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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Henryk Grynberg

Drohobycz, Drohobycz

Galizische Erinnerungen. Zwölf Lebensbilder

Cover: Drohobycz, Drohobycz

Zsolnay Verlag, Wien 2000
ISBN-10 3552049797
ISBN-13 9783552049796
Gebunden, 340 Seiten, 20,35 EUR

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Klappentext

Aus dem Polnischen von Martin Pollack. Angst und Schrecken verbreitete der aus Wien stammende Gestapohauptmann Felix Landau unter den Juden von Drohobycz. Nur mit dem Schriftsteller und Maler Bruno Schulz machte er eine Ausnahme. Von dem schmächtigen Dichter der »Zimtläden«, dem Kafka-Übersetzer und Zeichenlehrer ließ Landau sich porträtieren, mit ihm unterhielt er sich. Und Schulz redete mit ihm ? um sein eigenes Leben. Und genauso um sein Leben musste der für seine Intarsien berühmte Kunsttischler Hauptman mit dem SS-Scharführer Karl Günther reden, der dessen Kostbarkeiten unter der Hand nach Deutschland verkaufte. Als Landau davon erfuhr, erschoss er Hauptman. Kurze Zeit später wurde Bruno Schulz von Günther ermordet. Beiläufig, als sei dieses Schicksal ganz selbstverständlich, berichten die zwölf Erzähler im Buch des polnischen Schriftstellers Henryk Grynberg über den Holocaust, aber auch über den Antisemitismus in der Sowjetunion. Grynbergs dokumentarische Prosa geht zurück auf die Erzählungen Überlebender, und sie reicht herauf bis in die Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.01.2001

Marta Kijowska zeigt sich von den zwölf biografischen Porträts von Holocaust-Überlebenden des polnisch-jüdischen Autors, der heute in Washington lebt, beeindruckt und berührt. Was diese "Lebensbilder" der alle dem galizischen Judentum entstammenden Protagonisten auszeichnet, ist die "Konkretheit und Sachlichkeit", mit der der Autor in der Ich-Form von ihnen berichtet, meint die Rezensentin, die den lakonischen Tonfall und den völligen "Mangel an Pathos" hervorhebt. Indem die einzelnen Schicksale alle nach dem gleichen "chronologischen Muster" von Vorkriegsgeschichte, Nazizeit und Nachkriegszeit konzipiert seien und durch den Erzähler jeweils ganz neutral vorgetragen würden, bekämen die drei Zeitebenen eine "beklemmende Gleichwertigkeit".

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.01.2001

Die hier zusammengetragenen Zeugnisse erlittener Brutalität durch die Nationalsozialisten haben die Rezensentin Christiane Zintzen sehr erschüttert. Die unerträglichen, aber realen Schilderungen von zwölf Überlebenden der Shoah seien bedrückend genug. Doch erst ihre Reihung mache sie zu einem nicht enden wollenden Albtraum. Der 1936 in Warschau geborene Henryk Grynberg gehe mit dem Leser rüde um. Seine im Stakkato verfassten Sätze lassen keinen Raum für eine Atempause, keinen Platz für einen Moment des Erholens, berichtet die Rezensentin. Aber gerade das findet sie angemessen: konkret erzählte Brutalität, die den Leser verstört, aber der Sinnlosigkeit der geschilderten Verbrechen und Tragödien präzise einen sprachlichen Rahmen gibt.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2000

Einige Schwierigkeiten hat Rezensent Eberhard Rathgeb dies Buch mit "Lebensbildern" aus dem galizischen Drohobycz gemacht. Das hat nicht mit dem Inhalt zu tun - den Geschichten über die jüdischen Bewohner von Drohobycz und ihrem schrecklichen Schicksal, als die Nazis kamen. Es ist die Form, die ihn bedrückte: dass hier die Grenzen zwischen Dokumentation und Literatur verwischt sind, wo doch gerade bei diesem Gegenstand eine "Reinheit der Zeugnisse" so wichtig ist, wie Rathgeb betont. In diesem Buch sei auf allgemeine historische Angaben verzichtet worden. Selbst der Übersetzer helfe in seinem Nachwort nicht weiter. Am Ende mancher Texte stehe einfach eine Jahreszahl und ein Ort. Die Texte sollten wohl vor allem wirken, wirft der Kritiker dem Autor vor, und dafür bräuchten sie keine Fußnoten. Aber warum stelle sich die Frage nach dem Charakter dieser Texte so dringend, fragt Rathgeb und antwortet gleich selbst: Wegen der moralischen Ungeheuerlichkeiten, von denen in diesen Texten erzählt wird. Aber so richtig sicher ist der Rezensent seiner Sache nicht. Sind es die fürchterlichen Schicksale, die sein Urteil am Schluss ins Trudeln bringen? Das Unvorstellbare des Holocausts, schreibt er schließlich, werde durch eine Prosa ins Vorstellbare zurückgeholt, in der das Dokumentarische keinen Gegensatz zum Menschlichen eingeht.

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