Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Müller-Lengsfeldt, Kunsterzieher aus Berlin, möchte im Dunstkreis von Johann Joachim Winckelmann das Alte Rom entdecken. Doch unbegreifliche Ereignisse stören den reinen Kunstgenuß. Und das Vorbild selbst, Winckelmann, entpuppt sich als widerspruchsvolle Gestalt mit einem rätselhaften Doppelleben.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.02.2001
Alles in Allem findet Albert von Schirnding diese Novelle ganz gut. Er schätzt es, dass der Autor sich an die "strenge Form und Förmlichkeit" der Novelle hält, wie sie seit Boccaccio gepflegt wird und von dem Lange wohl den leitmotivisch eingesetzten Wanderfalken übernommen hat, wie er meint. Wie bei dieser Textsorte üblich, fange das Buch ganz alltäglich an - ein Lehrer befindet sich auf einer Bildungsreise in Triest und versucht dort, den Spuren Winckelmanns zu folgen - um dann immer unheimlicher und sonderbarer zu werden. Der Rezensent attestiert dem Text "unwiderstehliche Sogwirkung" und lobt den an der klassischen Novelle geschulten "Sprachgestus", der "eindrucksvoll durchgehalten" wird. Was ihn stört, sind grammatikalische Manieriertheiten, die häufige Verwendung des "gefährlichen Wörtchens `irgendwie`" und die vielen falschen Konjunktive. Außerdem findet er, dass von den Lektoren eine Grundkenntnis des Lateinischen erwartet werden darf - der falsche Artikel vor den "Domus Tiberina" hätte ihnen auffallen müssen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2001
"Eine größere Kunstfertigkeit konventionellen Erzählens dürfte selten erreicht worden sein", jubelt Rezensent Ralf Konersmann, nachdem er lange mit Langes Helden Müller-Lengstfeld durch Rom gewandert ist. Dabei wandelte er auf den Spuren des Archäologen Johann Joachim Winkelmann, und wir sind froh, dass er ihm dabei nicht auf die Füße getreten ist. Man wisse wenig über Winkelmann, meint er, so "dass viel zu vermuten" übrigbleibe. Eine "Lizenz", von der diese Novelle nach Rezensentenmeinung reichlich Gebrauch macht. Nicht ohne Tragik übrigens, wie zu lesen ist, und möglicherweise auch nicht ohne ab und zu unfreiwillig komisch zu sein. Konersmann bricht manchmal in unvermittelte Jauchzer aus, und dann weiß man nicht: macht er sich jetzt über Lange und Müller-Lengstfeld lustig, oder ist dies echte Kritikerbegeisterung. Langes Novelle, meint er am Ende, beweist ihre Qualitäten, wo sie "Scheitern und Gelingen, schnöden Kitsch und existentielle Not" unvermittelt nebeneinander stellt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.12.2000
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen: nach diesem Muster verfährt Andreas Nentwich, der zunächst über eine lange Wegstrecke des Artikels die schöngeistigen Winkelzüge eines vom Leben frustrierten Kunstlehrers schildert, der von Rom nach Triest fährt, um dort die letzten Lebenstage des Archäologen Winckelmann zu ergründen. Erst zum Schluss der Kritik erfährt man, dass Nentwich die Novelle durch einen Konstruktionsfehler für missraten hält: so unkundig könne ein Bildungstourist vom Schlage jenes Kunstlehrers gar nicht sein, meint Nentwich, der den Protagonisten der Novelle ohne jene "subtile Erdung im Realen" sieht, die einen Charakter oder auch eine Karikatur überhaupt erst plausibel mache. "Der Wirklichkeitsmangel", den Lange persifliere, schreibt Nentwich, liege der Novelle letztlich "selbst zugrunde".
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