Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Diese Erzählungen spielen in Rerik, am Nord-Ostsee-Kanal, auf Gotland, in Helsinki, Klaipeda ... Sie handeln von Menschen, die unterwegs sind und zugleich in ihren Schicksalen gefangen: wortkarge Seebären, desillusionierte Künstler, angebetete Frauen. So unterschiedlich die Geschichten auch sind, sie haben doch alle etwas gemeinsam. Sie erzählen von Sehnsüchten - nach geliebten Menschen, nach einem freien Leben oder nach dem einfachen Gefühl, verstanden zu werden.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.09.2011
Nico Bleutge fühlt sich vor allem von dem Dämmerlicht angezogen, das die Texte von Gregor Sanders neuem Erzählungsband ausstrahlen. Seine Protagonisten sind ganz normale Zeitgenossen, die, oft fast unmerklich, an den deutschen Küsten, in Schweden oder der Kurischen Nehrung mit Brüchen in ihrem Leben konfrontiert werden, erklärt der Rezensent. Ihm gefällt besonders, wie der Autor immer wieder historische Schichten aus der untergegangenen DDR oder der Nazizeit einflicht und wie gekonnt er die Gefühlslagen seiner Figuren in den wechselnden Landschaften zu spiegeln vermag. Mitunter vermisst der Rezensent bei allen lebendigen Details allerdings wirklich dichte Atmosphäre, und die eine oder andere"Floskel" hat ihn auch gestört. Die mitunter ziemlich ambitionierte Konstruktion seiner Erzählungen findet er zudem nicht immer überzeugend, und manchmal enden ihm die Geschichten auch zu "pointiert", wie er anmerkt.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.07.2011
Rezensent Frank Schäfer lobt Gregor Sander als "behutsamen Konservator" der jüngeren Geschichte Deutschlands. Von den in "Winterfisch" versammelten neun individuellen Leidensgeschichten erzähle der 1968 geborene Autor "kühl und metaphernlos" wie jemand, der die Geschichten selbst nur erzählt bekommen habe. Gerade durch diese Distanz, so Schäfer, könne man nicht anders, als dem Autor aufmerksam zuzuhören, wenn er beispielsweise von Eltern eines auf der Flucht erschossenen Republikflüchtlings erzählt, die bis heute über dessen Tod nicht hinwegkommen. Eingebettet in eine Rahmenerzählung, die in der Gegenwart spielt, hat der Rezensent in diesem "poetologischen Rechenschaftsbericht" viele verstörende Einblicke in durch die gewaltsame, jüngere deutsche Geschichte verbogene Biografien erhalten.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.07.2011
Zwei Romane stellt Ursula März vor, die ihrer Ansicht nach von einem neuen Erzählen über die DDR zeugen: Peggy Mädlers Roman "Legende vom Glück des Menschen" und Gregor Sanders "Winterfisch". An Sanders Erzählungen gefallen ihr besonders der lakonisch, ruhige Ton und die "verspielte, ungezwungene Uminszenierung" der Geschichte. In den meisten Geschichten begibt sich jemand auf Reisen, und zwar über Nord- und Ostsee, so dass in diesem Buch die "Küstenlinie" einen neuen Erzählraum definiere, der Deutschland, die nordischen und die baltischen Länder umfasse.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.07.2011
Dunkel Ahnungsvolles und leicht Schwebendes, aber auch Katastrophisches zwischen Güstrow und Kiel entdeckt Nicole Henneberg in diesem, wie sie feststellt, gut komponierten und geschlossen anmutenden Band mit Erzählungen von Gregor Sander. Sanders Referenz an Uwe Johnson erzeugt bei Henneberg Vorfreude und erscheint ihr am Ende absolut passend und gerechtfertigt. In Sanders Texten erkennt sie das Lebensgefühl von Johnsons Figuren wieder. Laut Henneberg schafft es der Autor mit Detailversessenheit und historischer Akribie (wie Johnson) bzw. auch mal mit wenigen Strichen und unscheinbaren Szenen ganze Psychogramme oder Zeitpanoramen zu entwerfen. Die Figuren gelangen dabei nicht selten unversehens auf das politisch verminte Terrain zweier Diktaturen, schreibt die Rezensentin, staunend über die aufregende Welthaltigkeit des Ostseelandes.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.06.2011
Martin Zingg hat sich von den Erzählungen Gregor Sanders gefangen nehmen lassen, die überwiegend im nördlichen Europa und nicht selten in sehr kalten Gefilden spielen. Seine Geschichten erzählen von der "Verlorenheit" eines Zwillingspaars, einer bedrückenden Familienfeier, in deren Zentrum der bei seiner Flucht aus der DDR erschossene Bruder steht, oder einer Reise eines Paares auf den Spuren Ingmar Bergmans, die sich zunehmend voneinander entfernen, fasst der Rezensent zusammen. Er zeigt sich von der kargen Erzählweise, die sich jedwedes "Psychologisieren" seiner Figuren verbietet und zumeist von Alltäglichkeiten ausgeht, gefesselt und sieht hier eindrucksvoll demonstriert, wie die Vergangenheit bis in die Gegenwart hinein "zur Fußfessel" werden kann.
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