Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 20.03.2010, 13.13 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Haruki Murakami

Gefährliche Geliebte

Roman

Cover: Gefährliche Geliebte

DuMont Verlag, Köln 2000
ISBN-10 3770147812
ISBN-13 9783770147816
Gebunden, 230 Seiten, 20,35 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Hajime ist Ende dreißig, nach Jahren der Ziellosigkeit ein erfolgreicher Jazz-Bar-Besitzer, Ehemann und Vater. Frauen haben sein Leben geprägt. In der Kindheit Shimamoto, wie er selbst ein egozentrisches Einzelkind. Wie eine Halluzination taucht die Kindergeliebte Shimamoto wieder auf, unfassbar und geheimnisumwoben. Sie verkörpert für Hajime, was ihm im klugen Geschäftsleben und zusammen mit der ausgeglichenen Ehefrau Yukiku abhanden gekommen ist.

Möchten Sie dieses Buch kommentieren?

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2001

In einer Mehrfachbesprechung befasst sich Ulrich Greiner mit mehreren Romanen des japanischen Schriftstellers Haruki Murakami.
1.) Haruki Murakami: "Naokos Lächeln" (DuMont)
2.) Ders.: "Gefährliche Geliebte" (DuMont)
Bei diesen beiden Romanen schätzt der Rezensent besonders, dass Murakami hier "sehr einfache Geschichten sehr einfach erzählt", die nach Greiners Ansicht deshalb so fesselnd und authentisch sind, weil sich der Autor auf den Inhalt der Geschichten konzentriert und nicht die Kunst der Literatur in den Vordergrund stellt. Greiner räumt ein, dass dies nicht von jedem Kritiker geschätzt wird, doch er selbst zeigt sich von der Schilderung "traurig-schöner, nicht selten tödlicher Liebesbegegnungen" sehr berührt. Zu den großen Stärken Murakamis in "Naokos Lächeln" gehört nach Greiner die Fähigkeit des Autors, Liebes- und auch sexuelle Dinge "sehr direkt" zu beschreiben, wobei der Rezensent betont, dass es eigentlich der Protagonist Toru ist, der erzählt. Dies sei wichtig, da durch diese Erzählperspektive die intimen Szenen nie peinlich geraten - es gibt keinen Betrachter von Außen, sondern Toru erzählt das, was er erlebt. Dass dieser Roman insgesamt nicht zu einem "trivialen Liebesroman" geraten ist, liegt nach Greiner vor allem in Murakamis Kunst des Weglassens. So werde das Äußere der Personen - wenn überhaupt - nur beiläufig geschildert. Lebendigkeit ergibt sich, wie der Leser erfährt, vor allem durch die Begegnungen und Gespräche. Ein weiterer Aspekt, der Greiner an diesem Roman wichtig erscheint, ist das Thema Erinnerung, oder besser gesagt: der Wunsch, Erinnerung festzuhalten bzw. die Angst, Erinnerungen für immer zu verlieren.
3.) Ders.: "Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt" (Suhrkamp)
4.) Ders.: "Wilde Schafsjagd" (Suhrkamp)
Diese beiden "quasi futuristischen Romane" Murakamis zeigen nach Greiner eine andere Seite des Erzählers, nämlich seine "architektonische Kühnheit", bei der die einzelnen Parameter, wie der Rezensent anerkennend anmerkt, auf das Genaueste durchdacht sind. Aber die Qualitäten Murakamis erschließen sich nach Greiner nicht unbedingt von selbst, viel muss vom Leser seiner Ansicht nach selbst erschlossen und entdeckt werden, "benannt" werde vom Autor selbst wenig. Doch auch wenn der Rezensent Murakamis Buch "Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt" eher ausgemachten Science-Fiction-Liebhaber ans Herz legt, so zeigt er sich insgesamt von Murakamis "immer spannenden, weitläufigen und oft irrläufigen Geschichten" äußerst angetan, besonders weil der Leser immer wieder mit einer "Ahnung des Wiedererkennens" konfrontiert werde.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2000

Rezensent Thomas Poiss findet es zunächst schwierig zu entscheiden, ob hier Murakami bloß ein schlechtes Buch geschrieben hat oder ob da irgendwo zwischen drei Sprachen "fundamentale Pannen" passiert sind. Denn das Buch sei nicht vom japanischen Original, sondern aus der englischen Übersetzung ins Deutsche übersetzt worden, und das oft recht unbeholfen. Aber auch die Handlung, die er nicht ohne Häme wiedergibt, reicht nach Poiss` Meinung gerade für einen sentimentalen Film. Die erotischen Szenen bringen die Sache auch nicht weiter. Am Ende ist Poiss ziemlich sicher, "Gefährliche Geliebte" ist ein schlechtes Buch. "Wahre Erotiker sind diskret. Und vergessen Bücher wies dieses."

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.07.2000

Zwiespältig ist Katrin Hillgrubers Urteil über diesen Roman. Das anfangs "konventionell und moralisch" scheinende Werk eröffne "psychologische und mitunter poetische Tiefenschichten", lobt sie. Seine "reizvollen Irritationen" entwickele es aus einer Ästhetik des Hässlichen und aus dem Einbruch des Unkonventionellen. Enttäuschend allerdings findet die Rezensentin, dass der japanische Roman weniger japanisch als überraschend westlich wirkt. Das führt sie unter anderem auf die Übersetzertätigkeit des Autors aus dem Amerikanischen zurück, von der sie vermutet, dass sie Einfluss auf sein Schaffen gehabt habe. Doch immerhin, so urteilt Hillgruber abschließend, habe dieser sonst eher "biedere Entwicklungsroman" mitunter die "existentielle Wucht einer Wagner-Oper".

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.07.2000

Nach der Lektüre des Buches hat sich Kolja Mensing auf die Suche nach zwei Titeln von Nat King Cole begeben, die den Autor beim Schreiben und den Rezensenten beim Lesen von "Gefährliche Geliebte" begleitet haben. Wie die Hauptfigur des Romans hat auch Murakami mal einen Jazzclub geleitet, berichtet Mensing. Und vergleicht das von Murakami beschriebene Lebensgefühl einer sich im Lifestyle verlierenden Generation mit dem Drehen der Schallplattennadel in einer Endlosrille .... Mensing hat der Roman gefallen, wenn gleich er es für einen Skandal hält, dass der Verlag das Buch aus dem Englischen statt aus dem Japanischen übersetzen ließ.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.03.2000

Ein glatter Verriß! Andreas Breitenstein ist sichtlich enttäuscht, wie Haruki Marukami, Enfant terrible der japanischen Literaturszene, seine Liebesgeschichte von Hajime und Shimamoto erzählt, die sich schon als Kinder liebten, dann aus den Augen verlieren und schließlich wiederfinden. Die Sprache "plätschert seicht wie die Dialoge dahin", die zeitkritische Beschreibung der japanischen Wohlstandsgesellschaft hat keinen Biss und bietet "psycholgisch schlichte Kost", in "übersichtlichen intellektuellen Parametern" erzählt. Ein nicht ganz unwesentliches Zugeständnis des Rezensenten: das Buch ist spannend. Seine Gebrauchsanweisung: "in einem Zug lesen - und dort liegen lassen."

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Bücher von Lesern empfohlen

Buch: Das andere Ende der LeinePatricia B. McConnell: Das andere Ende der Leine
Aus dem Englischen von Gisela Rau. Dies ist eigentlich kein Buch über Hundeerziehung, sondern eines über ...

Buch: Sozialistische GesetzlichkeitMichael Stolleis: Sozialistische Gesetzlichkeit
Dieses Buch bietet eine erste Gesamtdarstellung der Staats-, Verwaltungs- und Völkerrechtslehre in der DDR. ...

Archiv: Bücherschauen

Vexierspielkünstler

20.03.2010: Die FAZ hat Denis Johnsons Thriller "Keine Bewegung!" gelesen und freut sich über das Gespür des Autors für kriminelle Loser. Die FR folgt der zehnjährigen Dora durch Jacques Roubauds Abenteuer und Geheimnis verheißenden "Verwilderten Park". Sehr anregend findet die NZZ Eric Hobsbawms Buch über "Globalisierung, Demokratie und Terrorismus". Die taz spürt einen Hauch von Erlösung in Don DeLillos Roman "Der Omega-Punkt". Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Francois Walter: Katastrophen

15.03.2010: Für die Natur gibt es keine Katastrophen, nur für die Menschheit. Der Schweizer Historiker Francois Walter hat eine Kulturgeschichte ihrer Bewältigung geschrieben und der Sinnsuche des Menschen: Strafe Gottes, Prüfung der Gottesfürchtigen sowie Ansporn zu neuen technischen Entwicklungen. Hier eine Leseprobe aus "Katastrophen". Mehr lesen

Betina Gonzalez: Nach allen Regeln der Kunst

11.03.2010: Im Erstlingsroman der Argentinierin Betina Gonzalez begibt sich eine Tochter auf die Suche nach den Spuren ihres Vaters, eines mittelmäßigen Bildhauers, und nimmt Kontakt mit seinen Geliebten auf. Hier eine Leseprobe aus "Nach allen Regeln der Kunst". Mehr lesen

Necla Kelek: Himmelsreise

08.03.2010: Passend zum 8. März: Necla Kelek kämpft in ihrem neuen Buch für eine aufgeklärte Lesart des Koran, informiert über Entstehung und Hintergründe und stellt fest: Auf den Koran kann sich nicht berufen, wer für Kopftuch und fünf Pflichtgebete am Tag plädiert. Lesen Sie hier ein Kapitel aus "Himmelsreise". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren