. Ein "seltenes, ein atemberaubend schönes Buch", findet Overath.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.09.2000

Der neue Gedichtband ist, wie der Rezensent Hermann Wallmann feststellt, eine Art Fortsetzung des vor sieben Jahren erschienen Bandes "Der Wächter nimmt seinen Kamm". Wiederum werden hier "Allerweltswörter und Allerweltsbilder" aus allerlei Printmedien ausgeschnitten und neu zusammengesetzt. Neu seien hier gelegentliche Reime, die "fast betören", und viel verlieren die Texte, so der Rezensent, wenn man sie nur zitiert und die Wörter aus ihrer wahren Textgestalt, einer "kubistischen Vereinzelung", reißt. Das Ergebnis der Cut-Ups sei "sehr liedhaft"; Hermann Wallmann schließt mit dem Fazit, dass ihm kaum ein Gedichtband der letzten Jahre so gut gefallen hat.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

Mehr Bücher aus dem Themengebiet

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren