Bücherschau der Woche
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Klappentext
Nach dem neapolitanischen Text von 1634/35 erstmals vollständig übersetzt von Hanno Helbling, Alfred Messerli, Johann Pögl, Dieter Richter, Luisa Rubini, Rudolf Schenda und Doris Senn. Herausgegeben von Rudolf Schenda. Der neapolitanische Ritter Giambattista Basile schrieb mit dem "Märchen der Märchen" jenen fünfzig phantasiereichen, sprachlich überraschenden und keinesfalls unpolitischen Erzählungen, die 1634 bis 1636 und damit posthum erschienen, die erste Sammlung europäischer Phantasiegeschichten. Sie ist als "Pentamerone" (Fünf-Tage-Werk) weltberühmt geworden. Kluge Prinzessinnen, Tierkönige, Drachentöter, das Mädchen ohne Hände, ungeschickte Tölpel, wackere Abenteurer, grimmige Oger, hilfreiche Feen, Prinzen und Könige - die altvertrauten Figuren der europäischen Märchenliteratur bevölkern dieses barocke Erzählwerk.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Das Pentamerone - Info bei C.H. Beck
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.06.2001
Gegen die mündlich vom Volk überlieferten Märchen hätten die Gebildeten in Deutschland über Jahrhundert hinweg Vorurteile gehabt, anders als im romanischen Sprachraum, informiert Ute Stempel vorweg. Erst dank Herder und durch die Sammelarbeit der Gebrüder Grimm erfuhren die Märchenerzählungen eine Aufwertung zur "Volksdichtung", erklärt sie. Doch auf einen weiteren Unterschied zwischen den beiden Sprachräumen im Umgang mit dieser literarischen Form macht die Rezensentin aufmerksam: die häufig derben oder gar obszönen Formulierungen oder Inhalte wurden in Deutschland zu Lasten von Authentizität bereinigt, während im romanischen Sprachraum "frei von deutsch-bürgerlichen Regelzwängen", dem "Volk ungeniert aufs Maul geschaut" wurde. Eines der bedeutendsten Werke der Märchendichtung ist wohl das 1632/34 postum erschienene "Il Pentamerone" des Neapolitaners Giambattista Basile, das einige Märchenstoffe beinhaltet, die lange als urdeutsche Mythen vereinnahmt wurden, wie die Rezensentin anmerkt. Sie begrüßt dessen jüngst erschienene vollständige Neuübersetzung, "trefflich und deftig ins Deutsche gebracht" und dazu eine "editorische Meisterleistung", wie sie findet. Indem Basile bei seinen Märchen die "saftig vulgären Redewendungen beibehielt, wählte er einen gänzlich entgegengesetzten Weg zu dem der, "farbige Authentizität scheuenden, der Gebrüder Grimm", bemerkt die Rezensentin und dies, obwohl er sich durchaus anders auszudrücken vermochte: Der in den Adelsstand erhobene Basile war Hofdichter verschiedener Fürstenhäuser und verfasste Sonette in der italienischen Hochsprache.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.10.2000
Seit den Brüdern Grimm, schreibt Albert Gier, scheint es für die meisten, und vor allem die meisten Deutschen, nur noch deren Märchen zu geben. Basiles am italienischen Barock geschulte Märchen zeigen allerdings deutlich, dass die deutschen Romantik den "Volksmund" zu Unrecht zum Kindermärchen verniedlichte. In den hier neu vorgelegten fünfzig Märchen des Italieners, erzählt von "zehn grotesk hässlichen alten Frauen", geht es nicht nur derber sondern auch witziger zu und sexuelle Begierden bleiben "selten ungestillt", schreibt der Rezensent. Auf etwa sechzig Seiten geben Anmerkungen die nötigen "Sacherläuterungen", ein Nachwort informiert über die Stationen der deutschen Basile-Rezeption und weitere vierzig Seiten dienen dem wissenschaftlichen Interesse, alles das ist lobend beachtet von Albert Gier. Hier wird "mit Recht" daran erinnert, schreibt er, "dass es auch Märchenbücher für Erwachsene gibt".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.10.2000
Verdutzt zeigt sich Franziska Meier über die sprachlich-stilistischen Eskapaden dieser Neuübersetzung von Giambattista Basiles "Pentamerone". Der Deftigkeit des Ausdrucks und der prallen Bildhaftigkeit des im Neapolitanischen Dialekt des 17. Jahrhunderts verfassten Originals ist scheinbar auch mit einer ganzen Schar von Übersetzern nicht beizukommen. Herausgekommen ist, schenken wir der enttäuschten Rezensentin Glauben, ein "Bärendienst" am Märchendichter, der noch den angestaubten Nacherzählungen einiger der insgesamt fünfzig Texte Basiles aus der Feder der Gebrüder Grimm unverhofften Glanz beschert.
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