Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Englischen von Heidi Zerning. Im Mittelpunkt der vorliegenden Erzählungssammlung steht eine Geschichte, fast ein Roman, in der eine "gute", eine aufopferungsvolle Frau ihre todkranke Nachbarin pflegt. Ein natürlicher Tod - doch scheint er auf melodramatische Weise mit einem anderen, unnatürlichen verzahnt: dem eines Mannes, dessen Leiche von spielenden Kindern im Fluss gefunden wurde ... Munros Storys sind so komplex wie Romane, Kammerspiele des Gefühls, spektakulär im scheinbar Unspektakulären - dabei sprachliche Meisterstücke. So wenig sich die Figuren ihrer Geschichten auf sicherem Boden befinden, so wenig erlöst uns Alice Munro aus unseren Unsicherheiten, sie hält alles bewusst in der Schwebe - und webt uns ein in ihr erzählerisches Netz.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.02.2001
Angela Schader schreibt diesen vier Erzählungen der kanadischen Autorin "Irritationspotential" zu und sieht sich als Leserin aufgefordert, die vielschichtigen und sich eindeutigen Interpretationen entziehenden Texte zu entschlüsseln. Der Rezensentin gefällt es, dass Munro weder auf "postmoderne Spielerei mit Zitaten" angewiesen ist noch ihren Geschichten eine "feministische Prägung" gegeben hat, obwohl es thematisch nahegelegen hätte. Alle Texte lobt sie gleichermaßen, die letzte aber scheint Schader besonders gelungen, weil sie eine traumhafte Atmosphäre schaffe und dabei dennoch wahrscheinlicher wirke als die anderen. Dies ist dann auch der einzige, sehr zurückhaltend geäußerte Kritikpunkt der Rezensentin: manchmal sind die Erzählungen derart mehrdeutig, dass sie an den "Rand der Implausibilität" geraten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.12.2000
Renate Schostack hält viel von der kanadischen Autorin Alice Munro, wenig aber von dieser Edition ihrer Erzählungen, die für den deutschen Markt zurecht gestutzt und ziemlich gegen den Charakter von Autorin und Werk gebürstet seien. Das muss natürlich erklärt werden. Deutsche Verleger, schreibt Frau Schostack also, mögen keine Erzählungen, das sei ein offenen Geheimnis. Munro aber habe nun mal Erzählungen geschrieben. Die Originalausgabe der vorliegenden Erzählsammlung sei von der angelsächsischen Kritik begeistert gefeiert worden. Die deutsche Ausgabe beinhalte nun lediglich vier statt acht Erzählungen - ohne jeglichen Hinweis auf diese gravierende Kürzung. Eine der Erzählungen werde zudem noch als "kurzer Roman" bezeichnet, was ganz gegen Munros Intentionen sei. Auch die Übersetzung findet wenig Gnade. Sie neige zu einer "etwas stärkeren Kolorierung" als sie Alice Munroe "zu eigen" sei und bringe so einen Misston in deren "fast klassizistisch einfache Sprache". Dann blättert Renate Schostack in kurzen Skizzen noch ein paar "Lebenspanoramen" vor uns auf, in denen es häufig um fundamentale Konflikte zwischen Gut und Böse ginge. Und man spürt, das die Munro mit ihrer Tiefe, ihrer Weltläufigkeit und letztlich auch mit ihrem "unauffälligen doch entschiedenen" Eintreten für "Werte" diese Kritikerin zutiefst beeindruckt hat.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.09.2000
Margit Irgang ist fasziniert von diesen Krimigeschichten. Immer gehe es dabei um Frauen, deren Ziele auf den ersten Blick im Einklang mit den Zielen der Gesellschaft stehen: Heirat, Kinder, später dann ein größeres Haus und ein größeres Auto. Doch gleichzeitig leben diese Frauen "in einem geheimen Einverständnis mit dem Niedrigen und Schmutzigen", dass sich in einem unvorhergesehenen Moment enthüllt, erzählt Irgang. Sie bewundert auch, mit welchen literarischen "Tricks" Munro Spannung erzeugt: immer werde die Geschichte aus der Perspektive einer "gefährdeten" Person erzählt, die "sich selbst nicht kennt" und so fast zwangsläufig zum Opfer werde. So empfindet der Leser ein Gefühl unterschwelliger Bedrohung, selbst wenn noch alles ganz normal erscheint, verspricht die Rezensentin.
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