Bücherschau der Woche
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Klappentext
Die Geschichte Machiavellis ist die seiner Entstellung. Die Ausbeutungen seines Werkes waren nur zu haben um den Preis einer seinen Reichtum verengenden Deutung. Dirk Hoeges entwirft hier ein neues Bild Machiavellis, das ihn als bedeutenden Schriftsteller der Renaissance würdigt und zugleich seine erstaunliche Modernität zeigt. Machiavellis "Principe", 1532 erschienen, ist neben der Bibel eines der meistverbreiteten Bücher der Weltliteratur. Weite Verbreitung ist indessen keine Garantie für eine angemessene Rezeption: Immer wieder hat das Buch politischen Ideologien dienen müssen, immer wieder haben solche ausbeutenden Deutungen den Blick auf den Reichtum des Machiavellischen Werks verstellt. Machiavelli war über 15 Jahre lang einer der wichtigsten Politiker im Dienst von Florenz und kannte in Theorie und Praxis das Wesen moderner Macht. Er ist nur durch sein Gesamtwerk zu verstehen, ist mehr als nur ein Theoretiker der Politik. Die freilich analysiert er mit einem Blick für das Neue auf unvergleichliche Weise.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.02.2001
Birgit Weidinger stellt in ihrer Besprechung des Buches über Machiavelli die Frage, ob man eine historische Figur so "überraschend ins Heute" rücken darf, um sie dann vorsichtig zu bejahen. Sie lobt die Behutsamkeit, mit der der Autor vorgeht, sowie die Sorgfalt, mit der er die Quellen auswertet und findet es besonders begrüßenswert, dass Hoeges Machiavelli aus dem "stark verengten Bild" des Politiktheoretikers herausholt, indem er ihn wieder als Historiker und Schriftsteller in den Blick rückt. Ohne seine Sichtweise auf Machiavelli als "Vordenker der Moderne" als einzig mögliche darzustellen, hole er ihn endlich wieder von dem "Podest" herunter, auf das man ihn bisher gestellt hat, so die Rezensentin angetan.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.10.2000
Gleich zwei Autoren sind angetreten, um dem italienischen Theoretiker Niccolò Machiavelli ein menschliches Antlitz zu geben. Für Hans-Martin Lohmann ein überfälliges Anliegen, weswegen er in seiner lesenswerten Doppelrezension den beiden Autoren Viroli und Hoeges recht dankbar ist. Schließlich ist die Machiavelli-Rezeption in hohem Maße zeitgebunden gewesen und hat sich immer eher auf einen `Popanz` bezogen, als auf Machiavelli selbst, wie Lohmann überzeugend darstellt.
1) Maurizio Viroli: `Das Lächeln des Niccolò` (Pendo)
Viroli präsentiert nach Lohmann eher einen `Learschen Narren`, einen `melancholischen Clown`, der darüber verzweifelt, dass politische Kurzsichtigkeit, Torheit und Opportunismus allemal über Weitsicht und Klugheit triumphieren.
2) Dirk Hoeges: `Niccolò Machiavelli` (Beck)
Anders der Romanist Hoeges. Laut Lohmann sieht er in Machiavelli einen `Schriftsteller von Rimbaudschem Format, der nicht bloß modern ist, sondern absolut modern`. Lohmann sieht in Hoeges Deutung eine ästhetische Begründung der Macht, die - Zufall oder nicht - in die Kanzlerschaft Gerhard Schröders fällt, wie Lohmann süffisant andeutet: `Ohne den Schein der Macht kommt keine Macht mehr aus`.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2000
Wenn Markus Völkel in diesem Buch ein "Toskanaerlebnis" wittert, so meint das nichts Gutes. Eher schon einen strukturellen Schlendrian, der dem Leser das Leben schwer macht. Zwar räumt Völkel ein, die Webart des Textes sei im Grunde einfach, die endlose "assoziative Rutschbewegung" um die paradoxen Beziehungen von Macht und Schein aber ist ihm doch merklich auf die Nerven gegangen. Den Autor selbst hält er weniger für einen überzeugenden Wissenschaftler als für einen Flaneur unter Stilblüten. Dass der auch noch "zumindest angelehnte Türen" einrennt, wenn er seine These vom Scheincharakter der Macht bei Machiavelli entwickelt, kann da eigentlich kaum noch verwundern.
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