Raymond Queneau

Vom Nutzen und Nachteil der Beruhigungsmittel

Cover: Vom Nutzen und Nachteil der Beruhigungsmittel
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2002
ISBN 9783803131706
Gebunden, 128 Seiten, 17,50 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Hans Thill. Ein Hund, der sich in einem Provinzbistro mit seinem Tischnachbarn unterhält? Ein Pferd, eindeutig trojanischer Herkunft, das sich in einer Luxusbar einen Drink genehmigt? Nichts besonderes dabei. In diesen Prosastücken finden die Gepflogenheiten der Wirklichkeit sowieso nur relative Berücksichtigung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2002

Mit dem deutschen Titel ist Rezensent Stefan Zweifel gänzlich unzufrieden: er weckt, so Zweifel, "falsche Erwartungen, die weder die gleichnamige Kurzgeschichte noch der Band insgesamt einlösen können". Auch dass die Auswahl der Texte sich nicht ans französische Original hält, ist Zweifel "unverständlich". Denn obwohl die Sprache - und das Spiel mit ihr - im Zentrum des Queneauschen Interesses stehe, fehlten in der deutschen Auswahl ausgerechnet die "sprachverspieltesten Teile" des Stücks "Textikel". Sogar das Vorwort von Michel Leiris sei offenbar durch ein Nachwort des Übersetzers Hans Thill ersetzt worden. Da bleibt, so Zweifel, nur noch die als "erste interaktive Geschichte" angepriesene "Erzählung nach Ihrem Geschmack". Was damals als "Spitze" gegen die Surrealisten gemeint war, nämlich "Albtraum-Berichte von drei kleinen grünen Erbsen", könne man heute, so der Rezensent, als "parodistische Kritik an der Banalität des Interaktiven" lesen. Zweifels Fazit: die französische Ausgabe besticht dadurch, "dass eigentlich nichts passiert". In der deutschen Ausgabe jedoch passiere "weniger als nichts".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.08.2002

Das Wort, so Dietmar Dath, stellt der menschlichen Tat bei Queneau gerne die Frage "Wie siehst du denn aus?" Und viel Selbstverständliches bleibt nicht übrig, wenn Queneau schreibt, über die Welt, die als Tablette in einem Glas Wasser aufgelöst wird, etwa. Der Dichter war lange Präsident von "Oulipo", der Gesellschaft für potenzielle Literatur, in der es "streng experimentell verspielt" zuging. So sind auch die Texte, die hier versammelt sind und größtenteils erstmals ins Deutsche übertragen wurden. Queneau bewegte sich zwischen Hegel und Juliette Gréco (der er einen Hit schrieb), vor allem auch behende zwischen logischen und mathematischen Fallstricken. Dazu erlaubt sich Dath einen Schlenker zur Mathematikergruppe "Bourbaki", der gleichfalls der Sinn nach dem Potenziellen stand. Queneaus Literatur, zeitgenössisch und experimentell, war, so Daths Fazit, "Avantgarde" als "Klassik".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.05.2002

Schade, bedauert Stefan Zweifel, dass die deutsche Ausgabe einer Textsammlung des Franzosen Raymond Queneau aus den Jahren 1922 bis 1973 mit der französischen Ausgabe so wenig gemein hat. Darin berichte der Autor über allerlei "Banales" aus den Randbereichen seiner Heimatstadt Le Havre, im Original sehr "passend" unter dem Titel "Contes et propos" veröffentlicht, so der Rezensent. Der "aufgepeppte" deutsche Titel aber wecke "falsche Erwartungen", die die hier versammelten Geschichten gar nicht einlösen könnten, kritisiert Zweifel, der sich auch darüber ärgert, dass hier Texte weggelassen wurden und das Vorwort von Michel Leiris durch ein Nachwort des Übersetzers Hans Thill ersetzt wurde. Der "Reiz" des Originals, so Zweifel, besteht darin, dass "eigentlich nichts passiert", das Manko der deutschen Ausgabe hingegen ist, "dass weniger als nichts" passiert, seufzt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2002

"Nicht alle auf einmal nehmen", warnt Thomas Kling vor den im Titel versprochenen Beruhigungsmitteln der vor zwanzig Jahren bei Gallimard erschienenen kleinen Prosasammlung des französischen Surrealisten Raymond Queneau. Der Dichter Kling weiß, wovon er spricht. Denn die Mittel von Queneaus Erzählungen beruhigen keineswegs, versichert Kling, auch wenn er wie Bolle amüsiert hat. Die banalen Szenen in trostlosen Gasthöfen, über deren "genaue Milieukenntnis" der Autor aufgrund seiner Vertretertätigkeit verfügte, seien lässig über die Bande gespielt, die "Pudel-Kerne" steckten jedoch in den Pointen, etwa wenn ein Hund sich als Rassist zu erkennen gibt. Dass der Herausgeber in seiner Nachbemerkung den Autor vor dem Etikett Spaßvogel bewahren möchte, um kurz darauf dessen "Kabinettstücke" anzukündigen, ist dem wachsamen Auge des Dichters und Rezensenten nicht entgangen.

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