Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Alexander Ikonnikow
Taiga Blues
Klappentext
Aus dem Russischen von Annelore Nitschke u.a.. Das vertrackt komplizierte, trotzdem glücklich machende Leben in der russischen Provinz - Alexander Ikonnikow beschreibt es in seinen Geschichten mit Witz und Menschenkenntnis.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.11.2002
Viel kann Rezensent Christoph Bartmann nicht an dem Buch finden: Die Erzählungen seien zu kurz und oft banal: "Entweder werden Witze erzählt, oder es werden Witze zu kleinen Erzählungen ausgebaut", mosert Bartmann. Außerdem trample der Buchautor auf alten Pfaden, denn anstatt mit den russischen Klischees aufzuräumen, schlachte er sie aus. Die Geschichten seien zwar absurd, beschwüren aber im Grunde nur die altbekannte "Russische Seele". Zu selten präsentiere der Buchautor einen Helden der neuen Zeit. Wenn er das tut, wie bei der Geschichte über Petrowitsch Puschkin, denkt sich der Rezensent, wie gut dieses Buch sein könnte, "wenn Ikonnikow seine Figuren häufiger aus dem unspektakulären, dem mittleren Leben des heutigen Russland rekrutiert hätte?". In solchen Momenten schöpft der Rezensent Hoffnung, und blickt wohlwollend und erwartungsfroh in die Zukunft: "Ikonnikow ist ja noch jung und hat, wie zu hören ist, einen Roman in Arbeit.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.09.2002
Der Jungautor hält, was das alte literarische Russlandklischee verheißt, meint Thomas Grob: viel Schlendrian und eine versoffene, aber herzensgute russische Seele. Er sieht Alexander Ikonnikows Erzählungsband im übrigen dennoch als gelungenes Debüt, das trotz oder eben aufgrund der typisch russischen Ingredienzien die Leser in Bann zieht. Das liegt daran, meint Grob, dass der Autor selbst dort lebe, worüber er berichte, nämlich in der russischen Provinz. Ikonnikows Stärke sei seine Beobachtungsgabe und die knappe anekdotische Erzählweise, die ihn für Grob sehr viel näher an Wladimir Kaminer als an die großen russischen Erzähler wie Gawrilow oder Popow heranrückt. Die meisten Geschichten würden ins Groteske gewendet, so Grob, und verliefen meist nach der gleichen Dynamik: "Zerstörung, Verflachung, Resignation". Überhaupt tauche hinter aller Absurdität eine Welt auf, die letztlich alles absorbiert und unverändert bleibt. Nicht alle Geschichten halten Grobs wohlwollendem Urteil stand, doch die meisten becircen ihn durch Komik, Selbstironie und eine distanzierte, manchmal fast unverbindlich wirkende Haltung des Autors. Letzteres irritiert Grob dann auch ein klein wenig.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.03.2002
"Jeder Russe, der hat Sääle!", sang Helen Vita, meint Rezensent Rolf-Bernhard Essig und schreibt Autor Alexander Ikonnikow. Von "Taiga Blues" geht eine überwältigende, betäubende Wirkung aus, schwärmt Essig deshalb in seiner schön bündigen Besprechung dieser Erzählungen aus der russichen Provinz. Ikonnikow verachte Sozialkitsch, habe aber keine Angst vor Klischees, soweit sie die aktuelle Lage treffen. Essigs Fazit: "So hat fast jede dieser 44 kurzen Geschichten, Szenen, Miniaturen einen Ton, der den Leser unmittelbar hineindrängt in ein fremdes, grelles, aggressives, komisches, anrührendes Leben."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.03.2002
Große Erwartungen hatte in Stephan Wackwitz das geheimnisvolle Getue des Verlages um seinen jungen russischen Autor geweckt. Nicht schlecht, lautet nun, nach der Lektüre, sein Urteil mit gedämpftem Enthusiasmus. Unzweifelhaft sei Ikonnikow begabt, stellt Wackwitz fest und schlägt ihn der "Volkstümlerfraktion" der neuen russischen Literatur zu. "Taiga Blues" erzählt Geschichten aus der Provinz, wo Ikonnikow fern von Großstadthektik und Medientrubel lebt: sie seien einfach und pointiert geschrieben, befindet Wackwitz, manchmal zu sehr auf die Pointe aus, oft komisch, manchmal etwas sentimental, was dem Rezensenten weniger behagt. Das liege, grübelt Wackwitz, eventuell an dem "lebensprallen Kasatschok-Sound" eines Wladimir Kaminer, von dem er sich in letzter Zeit ziemlich viel ziemlich gerne zu Gemüte geführt habe. Leichte Übersättigung? Auch Ikonnikows Erzählweise habe diesen gefühligen Humor, meint Wackwitz: "man muss so etwas mögen".
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