Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Andrejs Petrowski

Weltverschlinger, Manipulatoren und Schwärmer

Problematische Individualität in der Literatur des späten 18. Jahrhunderts

Cover: Weltverschlinger, Manipulatoren und Schwärmer

C. Winter Universitätsverlag, Heidelberg 2002
ISBN-10 3825313506
ISBN-13 9783825313500
Gebunden, 351 Seiten, 52,00 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Weltverschlinger, Manipulatoren und Schwärmer sind Figuren der Literatur des späten 18. Jahrhunderts, die eines gemeinsam haben: sie reflektieren die Problematik der Individualität. Diese besteht einerseits darin, dass der einzelne als Individuum seine Einzigartigkeit unter Beweis stellen muss - ein Anspruch, der eine Überforderung beinhaltet. Andererseits führt die im 18. Jahrhundert vorangetriebene Materialisierung des Menschen dazu, den einzelnen als ein kausalgesteuertes Triebwesen zu verstehen, das mit Recht auf der Verwirklichung seiner individuellen Wahrnehmungs- und Handlungsdispositionen beharrt. In den Schriften von Sade, Rousseau, Laclos, Diderot, Wieland, Goethe und dem europäischen Schauerroman erscheint darum das moderne Individuum als ein hermetisch in sich verkapseltes Wesen, das entweder die Welt beherrschen oder sie nicht zur Kenntnis nehmen will.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.08.2002

Alexander Honold erblickt in Andrejs Petrowskis "Weltverschlinger, Manipulatoren und Schwärmer" eine "kluge Studie" zur Literatur des späten 18. Jahrhunderts. Scharfsinnig, lobt der Rezensent, skizziert Petrowski ein Individualitätskonzept, "das sich aufreibt zwischen theologischen Restbeständen und materialistischer Destruktion". Wie er weiter ausführt, widmet sich Petrowski vor diesem Hintergrund vor allem den negativen Helden des Schauerromans. Der 1798 erschienene Roman "Pauliska ou la perversité moderne" von Révéroni Saint-Cyr, in dem ein gewisser Baron d'Olnitz eine vertriebene polnische Gräfin gefangensetzt, an ihr magnetisch-elektrische Experimente verübt, und sie mit Liebesdrogen gefügig macht, dient Petrowski dabei als Schlüsseltext, weiß Honold. Im "Horror solcher Experimente" sieht der Autor nicht nur die bekannte Dialektik der Aufklärung, die in ihr Gegenteil umschlägt, erläutert Honold, "sondern auch Ausdruck für die neuen Spielräume der literarischen Fiktion". Neben Saint-Cyrs Roman beschäftigt sich Petrowski auch mit Rousseaus "Emile" sowie den Romanen von De Laclos und de Sade, berichtet Honold. Obwohl "Individualität" für Honold nicht ganz das "treffende Leitkonzept" für diese Studie zu sein scheint, zeigt er sich von der "sprachgewandt und pointenreich vorgetragenen Untersuchungen" Petrowskis insgesamt sehr angetan.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

Mehr Bücher aus dem Themengebiet

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren