Bücherschau der Woche
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Klappentext
Ist es wirklich so schwer, Vater zu sein? Der eine Teil der Gesellschaft wünscht ihn schwächer, der andere stärker. Kein Wunder, dass es viele Männer inzwischen dankend ablehnen, eine Familie zu gründen und Vater zu werden. Aus der historischen Vogelperspektive liefert Dieter Thomä, unter den Philosophen der Spezialist für Familienfragen, neue Argumente für die immer noch aktuelle Debatte über gutes und schlechtes Vatersein. Allen Vätern und jenen, die noch Väter werden könnten, empfiehlt er Gelassenheit. Denn die Schlachten um das Familienoberhaupt sind geschlagen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008
Vatersein ist schwer. Diesen "Bilderbogen der Väterkultur" schätzt Rezensentin Bettina Engels schon allein dafür, dass er Gründe nennt für die Unentschlossenheit des Mannes, Vater zu werden und also für eine überalternde Gesellschaft, Gründe auch für die Schwierigkeiten mit der Rolle, hat er sich einmal dafür entschieden. Dieter Thomäs kulturkritische Begründung der väterlichen Probleme mit der Abschaffung des Patriarchats in der Moderne, der Generationen entzweienden Macht der Revolution und schließlich der des Kapitals, erscheint Engels allerdings nicht neu und außerdem ins Leere zu laufen. Was, fragt Engels, bleibt dem solchermaßen vom Schicksal gesteuerten Mann als Vater denn übrig, als zum tragischen Helden zu werden? Lieber wendet sich Engels da einem geschichtsphilosophisch weniger belasteten, "grundsympathischen" Ansinnen des Autors zu: Den Vater und seinen "pädagogischen Eros" im "harten, beglückenden" Familienalltag auf die richtige Spur zu setzen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.10.2008
Laut Alex Rühle haben Väter gerade ungeheuer Konjunktur und so widmet er sich gleich zwei neuen Büchern, die sich des Themas annehmen. Dieter Thomä, Philosoph und brillanter Essayist, wie der Rezensent rühmt, beschäftigt sich mit der allseits beschworenen Krise der Vaterrolle, deren Ursprung er jedoch nicht erst in den 1970er Jahren, sondern weit früher verortet. Laut Thomä gerät das Selbstverständnis der Väter mit der Moderne ins Wanken, wenn "Gott verschwindet" und die Monarchen-Köpfe rollen. Dies belegt er nicht nur mit einem faszinierenden Zitat aus Adam Smith' im Revolutionsjahr 1789 überarbeiteter "Theorie der ethischen Gefühle", worin bereits die "vaterlose Gesellschaft" beklagt wird, sondern er findet Belege bei Shaftesbury, Jean Paul und Locke, so Rühle gefesselt. Dass bei diesen Ausführungen zwischen den Zeilen Thomäs "Freude am eigenen Vatersein" durchscheint, findet Rühle zudem ungemein sympathisch.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.09.2008
Ambivalent wirkt Peter Michalzik bei seiner Besprechung von Dieter Thomäs Buch über die Rolle des Vaters in unserer Gesellschaft. Sein Bedarf an Familien-, Mutter-, Väterbüchern ist nach seiner Auskunft eigentlich längst gedeckt, zum Thema scheint ihm alles gesagt. Dennoch äußert er sich wohlwollend über Thomäs ernsten Blick auf die Vater-Figur, scheint ihm doch vieles, was der Philosoph zu berichten weiß, durchaus erhellend. Ausführlich referiert er dessen Überlegungen zur Krise des Vaters, schätzt seinen Überblick über die Geschichte der Vaterrolle in der Neuzeit und unterstreicht seine kritische Auseinandersetzung mit ökonomischen Individualisten und Berufsjugendlichen, aber auch denen, die zur guten alten Kleinfamilie zurück wollen. Thomäs Versuch, den Vater als "Lebenshelfer" seiner Kinder einzusetzen, und sein Ruf an die Männer, die Vaterrolle anzunehmen, findet er bisweilen etwas vage, was er aber nicht dem Autor ankreidet. Schließlich gehe es hier nicht um diskursives, sondern um praktisches Wissen. Insofern begrüßt er auch den Umstand, dass Thomä auf eine starke These verzichtet, mit der er zwar wunderbar in Talkshows diskutieren könnte, die aber echte Erkenntnis eher verhindern würde.
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