Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Französischen von Doris Heinemann. April 1975. Hannah Arendt aus New York zu Besuch bei Elfride und Martin Heidegger in Freiburg. Während "der größte Philosoph des 20. Jahrhunderts" im Nebenzimmer vor sich hindämmert und für die Lösung der Daseinsfragen nicht mehr zur Verfügung steht, rechnen die "beiden Frauen seines Lebens" am Küchentisch miteinander ab. Elfride, die arische Xanthippe, die von Heideggers Liebesbeziehung zu seiner jüdischen Studentin erst 1950 erfahren hat; Hannah Arendt, die aus Deutschland verjagte politische Philosophin, die seine nationalsozialistischen Eskapaden mit Elfrides Einfluss erklärt und ihn über alle Abgründe hinweg liebt. Die lebenslänglichen Rivalinnen kämpfen um die Wahrheit - nicht nur des Herzens. Wer ist Martin Heidegger?
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.02.2001
Bei Clement handelt es sich, wie März betont, um eine besonders intelligente Schriftstellerin, die bei diesem fiktiven Küchengespräch zwischen Hannah Arendt und Heideggers Frau Elfriede ein großes Risiko eingegangen ist, "sich zu diskreditieren und zu blamieren" - zumal die Protagonisten des Buchs sich auf einem doch recht hohen geistigen Niveau befinden. Dass dieses Projekt dennoch als gelungen gelten darf, liegt nach März vorwiegend an drei Aspekten: zum einen hat die Autorin das Gespräch in einer Küche angesiedelt, in der - wie jeder weiß - nicht nur Lebensmittel, sondern auch die "härtesten Themen" "weich gekocht" werden. Zweitens habe sich die Autorin geschickt auf ein Nebenthema konzentriert, nämlich die Auseinandersetzung zwischen Heideggers Ehefrau und seiner Geliebten. Und drittens diagnostiziert die Rezensentin viel Ironie in diesem Buch, bei dem die Autorin die Position einer Beobachterin an der Seitenlinie einnimmt. Nichts für Liebhaber von Liebesromanen, findet März. Aber dafür gebühre der Autorin für dieses Buch "der Preis für die Erfindung des Halbtrivialen", was man durchaus als Lob verstehen darf.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.09.2000
Nicht viel Gutes lässt Susanne Katzorke an Cathérine Cléments romanhafter Ausgestaltung des Dreiecksverhältnisses von Martin Heidegger und seiner Frau Elfride sowie seiner jüdischen Geliebten, der Philosophin Hannah Arendt. Das Buch berichtet aus der Schlüssellochperspektive, aus dessen beschränkter Sicht sich die Autorin, wie Katzorke meint, nicht zu lösen weiß. Heideggers Anbiederung an den Nationalsozialismus werde von Clément zur "Eskapade" geschönt und der xanthippenhaft daherkommenden arischen Ehefrau schuldhaft zugeschriebenen. Aber wie, fragt sich Katzorke, kann eine Frau soviel Einfluss auf ihren Mann ausüben und sich ihm andererseits ständig unterwerfen? Diese Analyse scheint der Rezensentin nicht schlüssig, das verordnete Happy End - eine Aussöhnung der drei Hauptdarsteller - kommt ihr wie Schmierentheater vor.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.07.2000
Wie andere vor ihm bescheinigt Ludger Lütkehaus dem Roman, keinerlei literarisches oder philosophisches "Eigengewicht" zu haben, nur aus der "Aura der Namen und Figuren" zu leben, "die er mit der peinlichen Verbiederung der Vornamen auf Schlüssellochformat herunter bringt". Immerhin erfährt der Leser jedoch, dass das Zentrum des Romans weniger "Martin und Hannah" als die Ehefrau Heideggers, Elfride (nicht mit ie, wie Hannah Arendt immer schrieb) und Hannah Arendt sind. Lütkehaus vergleicht den Briefwechsel Heidegger-Arendt mit diesem Roman und urteilt, dass ersterer "weit spannender, poetischer, lyrischer, ja auch `romanhafter`" ist als diese Sekundärverwertung der Geschichte vom deutschen Philosophen und seiner jüdischen Schülerin.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.07.2000
Thomas Laux ist entsetzt und ratlos. Was, so fragt er sich, will die Autorin mit all den Klischees, dem Schwulst und den schiefen Bildern eigentlich sagen? Da der Roman vor allem die durch Eifersucht geprägte Beziehung zwischen Heideggers Frau Elfride und Hannah Arendt aufnehme, hätte er auch "Elfride und Hannah" heißen können, so der Rezensent spöttisch. Wo er nicht "trivial" geraten sei, sei er "allenfalls obszön". Durchsetzt von "vulgäranalytischen Momenten" und jeder Menge "Kitsch", sei dem Text vorzuwerfen, dass er nichts erhelle, sondern in "nebulösen, zwielichtigen Bildern" verharre. Besonders verärgert ist der Rezensenten über die Hannah Arendt angedichtete Verehrung des Deutschen als "Königin der Sprache". Er fragt sich, ob es sich hier um einen "chauvinistischen Aussetzer" oder lediglich um eine "bagatellisierte" Geschmacksfrage handelt. Jedenfalls ist Laux` Gesamturteil vernichtend: er findet den Roman einfach schlecht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2000
Mit einem Zitat (`Elfriede! Elfriede! Ich bin da`) beginnt Julia Encke ihre recht ausführliche Besprechung und kommentiert schnell: "Ein beispielloses Werk des literarischen Voyeurismus"! Warum? Weil es um die Liebe zwischen Martin Heidegger und Hannah Arendt geht. Der anfangs zitierte Ruf an "Elfriede!" ist der Ruf der alternden Hannah Arendt, zu Besuch in Freiburg, an die ebenfalls alt gewordene Elfriede Heidegger. Mit dieser Szene führt die empörte, aber durchaus nicht sprachlose Rezensentin das Tableau ein - die Heideggers und die ehemalige Geliebte des Mannes treffen als alte Leute noch einmal zusammen -, in das sich die französische Schriftstellerin als allwissende Erzählerin begeben hat. Bestimmt hat sie für ihre"grelle Fiktion" die Young-Bruehl-Biografie und Ettingers Monografie über Arendt sowie den vor zwei Jahren erschienenen Briefwechsel zwischen Heidegger und Arendt ausgeweidet, meint Encke empört. Und hellauf entsetzt geht sie dann noch einmal die Spuren dieser Liebe im historischen Briefwechsel ab, als könne sie sich nur mit Hilfe der Originale aus genau jener Sphäre des `Erdichteten, Sensationslüsternen und Dilettantischen" wieder befreien, der ein für alle mal "Einhalt zu gebieten" sich die Herausgeberin mit der Veröffentlichung damals erhofft hatte. Bloß weg vom "Schlüsselloch", raus aus der "Horizontale". Man wundert sich leise, warum Encke um dieses Buch so viel Worte machen muss.
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