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Anna Seghers
Ich erwarte Eure Briefe wie den Besuch der besten Freunde
Briefe 1924-1952. Werkausgabe Band 5/1
Klappentext
Anna Seghers schrieb ihre Briefe spontan, ganz auf den Moment und den Empfänger eingestellt. So unterschiedlich die Adressaten und Anliegen auch sind, so unverkennbar und eigentümlich ist die Stimme der Schreiberin. Nur durch diese Briefe aus Paris, Pamiers, Mexiko-Stadt und dem Nachkriegsberlin wissen wir heute von ihrem persönlichen Befinden, ihren Existenzsorgen im Exil, den Differenzen unter den Emigranten, der Sorge um die Familie und das Werk. Die erschütternden Briefe aus Südfrankreich, wo Anna Seghers um Visa und Geld zur Flucht aus Europa kämpfte, sind das authentische Gegenstück zu dem berühmten Roman "Transit". Nach ihrer Rückkehr ins zerstörte Deutschland zeigen die Briefe, wie wurzellos sie sich fühlte, aber auch, wie energisch sie begann, sich als Autorin zu etablieren. Netty Reiling wurde 1900 in Mainz geboren (den Namen Anna Seghers führte sie als Schriftstellerin ab 1928), 1983 starb sie in Berlin.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.10.2008
Hans-Peter Kunisch will Anna Seghers Reputation als "Betonkopf mit Scheuklappen" anhand ihrer Briefe, von denen jetzt als Teil der Werkausgabe des Aufbau-Verlags ein Band mit Korrespondenz zwischen 1924 und 1952 erschienen ist, noch einmal überprüfen. In ihren Briefen tritt dem Rezensenten eine Frau entgegen, die sehr um das Wohl anderer bedacht war und sich selbstlos für bedürftige Kollegen einsetzte. An ihrer Korrespondenz lässt sich ihr Weg ins Exil ablesen und insbesondere die Zeit in Südfrankreich, in der ihr Exilroman "Transit" entstand, ist darin gut dokumentiert, stellt Kunisch fest. Und auch in den Briefen der Nachkriegszeit, als sie bereits zur Staatsschriftstellerin der DDR avanciert war, ist in ihrer privaten Korrespondenz nicht die unbeugsam dogmatische Haltung zu finden, die sie in ihren offiziellen Verlautbarungen und zum Teil auch in ihren literarischen Werken an den Tag gelegt hat, wie der Rezensent konstatiert.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.08.2008
Als ein "Muss für Anna-Seghers-Freunde" bezeichnet Sibylle Saxer die erste umfassende Edition der Briefe aus den Jahren 1924 - 1952. Indirekt, nur im Ton der Briefe, lassen sich für die Rezensentin die verschiedenen Lebensstationen und -situationen der Autorin nachvollziehen: Zuversichtlich im Pariser Exil, gehetzt auf der Flucht, rührig im mexikanischen Exil und nach der Rückkehr in die DDR fremd im eigenen Land. Auch wenn viele verlorene Briefe nicht in diese "hervorragende Edition" eingehen konnten: Die Sammlung vermittelt der Rezensentin umfassende Eindrücke aus dem Leben und Schreiben Anna Seghers'. Saxer zufolge werden die Briefe außerdem durch ihre Literarizität zu einem wertvollen Fundus für eine Gegenlektüre zum Werk.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.2008
Anhand der Briefe von Anna Seghers, die nun als Teil der Werkausgabe erschienen sind, lässt sich die Wandlung der von den Nazis verfolgten Autorin zum überzeugten SED-Mitglied verfolgen, stellt Walter Hinck mit Beklommenheit fest. Und wiewohl er aus seiner Hochachtung für die Autorin des Exilromans "Transit" keinen Hehl macht, kann er auch sein Unbehagen angesichts der zunehmenden Aneignung des "Denunziationsvokabulars" der Partei, die sich in den Briefen niederschlägt, nicht verbergen. Irritiert nimmt Hinck zur Kenntnis, wie sich Seghers nicht nur widerspruchslos den strengen Vorgaben der SED unterwirft, sondern sich selbst - wie in einem Brief an Berthold Brecht - zum "Instrument der Zensur" macht. Sie verwirft seine Theaterfassung ihres Hörspiels "Jeanne d'Arc zu Rouen 1431" - zu viel "Mitleid mit dem Henker".
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