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zuletzt aktualisiert 09.02.2010, 16.23 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Joseph O'Connor

Inishowen Blues

Roman

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN-10 3100540107
ISBN-13 9783100540102
Gebunden, 480 Seiten, 20,40 EUR

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Klappentext

Aus dem Englischen von Esther Kinski. Martin Aitkens Leben liegt in Scherben. Er ist 43-jährig, Polizist, und kann immer noch keine Krawatte binden. Aber als er eine Frau findet, die auf den Straßen Dublins zusammenbrach, könnte sich seine Welt vom Kopf auf die Füße stellen. Aber nicht nur er kennt den Blues: Milton Amery ist ein New Yorker Chirurg. Er hat alles, was das Leben bietet und von allem genug. Er wird nervös, wenn er sich für einen Anzug entscheiden soll. Von seinen Kindern hat er keinen Schimmer und seine Frau verschwindet dann und wann. Doch nun ist sie endgültig auf und davon. Ellen Donelly wird all die Lebensläufe miteinander verknüpfen. In Irland will sie das Puzzle ihrer Herkunft lösen und ihre Mutter finden. In Inishowen werden sie sich alle wieder treffen ...

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.04.2002

Friedhelm Rathjen hat Joseph O'Connors nun mittlerweile vierter Roman nicht überzeugt. Zwar entfaltet O'Connor auch in diesem Roman wieder sein ganzes Talent, Figuren plastisch zu schaffen, die gerade in ihren Brüchen glaubwürdig und unverwechselbar werden, schreibt Rathjen, doch leider belasse es der Autor nicht bei den stimmigen atmosphärischen Beschreibungen und Erfindungen seiner Charaktere. Er zwängt und jagt sie in eine stürmische Handlung, die alles Atmosphärische wieder zunichte macht, bedauert Rathjen. So werde aus dem Buch ein eher alberner bis lauer Unterhaltungsroman, der von allem "ein bisschen" habe: ein bisschen Familientragödie, ein bisschen Thriller, ein bisschen Komödie - von allem zuviel und doch insgesamt ein bisschen zu wenig, meint er. O'Connor muss sich endlich auf ein Thema und einen Erzählmodus konzentrieren, wünscht sich der enttäuschte Rezensent. Dass er das könne, habe sein Erstling "Cowboy und Indianer" gezeigt.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.2002

Für den Geschmack von Rezensent Wolfgang Steuhl hat Autor O'Connor eigentlich etwas zuviel in sein Buch hineingepackt: Ehekrisen, Kriminalfälle, irischer Zeitgeschichte, Kulturkritik und Identitätsfindungen - "und das alles noch angereichert durch burleske, temporeiche Einlagen, die einer Filmkomödie alle Ehre machen würden". Aber weil alles "in bester Absicht" geschah und O'Connor nach Ansicht des Rezensenten außerdem mit seinen "Anspielungen auf Helden der irischen Literatur" von Swift über Joyce und Beckett "in bester Geschichtenerzählertradition" stehe, fällt das Urteil mild positiv aus. Anteil an der Bewertung hat auch die "Beobachtungs- und Formulierungsgabe des irischen Autors, die Steuhl "frisch und unverbraucht" findet. Deshalb gefällt ihm letztlich die Geschichte, in der sich auf unergründlichem irischem Territorium zwei Schicksalswege kreuzen: der einer verlassenen irisch-amerikanischen Gattin eines Schönheitschirurgen und eines degradierten irischen Polizisten. Wohltuend findet unser Rezensent auch, dass bei allen Anspielungen auf "Tiefen und Untiefen der irischen bzw. amerikanischen Seelen", der Autor deren vollständige Aufklärung dennoch für sich behält - sprich, seine Figuren nicht verrät.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.01.2002

Auf den ersten Blick erscheint Bruno von Lutz der neue Roman O'Connors ziemlich konstruiert. Dennoch kommt er schließlich zu einem positiven Gesamturteil. Dies habe das Buch seiner "Mischung aus spannenden Thriller, literarischem Road-Movie und psychologischer Studie" zu verdanken, begründet er. Es hebe sich "wohltuend vom ubiquitären Grün der Irishness ab", fügt er an. Der 1963 geborene irische Autor, der in vielen literarischen Bereichen erfolgreich ist, thematisiere in seinem neuen Buch zum Beispiel die in Irland übliche Praxis, uneheliche Kinder in die USA zur Adoption freizugeben. Die sich hinter dieser Praxis verbergende Doppelmoral ist wohl nur ein Beispiel für ein geschöntes Bild von Irland, dass "wir zu kennen glauben", das aber, wie Lutz versichert, nur unter Ausschluss der eigentlichen, einer harschen Realität stattfinden" könne, was O'Connor in seinen Texte vermittelt . Aber auch die amerikanische Gesellschaft bekommt in diesem Roman ihr Fett ab, und diesen "Transatlanische Spagat" findet der Rezensent überzeugend.

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