Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Herausgegeben von Kurt Graf und Paul Hugger. Zunächst arbeitet Hermann Löhnis einige Monate in einem Kontor in Buenos Aires. Dann macht er sich auf eine strapaziöse und oft gefahrvolle Reise, die ihn um das Kap Horn und durch den ganzen Kontinent über die Hochländer der Anden bis nach Panama führen wird. Weite Strecken legt er auf dem Rücken des Maultiers zurück. Bei allen Entbehrungen bleibt Löhnis ein scharfer Beobachter. Sein Blick richtet sich nicht nur auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der jungen Republiken. Löhnis berichtet auch eingehend über die politischen und sozialen Zustände, die Begegnung mit Menschen und von grossartigen Landschaften. So schildert er eindrücklich die Gewaltherrschaft des Präsidenten Jose Manuel Rosas in Argentinien, der sich als Prototyp moderner Diktatoren erweist, mit vollkommener Willkür, Korruption, Denunziation und Gesinnungsheuchelei. Löhnis beschreibt das Leben in einem Kontinent, dessen Staaten die Kolonialherrschaft abgeschüttelt hatten und vor dem Umbruch zur Moderne standen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2001
Mit Anerkennung, aber nicht überschwänglich wird dies Buch in einer mit "bär" unterzeichneten Rezension besprochen. Löhnis sei ein genauer Beobachter gewesen und es scheine wohl nichts zu geben, dem er seine Aufmerksamkeit verweigert habe. Aufgezählt werden Themen, die vom Ackerbau über Regierungswesen und Hausgrundrissen bis zu "Charakterstudien der in Lateinamerika lebenden Ausländer" reichen. Und bei "manch detailgenauen Ausführungen" hätte der Rezensent sich "eine strengere Hand des Lektorates" gewünscht. Es werde nämlich nicht ganz deutlich, ob die vorliegende Fassung nun "historisches Dokument oder lesenswerte Reisebeschreibung" sein wolle.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.02.2001
Dem Kuriosum eines 150 Jahre alten und dennoch aktuellen Reiseberichts widmet sich Gustav Siebenmann. Bis vor einigen Jahren in den Tiefen eines Privathaushalts versteckt sei dieser Reisebericht einer "der farbigsten", vor allem wo Löhnis "landschaftliche Schönheit, Klima, soziale und politische Umstände" beschreibt. Die Herausgeber hätten mit den Aufzeichnungen Material in die Hände bekommen, das eindrucksvoll die schiere Energie und kosmopolitische Gewandtheit des Rheinländers Löhnis illustriere, der zuerst Reisender (1864/1869 Vereinigte Staaten, 1882 Levante) und später Händler in Köln war. Darüber hinaus, so der Rezensent, greifen die scharfen Beobachtungen des "reitenden Reporters" Löhnis mit erschütternder Genauigkeit dem vor, was heute bereits Vergangenheit und Gegenwart Südamerikas ist. Laut Siebenmann für "Lateinamerika-Historiker und Trekking-Liebhaber" gleichermaßen lesenswert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.12.2000
Der Verfasser dieses Reiseberichts aus dem 19. Jahrhundert stammte aus dem Rheinland, erklärt Rezensent Romeo Rey. Löhnis bereiste von 1850-1852 Südamerika und schickte Berichte über seine Erfahrungen an Kaufleute und Handelskontoren in der Alten Welt. Ungewöhnlich waren zunächst die Umstände, wie das Reisetagebuch nach so langer Zeit öffentliches Interesse gewinnen konnte, erzählt Rey: Die Herausgeber, zwei Dozenten für Volkskunde und Geografie von der Universität Zürich, stießen beim Aufräumen durch Zufall auf das Manuskript. Ihnen fiel auf, dass der Autor "damals zu Einsichten über Gesellschaft und Wirtschaft gekommen sei, die in manchen Aspekten bis auf den heutigen Tag Gültigkeit haben", fasst Rey das Resultat des Buchs zusammen. Er beschreibt Löhnis´ Entsetzen über die blutige Diktatur, die er in Argentinien vorfand und wie er potentielle Einwanderer aus Europa vor der südamerikanischen Mentalität warnt, vor allem dem mangelnden "Unternehmungs- und Schaffungsgeist", der die wirtschaftliche Erschließung des Landes behindere. Abschließend weist Rey auf die Sonderstellung des vorliegenden Berichtes hin. Löhnis habe einen anderen Schwerpunkt gesetzt als berühmte Vorgänger wie Darwin, Humboldt oder Poeppig, die sich naturwissenschaftlichen Studien widmeten. Löhnig hat eher "Marktforschung" betrieben, meint der Rezensent.
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