Herausgegeben und kommentiert von Ulrike Lang. Grete Gulbransson hinterließ neben literarischen Arbeiten und einer sehr umfangreichen Korrespondenz 222 Tagebuchbände. Darin schildert sie die literarische, kulturelle und gesellschaftliche Situation Münchens, Vorarlbergs, Liechtensteins sowie des europäischen Raumes zwischen 1892 und 1933. Die Fülle an zeitgeschichtlichen Hintergrundinformationen und an Darstellungen von Begegnungen mit bedeutenden Künstlern und Schriftstellern machen diese Tagebücher zu einem bedeutsamen Zeugnis der ersten Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.03.2002
Die Tagebücher der Frau des Zeichners und Karikaturisten Olaf Gulbransson umfassen im Original sagenhafte 222 Bände und 90.000 Manuskriptseiten. Hansjörg Graf bespricht den zweiten Band einer Auswahl, die auf fünf Bände projektiert ist und offensichtlich "wissenschaftlichen Furor" ebenso wie "bibliophilen Ehrgeiz" an den Tag legt. Grete Gulbranssons "eigentlich" literarische Produktion war eher schmal, in ihren Tagebüchern aber beschreibt sie das Leben der Bohème, wie es sich in der Münchner Jugendstilvilla, in der sie und ihr Mann lebten, zutrug. Die Leute vom Simplicissimus waren das Zentrum der Parties, Olaf im Tanga-Slip mittendrin. Aber auch Rilke war da, Hermann Hesse, Hofmannsthal, Else Lasker-Schüler, alle kommen sie vor beim, so Hansjörg Graf, "Naturkind aus Vorarlberg", das sich den Münchner Kreisen nie so ganz zugehörig fühlte. Nun gibt es, das räumt der Rezensent ein, "Trivialitäten", das Erhabene und das Lächerliche sind eng benachbart - seinen Respekt aber will er der Autorin nicht versagen, die ein "Bewusstseinsprotokoll" verfasst hat, "das auch dem Unbewussten seinen Tribut zollt."
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