Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Die Beschneidungsdebatte: im Perlentaucher und in anderen Medien
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Ein Geldtransporter ist verschwunden, den Detektiv Mühler finden soll. Auf seiner Odyssee durch die Stadt tappt er im dunkeln. In einem Hallenbad, im Schein des Mondes, glaubt er sich am Ziel. Georg Klein legt mit Barbar Rosa eine romantische Detektivgeschichte vor.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.05.2001
Den Plot scheint Andreas Nentwich etwas mickrig zu finden. Aber wenn der "gelehrte Synkretist" Klein erst so richtig in die Tastatur greift und in der Kulisse eines Berlins "von Orwellscher Düsternis und Irrealität ... eine janus-gesichtige Welt" als postmoderner Reflex auf den klassischen Bildungsroman entstehen lässt. Wenn er das Ganze dann vor allem - und Gott sei Dank, meint da der Nentwich - mit dem Kalkül des Parodisten und mittels "behaglich- affirmativer Phrasen" und eingestreuter Diminutive" aus der Höhe tödlichen Ernstes in eine "unheroische Kleinweltperspektive" rückt. Ja, wenn es sich so verhält, dann ist auch Nentwich von den Socken.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2001
Nicht den erwarteten Berlin-Roman hat Klein vorgelegt, schreibt Katharina Döbler, sondern einen Detektivroman, einen Männerroman einen romantischen Finsternisroman, und, wenn man so will, einen Hauptstadtroman, erklärt die Rezensentin. Der Held Mühler sei "eine eigentlich untaugliche Besetzung für einen Agenten", das Buch, aus seiner Perspektive geschrieben, bediene sich einer "Kunstsprache", die immer wieder in die Vergangenheit führe und deutlich mache, wie wichtig diese für die Gegenwart sei. Klein verwendet Versatzstücke des Krimis und des Comics und bedient sich "mit Vergnügen" aus dem Fundus der Literaturgeschichte, erklärt Döbler. Schwarze Romantik finde sich an allen Ecken dieses Romans, und Ecken, so versichert die Rezensentin, habe dieses Buch viele. Wiedererkennungseffekte aus einem bekannt erscheinenden Berlin würden sofort wieder zerstört, der vermeintliche Berlin-Roman löse sich auf im Bewusstseinsstrom. Der ganze Roman ist ein "psychedelische Gewebe", urteilt die Rezensentin. Und inwiefern ist er ein Männerroman? Vielleicht, weil hier ein Mann mit "grotesken Macken" geschildert wird, der "beim Brummen eines Fernsehers" eine Erektion bekommt? Kleins Grenzüberschreitungen seien genau kalkuliert: "das Risiko des eines literarischen Selbstversuchs mit den Elixieren des Teufels. Niemand schreibt derzeit Vergleichbares", resümiert Döbler.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2001
Vorschusslorbeeren für "Barbar Rosa" hat Georg Klein schon im letzten Jahr mit der Verleihung des Ingeborg-Bachmann-Preises für einen bloßen Auszug der Detektivgeschichte erhalten, informiert Verena Auffermann. Ganz zu recht, denkt die Rezensentin, deren Kritik durchweg mehr als positiv ausgefallen ist. Fern, reich und melodisch aufgeladen findet sie die Sprache des 1953 in Augsburg geborenen Autors, der es außerdem auch noch nach ihrer Ansicht bravourös versteht, ein Milieu gleichzeitig märchenhaft-fantastisch und würgend-widerwärtig literarisch abzubilden. Auffermann hält "Barbar Rosa" für ein verführerisches Sprachkunstwerk und glaubt, dass die Geschichte abgesehen von allen sowieso-schon-Georg-Klein-Fans zur Bibel für nervenstarke, persönlich anspruchs- und bindungslose Freiberufler werden könnte. Die Rezensentin vergleicht ihre Faszination für "Barbar Rosa" mit einem Taumel, gleich "einer Fahrt in ein verführerisches, sprachlich ausgesteuertes Gruselkabinett" - abgesehen von ein paar Ermüdungserscheinungen und Überdrehungen hielt für Auffermann diese Fahrt von der ersten bis zur letzten Zeile an.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.03.2001
In Wahrheit handele es sich um eine "Dekonstruktion der klassischen Detektivgeschichte", behauptet Michael Braun über "Barbar Rosa", die eben ein solches kriminalistisches Ansinnen von sich im Untertitel behauptet. Die dekonstruktivistische Vorgehensweise wiederum hört sich bei Braun recht lustig an: Der Detektiv und Protagonist dieser in einer völlig auf den Hund gekommenen Hauptstadt spielenden Geschichte ist der einzige, der nicht eingeweiht ist in die Machenschaften seines Falls. Eigentlich aber, so Braun, ist dem Autor mit "Barbar Rosa" die virtuose Anknüpfung an die Ästhetik der schwarzen Romantik gelungen, wobei in diesem Fall die Kyffhäuser-Sage vom Kaiser Barbarossa neue Deutung und Verwandlung erfahre. Klein schwelge im Hässlichen, Morbiden, Verwesenden, schreibt Braun, und seine Figuren scheinen dem Kabinett der dekadenten Literatur entwichen zu sein - gleichzeitig aber wirkten sie wie "einsame Irrläufer" einer beklemmenden Gegenwart, die der Autor in die nahe Zukunft kolportiert habe.

Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Georg Klein
Georg Klein, geboren 1953 in Augsburg, lebt mit seiner Familie in Berlin und Ostfriesland. Sein Roman "Libidissi" wurde als eine der wichtigsten Neuerscheinungen des Jahres 1998 gefeiert und in mehrere ... mehr lesen
Von Lesern empfohlene Bücher
Lemony Snicket: Das erstaunliche Ende
Aus dem Amerikanischen von Sabine Roth. Mit Fotos / Illustrationen von Brett Helquist. Nach … mehr lesen
Bücher zum gleichen Themenkomplex
Muschg, Adolf: Sutters Glück. Roman


Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3518412140, Gebunden, 340 Seiten, 20,35 EUR
Sutter, ein ehemaliger Gerichtsreporter, seit kurzem Witwer, wird Abend für Abend und immer um dieselbe Zeit von einem anonymen Anrufer heimgesucht ? und schließlich, bei einem Spaziergang, angeschossen. Nach seiner Genesung macht er sich auf, den Täter zu finden, und ist rasch in den Spuren einer alten Geschichte: in einem Gerichtsprozess, in den... mehr lesen
Kegel, Bernhard: Sexy Sons. Roman


Ammann Verlag, Zürich 2001, ISBN 3250104361, Gebunden, 420 Seiten, 22,50 EUR
ED Senft, einer der reichsten Männer Hamburgs, feiert seinen 60. Geburtstag. Alles, was in der Hansestadt Rang und Namen hat, ist in die neu errichtete Elbuferhalle geladen, das Fernsehen überträgt die Veranstaltung live, moderiert vom bekannten Star Paul Abend. Doch die wahre Sensation des Abends ist dem Publikum noch nicht bekannt.... mehr lesen
Freund, Rene: Wiener Theaterblut. Roman


Picus Verlag, Wien 2001, ISBN 3854524528, Gebunden, 224 Seiten, 18,41 EUR
"Ich hasse das Theater", erklärt Maximilian Diabelli, Spross der berühmten Wiener Schauspielerdynastie Diabelli, Opfer der Kulturbeflissenheit seiner Pflegemutter, Dramaturg wider Willen und erfolgloser Fotograf. Mit gutem Grund. Gerade eben hat er die schöne junge Schauspielerin Carla Winheim noch als spärlich bekleidetes Gretchen fotografiert... mehr lesen
Hammesfahr, Petra: Meineid. Roman


Rowohlt Verlag, Reinbek 2001, ISBN 3499229412, Kartoniert, 378 Seiten, 9,90 EUR
Sie waren unzertrennlich - als Kinder und auch später, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein konnten. Greta ist die Vernünftige, ehrgeizig in der Schule, im Studium und als Anwältin. Tess bleibt nie lange bei einer Sache oder bei einem Mann. Jahre vergehen, bis eine der beiden Frauen begreift, dass ihr Leben ein Netz aus Lügen... mehr lesen










