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Klappentext
"Wie kann jemand zum Denker werden, wenn er nicht mindestens den dritten Teil jeden Tages ohne Leidenschaften, Menschen und Bücher verbringt?" Dieser Aphorismus von Nietzsche könnte über dem Eingang zum Raum stehen, den sich Hannah Arendt mit ihrem Denktagebuch geschaffen hat. Ein Raum, in dem das "alterslos denkende Ich" sich ins Gespräch mit dem Ich vertieft und der mit anderen Räumen korrespondiert, die auch in anderen Zeiten liegen: Politik, Freundschaften, theoretisches Schreiben, Liebe. Barbara Hahn geht in ihrem Buch durch diese Räume, fragt, was Arendts Texte so lebendig gehalten hat. Jetzt erst scheinen sie recht an der Zeit zu sein. Wie sind sie geschrieben, wie lassen sie sich von heute aus lesen? Es ist eine Wanderung durch politische Öffentlichkeiten in Deutschland und Amerika, ein Durchqueren von Denktraditionen und Schreibweisen. Ein Einhalten bei Gedichten im Denktagebuch, bei Zitaten in den großen theoretischen Büchern, bei scharf geschliffenen Passagen in politischen Aufsätzen oder bei Gedanken in Briefen an Freunde.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.02.2006
Ursula Pia Jauch bespricht zwei neue Veröffentlichungen über Hannah Arendt. Barbara Hahn hat das "Denktagebuch" Hannah Arendts in den Mittelpunkt ihrer Studie gestellt, das die Philosophin von 1950 bis 1975 geführt hat und das eine Mischung aus "Lesetagebuch, Poetologie, Privatästhetik und persönliche Aphorismensammlung" darstellt, erklärt die Rezensentin. Manches in diesem Dialog zwischen Autorin und Philosophin, der sich vor allem dem Menschen Arendt anzunähern versucht, findet Jauch etwas sehr "wolkig", doch hat sie die Reflexionen zum Menschen als Gemeinschaftswesen oder über die Liebe, mit der sich viele der Einträge im "Denktagebuch" befassen, mit Interesse gelesen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.12.2005
In diesem Brevier nehmen die Zitate von Hannah Arendt den größten Raum ein, und wenn man Rezensent Tim B. Müller glauben schenken darf, dann ist dies auch ganz gut so. Denn Barbara Hahns eigene Beiträge konnten ihn gar nicht überzeugen, bei denen er vor allem "stilistische Gespreiztheiten" und inhaltliche Fehleinschätzungen" moniert. Sichtbar werde allerdings in dem Buch, wie groß Arendts Begabung zum offenen Denken und Leben war, und dies reichte ihm, um das Buch als Fundgrube schöner Zitate zu genießen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.12.2005
Entschieden hat die Philosophin Hannah Arendt von Anfang an den existenzialistischen Theorien ihres Lehrers Martin Heidegger, Theorien also der "Geworfenheit" und der Betonung der Endlichkeit des menschlichen Daseins, ihre eigene, geradezu entgegengesetzt ausgerichtete Philosophie entgegengestellt. Bei Arendt steht die Geburt, die Natalität, im Zentrum - und damit die Betonung des immer möglichen Anfangs, damit auch der potenziellen "Spontaneität" des menschlichen Handelns. Die Literaturwissenschaftlerin Barbara Hahn geht in ihrer schmalen Essaysammlung diesem Zentralgedanken in Arendts Existenzphilosophie nach - und zwar, wie der Rezensent Ludger Lütkehaus findet, in beeindruckender Weise. Das einzige Problem, falls es eines ist, sei dabei, stellt er fest, die Subtilität der Gedankengänge - es handle sich also um eine Auseinandersetzung für "Fortgeschrittenste". Der Qualität des Bandes tut dies naturgemäß keinen Abbruch, ja, so Lütkehaus, es gelinge ihm sogar, "selbst neue Denkräume" zu "eröffnen".

Barbara Hahn
Barbara Hahn, geboren in Württemberg, ist Professorin für Germanistik an der Vanderbilt University. Zu ihren früheren Veröffentlichungen zählen u. a. "Antworten Sie mir! Rahel Levin Varnhagens Briefwechsel", und "Unter ... mehr lesen
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