Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Englischen von Peter Knecht. Harold Bloom, einer der großen Literaturwissenschaftler der Gegenwart, führt den Leser in klarer, einfacher Sprache durch jedes einzelne von Shakespeares Dramen. Er erklärt ihre Bedeutung, verweist auf seine Lieblingsfiguren und gibt Hinweise, wie die Stücke auf die Bühne zu bringen sind. Einen besseren Begleiter durch das Werk des bedeutendsten Dramatikers der Neuzeit gibt es nicht.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.05.2001
Willi Erzgräber scheint zunächst ein wenig erstaunt darüber, dass Bloom sich hier weniger an Literaturwissenschaftler als an ein interessiertes Laienpublikum wendet und deswegen auch auf den üblichen wissenschaftlichen Apparat verzichtet, also Glossar, Bibliografie oder Fußnoten. Insgesamt zeigt sich der Rezensent beeindruckt von dem "Reichtum und der Fülle des Wissens" in diesem Band, und er lobt besonders die Beobachtungen, die Bloom bei der Lektüre der Werke Shakespeares gemacht habe (auch wenn der Rezensent dies an späterer Stelle wieder ein wenig relativiert). Dass Bloom äußerst enthusiastisch bei der Sache ist, scheint dem Rezensenten zwar grundsätzlich zu gefallen, doch seiner Ansicht nach neigt der Autor dabei auch zu Übertreibungen, etwa was die häufige Verwendung von Superlativen betrifft oder auch Wiederholungen. An solchen Stellen hätte sich der Rezensent bisweilen etwas mehr Nüchternheit und Selbstdisziplin des Autors gewünscht. Und auch inhaltlich vermisst Erzgräber so manche Ausführungen, etwa eine "Auseinandersetzung mit dem Gewissen" bei 'Hamlet', oder auch die Berücksichtigung anderer Autoren (griechische Dichter, Virgil, Ovid, Petrarca u.a.). Doch insgesamt müsse man Bloom für die "geistreiche Präsentation vieler treffender Einsichten danken", findet Erzgräber.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.04.2001
Shakespeare ist allgegenwärtig, schreibt Stefana Sabin und führt in einem ausführlichen Artikel knapp ein halbes Dutzend neu erschienener Publikationen über den großen englischen Theatermeister auf, von denen aber nicht alle im Deutschen erschienen sind. Die Rezensentin würdigt zwei dieser Publikationen ausführlicher.
1) Harold Bloom: "Shakespeare - Die Erfindung des Menschlichen"
Die Abhandlung des amerikanischen Literaturwissenschaftlers muss man einfach lesen, denn die Begeisterung, mit der der Autor Shakespeare als "Erfinder des Menschlichen" feiert, ist ansteckend, schwärmt die Rezensentin. In Amerika löste sein Band denn auch geradezu eine Shakespeare-Welle aus und landete auf der Bestseller-Liste der "New York Times". Dabei, schränkt Sabin ein, hat Bloom eigentlich nur eine altmodische Essaysammlung verfasst. Minutiös hat er Drama für Drama analysiert und dabei, kritisiert Sabin, die Werkgeschichte und den Stil völlig außen vor gelassen. Bloom interessieren vielmehr die Figuren, ihre Befindlichkeiten, ihre Seelenlage. Und trotzdem. Auch wenn Bloom aus seiner tiefen Abneigung gegen das Theater keinen Hehl macht und damit Shakespeare selbst als großen Dramatiker ignoriert - Sabin hat sich von der psychologischen Besessenheit der Bloom-Interpretation infizieren lassen.
2) Ina Schabert: "Shakespeare-Handbuch"
Kurz bespricht Sabin das neu aufgelegte Shakespeare-Handbuch von Ina Schabert. Wem die Abhandlung von Bloom zu einseitig war, der kann sich das nötige Hintergrundwissen bei Schabert besorgen, so scheint es. Nach Sabin hat die Herausgeberin viele kundige Beiträge über Shakespeares Leben, die Übersetzungs- und Rezeptionsgeschichte sowie über das elisabethanische Theater zusammengetragen. Außerdem biete ihr Handbuch auch Kurzanalysen der einzelnen Werke sowie Aufsätze über Shakespeares Spuren in der Musik und der bildenden Kunst.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.2001
Zwei neue Bücher des "Enfant terrible" der amerikanischen Literaturtheorie bespricht mit merklicher Bestürzung Heinrich Detering. Auch deshalb, weil er nach den früheren "wirkungsmächtigen Arbeiten" etwas ganz anderes von diesem "großen Kritiker" erwartet hat.
1) "Shakespeare" (Bloom)
Diese "kunstreligiöse Erhöhung" Shakespeares zu einer "Schöpfergottheit" geht Rezensent Heinrich Detering deutlich gegen den Strich. Auch wären die Thesen, die der Klappentext als neu ausgebe, so neu nun wieder auch nicht: zum Beispiel, dass Shakespeare der Erfinder des modernen Individuums sei. Vielmehr sieht der Rezensent hier die Genieästhetik des 18. Jahrhunderts gegen modernes Reden vom "Tod des Subjekt" ins Feld geführt. Im Wesentlichen moniert Detering die "Ersetzung der Analyse durch Adoration", die er noch nicht einmal als "eine schrullige Variante moderner Kunstreligion" beiseite legen könne, da Bloom auf der "Beweis- und Messbarkeit seiner Glaubensbekenntnisse" bestehe. Nach welcher Skala jedoch bleibt nach Detering im Dunkeln. Stattdessen jede Menge mächtiger Vokabeln - und der "apokalyptische Ton", in dem sie vorgetragen werden, fällt dem Kritiker ziemlich auf die Nerven. Auch deshalb, weil er hier mitunter "Symptome einer Orthodoxie" erkennt, die seiner Ansicht nach ans "Wahnhafte" grenzt. Noch nerviger findet der Rezensent die verschiedenen "sonderbarsten" Hitlisten, die aus dem Buch auch ein Guinnes-Buch der literarischen Rekorde machten.
1) "Die Kunst der Lektüre" (Bloom)
"Welchen Grund aber könnte es geben", fragt Heinrich Detering, "diese Ansammlung von Banalitäten, Bluff und grobem Unfug zu lesen, mit der ein großer Kritiker seinen Ruf ruiniert?" Er habe darauf keine Antwort, doch hält er die Frage für bedenkenswert. Zuvor hat er sich pflichtbewusst durch die dreihundert Seiten gearbeitet, auf denen mehr als vierzig weltliterarische Werke gemustert und nach Gattungen gegliedert würden. Auch unter der Fragestellung: "Wie soll man lesen, und warum?" Zunächst stolpert Detering über Blooms "neuerdings vertretene Theoriefeindschaft" und die Plattheit der daraus resultierenden Urteile. Auf den begeisterten Überschwang, mit dem hier manches gelobt wird, will er sich gar nicht mehr einlassen, da es schwer falle, die "Superlative auseinander zu halten". "Verwirrend, ja rätselhaft" schließlich findet Detering dann die wenigen Versuche, literarische Begriffe zu erläutern. Was er als Textproben zu kosten gibt, klingt bisweilen arg stilblütenhaft und dem Rezensenten rutschen immer wieder hämische Kommentare in die ansonsten sehr sachliche Besprechung des Buches. Am Ende resigniert er schließlich: wer unter Blooms Anleitung lese, sei dem New Age nicht mehr fern. Fast treibt das dem Kritiker die Tränen in die Augen: "man kann nicht glauben, dass derlei Harold Bloom geschrieben haben soll."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.12.2000
Wer hat hier wen infiziert? In höchsten Tönen lobt Rezensent Rolf-Bernhard Essig die Studie des in Shakespeare vernarrten amerikanischen Professors. "Überzeugend und auf bezaubernd persönliche Weise" und "mit den Augen hellsichtiger Liebe" löse Blooms Analyse der Shakespeare-Stücke "unerhörte Erkenntnislust" aus. Essig verspricht dem Leser, dass er während der Lektüre "wahre Geistesabenteuer" erleben kann. Blooms Begeisterung sei so ansteckend, dass man es gar nicht erwarten könne, Shakespeare im Original zu lesen. "Erregend", "schlagend", "Ehrfurcht gebietend", "Aufschlüsselungen", "Offenbarungen" - die Wortwahl des Rezensenten für Harold Blooms Interpretationen spricht für sich.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.10.2000
Christiane Zschirnt erweist dem dicken Buch (1066 Seiten!) des Shakespeare-Forschers und -Verehrers Bloom den nötigen Respekt, um sich dann doch am Ende mit einer kleinen Verbeugung aus dem Kreis der Verehrerinnen des Interpreten zu verabschieden. Bloom, den sie als eine Art "amerikanischen Marcel Reich-Ranicki" sieht, siedelt sie in der Tradition des europäischen Humanismus und Geniekults an, wonach die Gesellschaft am Menschen gemessen wird, weshalb Shakespeare von Bloom als großer Menschenbildner und Gesellschaftsportraitist gepriesen werde. Eine nachvollziehbare Position, die im Buch viele interessante Spuren legt, Zschirnt aber nicht zeitgemäß erscheint. Shakespeare befinde sich nicht über, sondern unter uns, schreibt Zschirnt, die sich im übrigen von einer gewissen Eitelkeit Blooms gestört zu fühlen scheint.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.10.2000
Wenig anfangen kann Oliver Vogel mit diesem Buch über Shakespeare, das mit shakespeareschen Figuren - Falstaff und Hamlet beispielsweise - Shakespeare erklären will. Nicht dieser Einfall ist es jedoch, der ihm auf die Nerven geht, sondern die in unendlichen Variationen gesungene Genie-Lobpreisungen des Interpreten. Die Größe des großen Barden hat offenbar nur einer begriffen, nämlich Harold Bloom, ärgert sich Vogel. Und die anderen Interpreten, gar solche, die mit einem "kollektiven Charakter" literarischer Produktion argumentiert haben, um dem Phänomen Shakespeare auf die Spur zu kommen, werden von Bloom, ohne dass sie namhaft gemacht werden, mit Hohn und Spott überschüttet. Seine Erzfeinde, gegen die er da anschreibt, scheinen der ungenannte, vom Rezensenten als Stephen Greenblatt ("Verhandlungen mit Shakespeare") identifizierte, "Herr der sozialen Energien" zu sein sowie die "Spekulationen aus Paris", also Foucault und seine Schüler. Was er diesen letztlich immer wieder nur entgegenhält ist eine "Kunstreligion", urteilt Vogel, "die das Denken durch leerlaufende Rhetorik und devote Eitelkeit ersetzt".
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