Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Eberhard Straub

Die Furtwänglers

Geschichte einer deutschen Familie

Cover: Die Furtwänglers

Siedler Verlag, München 2007
ISBN-10 3886808394
ISBN-13 9783886808397
Gebunden, 348 Seiten, 24,95 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Schon lange zählen die Furtwänglers zu den schillerndsten Familien in Deutschland. Sie waren Bauern und Bildungsbürger, Archäologen und Philologen, Künstler und Bohemiens. Eberhard Straub, bekannter Biograf und Publizist, schildert Geschichte und Bedeutung dieser deutschen Familie und lässt dabei eine bürgerliche Welt wieder auferstehen, die es so nicht mehr gibt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.01.2008

Thomas Medicus hat sich mächtig geärgert über dieses Buch von Eberhard Straub, das - so fängt es an - überhaupt keine Familiengeschichte sei, nicht einmal eine Biografie Wilhelm Furtwänglers. Worum es dem Autor gehe, sei einzig und allein, den politisch-moralischen Bankrott des deutschen Bürgertums zu beweisen. Der Dirigent Furtwängler diene hier nur als Paradefall des treudeutschen Bildungsbürgers, der jeden Wirklichkeitssinn verlor, als er in den "ästhetischen Ideenhimmel der deutschen Klassik" entschwebte. Das ist für den Rezensenten alles ein alter Hut, viel zu undifferenziert und zu apodiktisch. Straub unterscheide weder zwischen Bildungsbürger und Bourgeois noch zwischen dem Bürgertum als sozialer Schicht und der Bürgerlichkeit als Wertesystem. Und auf letzte will Medicus nichts kommen lassen, mit ihr verbindet er durchaus kulturelles Traditionsbewusstsein, aber auch Selbstentfaltung und soziale Verantwortung und nicht - wie Straub es will, "bürgerliche Kuntsreligion als Gegensatz zu einer reputierlichen Gesinnung. Und dass Straub in den Passagen zu Furtwängler diesen auch nur als übellaunig, geltungssüchtig und intrigant schildert, ist dem Rezensenten auch ein Dorn im Auge.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.12.2007

Ein wenig irreführend scheint Rezensent Hans-Jürgen Linke der Titel dieses Buchs von Eberhard Straub, denn um "die Furtwänglers" geht es dem Autor eigentlich eher weniger. Dennoch bewertet er das Werk recht positiv. Im Mittelpunkt sieht er den Dirigenten und Komponisten Wilhelm Furtwängler (1886-1954), lange Zeit Leiter der Berliner Philharmoniker. Allerdings fungiert Furtwängler in seinen Augen nicht als Gegenstand einer Biografie, sondern einer "exemplarischen politischen Abhandlung", geht es dem Autor doch primär um eine Geschichte des deutschen Bürgertums beziehunsgweise des Bildungsbürgertums und dessen Versagen unter der Nazidikdatur. Er attestiert Straub, mit Furtwängler kritisch ins Gericht zu gehen, ihm moralisches Versagen vorzuhalten. Dabei unterstreicht Linke, dass Straub stets sorgfältiges Quellenstudium betreibt und als Historiker solide arbeitet. Auch die Berliner Philharmoniker beurteile Straub strenger als etwa Misha Aster in seinem Buch "Das Reichsorchester". Lobend äußert sich Linke über die gute Lesbarkeit des Buches. "Aber eine Familienchronik", schließt er, "wäre wirklich ein anderes Genre."

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2007

Der Titel des Buches ist fast ein Etikettenschwindel, glaubt man dem Rezensenten Gustav Falke. Denn im Grunde gehe es dem marxistisch orientierten Autor Eberhard Straub weniger um die Familie Furtwängler im Besonderen, sondern um das Versagen des Bürgertums angesichts des Faschismus im Allgemeinen. Insofern halte dies Buch "mehr, als es verspricht". Straubs These lautet, dass das ganze Projekt Bildungsbürgertum und die ganze "Idee von Bildung" in ihrer aller politischen Realität abgewandten Ideologie von vorneherein der "sittlichen Verwahrlosung" Vorschub geleistet habe. Das will Gustav Falke so ganz sicher nicht stehenlassen. Gewiss, es gebe eskapistische Züge zum Beispiel der klassischen "Griechensehnsucht", auf der anderen Seite aber sei das Humanistische - mit seinen sittlichen Normen - aus dem Klassischen auch nicht zu subtrahieren. Insgesamt also ein Buch, mit dem der Rezensent auf engagierte Weise nicht einverstanden ist, was womöglich aber auch seiner Ansicht nach nicht nur gegen es spricht.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren