Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama. Amos Oz zeichnet mit der kleinen Welt des Kibbuz einen Mikrokosmos Israels. Der Kibbuz liegt an der nördlichen Grenze Israels. Auf den ersten Blick erscheint er, zu Beginn der sechziger Jahre, als ein kleines Paradies auf Erden. Doch wird er zweifach bedroht: von außen, da auf den Bergen über dem Ort feindliche Stellungen lauern. Von innen: Hinter der harmonischen Außenseite tun sich Spannungen auf, verstricken sich die Menschen in verquere Liebesverhältnisse, werden ideologische Differenzen ausgetragen. Amos Oz zeigt in seinem Roman, der moralische Wertungen vermeidet und auch dem Klatsch die ihm im Kibbuz gebührende Rolle einräumt, die eruptive Gewalt der Leidenschaften und der weltanschaulichen Gegensätze ? und die Art und Weise, wie sie, vielleicht, versöhnt werden können.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.08.2001
Den bereits 1966 publizierten Roman "Ein anderer Ort" hält Stefana Sabin für einen der schönsten von Amos Oz. Unverständlicherweise erscheine er erst jetzt auf Deutsch, zumal der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels aus dem Jahr 1992 ansonsten in seinem essayistischen wie fiktionalen Werk gut präsent sei. Handlung im herkömmlichen Sinn biete der Roman, der in einem Kibbuz an der nördlichen Grenze Israels spielt, nicht. Mehr geht es, so Sabin, um Innenansichten der Kibbuzniks und um die Darstellung ihrer wechselvollen Beziehungen. Was sich anfangs wie ein "bieder-realistisches Bild des Kibbuzalltags" ausmacht, erweist sich jedoch, so die Rezensentin, als ironische Schilderung einer "krisengeschüttelten Gesellschaft". Oz gelänge es, im Mikrokosmos des Kibbuz' ein genaues Porträt des noch jungen israelischen Staates in Form einer menschliche Komödie zu zeichnen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.04.2001
Diesem Roman über einen Kibbuz haftet "ein nostalgischer Firnis" an, schreibt Klaus Siblewski. Den Grund dafür vermutet er in der Tatsache, dass die Kibbuzbewegung zu der Zeit, als Oz diesen leicht verklärenden Roman schrieb, Anfang der 60er Jahre, politisch bereits gescheitert war. Das Anrührende besteht für Siblewski nicht etwa in dem leicht verklärenden, märchenhaften Ton, in den netten Pioniergeschichten, die da verbraten werden, sondern in dem Anschreiben gegen diese Entwicklung: Siblewski spricht von einer "vergeblichen Beredsamkeit". Immerhin, so ganz verklärend kann der Roman auch wieder nicht sein, konstatiert der Rezensent doch auch einen spürbaren Bruch zwischen der älteren und der jüngeren Generation im Kibbuz. Ganz so stimmig kann das Gemeinschaftsleben und -gefühl eben damals schon nicht mehr gewesen sein, und Amos Oz hat ihm - "mit unangestrengtem Bekennermut", so Siblewski - hinterhergetrauert.
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