Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser. Irland 1922, mitten im Bürgerkrieg: IRA-Kämpfer bringen nachts einen toten Kameraden auf den Friedhof von Sligo. Der Friedhofswärter soll ihn beerdigen. Roseanne, dessen schöne Tochter, wird nach dem Priester geschickt - und ein verhängnisvolles Schicksal nimmt seinen Lauf. Wie die Ereignisse einer einzigen Nacht eine Familie zerstören, weil sie zwischen alle Fronten gerät, davon erzählt Roseanne McNulty viele Jahre später. Fast einhundert Jahre alt ist sie und seit langem Insassin einer Psychiatrischen Anstalt, als sie ihre Erinnerungen niederschreibt. Auch ihr Arzt Dr. Grene will mehr über Roseannes Leben wissen, als ihre zögerlich-tastenden Gespräche und die wenigen Akten hergeben. Was er herausfindet, wirft ein ganz anderes Licht auf Roseannes Vergangenheit. War ihr geliebter Vater in Wahrheit ein Verräter? Und sie eine Kindsmörderin? Sebastian Barrys preisgekrönter Roman erzählt von ganz normalen Menschen, die ins Räderwerk der Geschichte geraten. Hautnah läßt er uns eine Zeit miterleben, in der aus Freunden Feinde und aus Nachbarn Mörder werden, in der Glück eine rare Münze ist und Liebe ein Risiko.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.02.2010
Was ein solider sozialkritischer Roman hätte werden können, wird in Sebastian Barrys "Ein verborgenes Leben" gekonnt mit der irischen neoromantischen Literaturtradition und der Geschichte Irlands verknüpft, stellt Hans-Peter Kunisch voller Bewunderung fest. Der Psychiater Dr. Grene versucht in Gesprächen mit der 100-jährigen Roseanne herauszufinden, ob sie zu Recht in seiner psychiatrischen Klinik ist. Wie Barry nach und nach die eng mit dem irischen Befreiungskrieg verbundene Geschichte Roseannes offen legt, wobei er viele märchenhafte Motive und Schauerelemente einflicht, und wie er am Ende sogar die Biografien des Arztes und Roseannes als miteinander verbunden offenbart, hat Kunisch sehr gefesselt und beeindruckt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.01.2010
Nach Sebastian Barrys Roman "Die Zeitläufe des Eneas McNulty" ist Friedhelm Rathjen ziemlich enttäuscht vom vorliegenden Buch, in dessen Mittelpunkt die Schwägerin Roseanne McNulty steht. Die fast hundert Jahre alte Insassin einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt wird von ihrem Arzt über ihr Leben befragt, gleichzeitig führt sie ein geheimes Tagebuch, in dem sie, die im irischen Bürgerkrieg "unter die Räder von Obrigkeit und Politik" geraten ist, ihr Schicksal rekapituliert, lässt uns der Rezensent wissen. Wenn die Aufzeichnungen nur nicht in diesem verschnörkelten "Gartenlaubenstil" abgefasst wären, seufzt Rathjen. Außerdem wird für den Geschmack des Rezensenten in diesem Roman zu viel "sinniert" und zu wenig erzählt, und so muss er mit großem Bedauern feststellen, dass der irische Autor an die mitreißende Kraft seines früheren Buches nicht einmal "ansatzweise" herankommt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.08.2009
Anja Hirsch ist ergriffen von diesem Buch. Sebastian Barrys Roman hält sie für typisch irisch, aber thematisch allgemeingültig genug, um nicht als Roman Irlands etikettiert zu werden. Es geht um Erinnerung, um Konfession und Tabus, um eine Frau, die, wie Hirsch erklärt, aus dem Familiengedächtnis verschwindet. Erzählt wird aus zwei konträren Perspektiven, einer traumwandlerisch unschuldigen und einer die Untiefen offen legenden. Jede für sich findet Hirsch glaubhaft, darin besteht für sie die Kunst des Autors. Bewegend erscheint ihr der an sich politische Text über eine von Irlands "verlorenen Frauen" auch durch seine poetische Kraft, die "glasklaren innerlichen Sätze", die ihr auch in der deutschen Übersetzung "berückend schön" erscheinen.
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