Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Milo?evics Kriege haben während der neunziger Jahre fast alle Teile des sich auflösenden und schon zerfallenen Jugoslawien überzogen. Nach der Aufhebung der Autonomie des Kosovo und der Vojvodina war der erste Schauplatz Slowenien, es folgten Kroatien, Bosnien-Herzegowina und schließlich wiederum das Kosovo. Das im Auftrag des Frankfurter Ost-Westeuropäischen Kultur- und Studienzentrums "Palais Jalta" herausgegebene Handbuch ist Nachschlagewerk und zugleich informatives Lesebuch zu allen Aspekten der Kriege in Jugoslawien. Durch seine historisch gründlich recherchierten Kapitel über alle Völker des ehemaligen Jugoslawien deckt das Werk in enzyklopädischen Essays die lange Vorgeschichte (von der Geschichte der Völker und Staaten bis zur Gründung des ersten Jugoslawien 1918 über den Untergang im Zweiten Weltkrieg zur titoistschen Neugründung) sowie politische, religiöse und kulturelle Zusammenhänge dieser Katastrophe auf. Schließlich werden die tiefgreifenden Konsequenzen, z.B. für die Staatenwelt und das Völkerrecht, formuliert. Abgerundet wird das Handbuch durch eine Chronologie, ein Glossar und ausführliche bibliographische Anhänge.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.08.2000
In einer Doppelrezension empfiehlt Rolf Paasch zwei Handbücher, die sich mit der Geschichte des Balkans befassen. In beiden Bänden wird, wie er betont, Licht auf die Geschichte und Kultur dieser Gegend geworfen, was dazu beitrage, mit Vorurteilen und Klischees wie "Krisenregion" und "Pulverfass" aufzuräumen.
1.) Dunja Melcic (Hrsg.): "Der Jugoslawien-Krieg" (Westdeutscher Verlag)
Paasch räumt zwar ein, dass ihm die Beiträge dieses Buchs bisweilen ein wenig "voreingenommen" erscheinen, das bedeute jedoch nicht, dass es sich um eine einseitige Sichtweise handele. Zahlreiche Beiträge hebt er als besonders gelungen und aufschlussreich hervor, so beispielsweise Latinka Perovics Beitrag über Serbien bis 1918, Ivan Colovics Text über "Symbolfiguren des Krieges" oder Ivo Zanics Text über "Nationale Symbole zwischen Mythos und Propaganda". Großes Lob äußert er auch über Matthias Vetters "Chronik des Kosovo-Krieges", allerdings bedauert es Paasch, dass diese erst mit dem Jahr 1986 beginnt und nicht - wie er selbst es bevorzugt hätte - mit dem Jahr 1981. Insgesamt lobt er den essayistischen Stil der Beiträge, der nicht zuletzt zur guten Lesbarkeit des Bandes beitrage.
2.) Magarditsch Hatschikjan, Stefan Troebst (Hrsg.): "Südosteuropa" (C.H. Beck)
Nicht nur Jugoslawien, sondern ganz Südosteuropa steht im Blickfeld der Autoren dieses Buchs, betont Paasch. Auch hier hebt der Rezensent einzelne Beiträge gesondert hervor, so zum Beispiel Troebsts Text über die "Politische Entwicklung der Neuzeit", in der der Autor den Nationalismus in der Region vor allem mit dem misslungenen Anschluss an die Moderne begründet. Insgesamt lobt der Rezensent, dass in dem Band Aufschluss über die politischen, kulturellen und gesellschaftlichen "Bedingungen, Kräfte und Strukturen" der Region gegeben wird. Lediglich der trockene Wissenschaftler-Duktus in der Darstellung stört ihn ein wenig.
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