Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Henning Mankell

Der Chronist der Winde

Roman

Cover: Der Chronist der Winde

Zsolnay Verlag, Wien 2000
ISBN-10 3552049819
ISBN-13 9783552049819
Gebunden, 272 Seiten, 18,41 EUR

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Klappentext

Aus dem Schwedischen von Verena Reichel. Nelio, ein zehnjähriges Straßenkind, erzählt um sein Leben. Er liegt mit einer Schusswunde auf dem Dach eines afrikanischen Hauses und weiß, dass er sterben wird, sobald seine Geschichte zu Ende ist. Er erzählt, wie die Banditen sein Dorf überfielen, seine Schwester massakrierten und ihn zwingen wollten, seine Verwandten zu töten. Wie er floh, den Weg in die große Stadt fand und Anführer einer Bande von Straßenkindern wurde. Vor allem aber erzählt er vom Leben dieser schwarzen Kinder ...

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.08.2001

In einer Doppelrezension bespricht Dominic Johnson zwei Bücher von Henning Mankell, in denen es jeweils um entwurzelte afrikanische Kinder geht - ein Thema, das nach Johnson gerade schwer en vogue ist.
1.) Henning Mankell: "Der Chronist der Winde"
Hier geht es, wie der Leser erfährt, um den zehnjährigen Nelio, der ein Massaker überlebt und Führer einer Straßenkindergang wird. Die Art, wie Mankell dies darstellt, erscheint Johnson zwar verkünstelt und theatralisch, doch insgesamt findet er das Buch "durch seine schlichte und unprätentiöse Schilderung kindlichen Überlebenswillens" überzeugend. Johnson ist sich sicher, dass der Leser nach der Lektüre dieses Buchs die "Straßenkinderrudel in Afrika, diese lästige Begleiterscheinung der rapiden Verstädterung", mit anderen Augen betrachten wird, nämlich menschlicher. "Selten wurde der Irrsinn des 'stundenweisen Überlebens' so ergreifend nahe gebracht", meint Johnson.
2.) Ders.: "Die rote Antilope"
Johnson findet dieses Buch abstoßend, wobei nicht wirklich deutlich wird, ob sich dies auf das Buch insgesamt bezieht oder vielmehr auf die Tatsache, dass die Schweden von Mankell als "dermaßen ekelhaft" geschildert werden, dass es für den Rezensenten kaum noch erträglich ist. Deutlich wird jedoch ohne Zweifel, dass Johnson Mankells Buch "Der Chronist der Winde" für das bessere hält. In "Die rote Antilope" wird nicht nur der zehnjährige Molo, der von Afrika nach Schweden entführt wird, von Albträumen gepeinigt, sondern offenbar auch der Leser: "Immer dann, wenn es schlimmer nicht mehr kommen kann, wird es erst recht schlimm", findet Johnson. Der Rezensent diagnostiziert in dieser "lakonisch erzählten Geschichte" eine "schnörkellose Unerbittlichkeit".

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.11.2000

Zufrieden ist die Rezensentin Barbara Schmitz-Bruckhardt nicht mit Henning Mankells neuem Roman, der diesmal nicht in Schweden spielt und von Kommissar Wallander erzählt, sondern in Mosambik angesiedelt ist, in dem Mankell die Hälfte des Jahres lebt. In "Der Chronist der Winde" geht es um die Lebensgeschichte des sterbenden 10-jährigen Straßenjungen Nelio, Anführer einer Gang von Straßenkindern. Schmitz-Bruckhardt stößt sich an dem idealisierenden und romantisierenden Blick, den der schwedische Autor auf das afrikanische Land hat und verortet den Roman sehr nah an der Grenze zum Kitsch. Seine Bemühungen, "aus dem Inneren der schwarzen Seele zu erzählen", meint die Rezensentin nicht unfreundlich, sind wohl "nichts anderes als die liebevolle Fantasie eines faszinierten Weißen".

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.09.2000

Christine Holliger ist verärgert. Der Autor hat seinen Straßenkinderroman aus der Wirklichkeit gehoben und eine Fiktion geschaffen, die an "allen Ecken und Enden unwahrscheinlich wirkt", weshalb man sich darauf auch nur schwer einlassen kann, meint die Rezensentin. Über seine "romantisierende" Schilderung des Straßenkinderlebens muss sich jeder "kräftig ärgern", der eine Vorstellung von dem tatsächlichen Elend hat, in dem diese Kinder lebten, so die Rezensentin kopfschüttelnd. Mankell habt den Straßenkindern mit seinem Roman "keinen Dienst erwiesen", bemerkt Holliger streng, denn er vermittelt den Eindruck, ein Kind in dieser Lage kann sich auch ohne Hilfe zu einem "selbstbewussten, beziehungsfähigen Menschen" entwickeln.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.07.2000

Ein Krimiautor beschreibt als Kinderbuchautor das Schicksal afrikanischer Straßenkinder. Das kommt daher, erklärt Susanne Mayer, weil der schwedische Bestsellerschreiber im mozambikanischen Maputo lebt und dort ein Theater betreibt. Auch das neue Buch hat eine Krimihandlung, insofern, als dass die Hauptfigur, der zehnjährige Nelio, Anführer einer Bande von Straßenkindern, angeschossen wird und im Sterben liegend seine Geschichte erzählt. Genauer gesagt wird sie vom Bäcker José erzählt wird, dem Mankell laut Mayer solche Sätze in den Mund legt wie "Ich dachte, dass wir gezwungen wären, das Leben roh zu essen". Man kann es dem Autor, der einem das Schicksal der Kinder gekonnt nahe bringt, nicht verübeln, meint die Rezensentin, dass er hin und wieder etwas dick aufträgt. Auch wenn man nicht ganz herausbekommt, was Mayer von diesem Roman hält, anrührend fand sie ihn bestimmt.

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