Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Am Anfang der atlantischen Mauer steht eine Frau: aufgewachsen in Dresden, Ausbildung zur Krankenschwester in Berlin, Arbeit in der Psychiatrie, dann Jahre mit wechselnden Jobs. Als sich in der Nach-Wendezeit alle ihre Pläne zerschlagen, ringt sie sich zu einer radikalen Entscheidung durch und versucht, in New York eine neue Existenz zu beginnen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.04.2000
Jochen Hörisch bespricht den Roman im Rahmen eines ausgreifenden und lesenswerten Essays über ältere und neuere Berlin-Romane und hebt Jirgl dabei heraus, um ihn in den allerhöchsten Tönen zu loben: "Virtuoser, rhythmischer, anspielungsreicher, komplexer und zugleich eindringlicher ist in deutscher Sprache seit Johnsons ,Jahrestagen` nicht mehr geschrieben worden." Leider verliert der Rezensent dabei ein bisschen den Faden und vermag nicht zu erklären, was Jirgls Roman, der zum Teil in Berlin spielt, nun eigentlich Neues über die Stadt zu sagen hat. In seiner Begeisterung musste der Rezensent sein eng begrenztes Thema einfach sprengen: Für ihn ist "Die atlantische Mauer" mehr als nur ein "Berlin-Roman", er sieht darin - zum Beispiel im 75seitigen Monolog eines alten Serienkillers - "einen der sprachlichen Höhepunkte der deutschen Nachkriegsliteratur überhaupt". Anders als der taz-Rezensent Peter Walther sieht Hörisch in Jirgls Roman am Ende durchaus einen kleinen Hoffnungsschimmer aufblitzen: Jirgls Figuren wollten lernen, auf ein "Heilsverlangen" zu verzichten, um sich mit einem bescheidenen "Heilungsbegehren" zu begnügen.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.03.2000
Große Töne schwingt und große Töne hält Martin Lüdtke auf einen Autor, dem das Prädikat "schwierig" anhaftet: "Solche Schriftsteller braucht das Land". Das ist einer, der sich "an den versteinerten Verhältnissen" und an der Sprache abarbeitet. Dafür seine eigene "sperrige Orthografie" und Syntax entwickelt. Anders als Walser & Co, schreibt Lüdtke, betrachtet Jirgl seine Figuren nicht als handlungsfähige Subjekte, sondern als distanzlose Objekte der Handlung, die sie - auch sprachlich - über sich ergehen lassen müssen. Jirgls pessimistische Weltsicht stoße ständig, wenn auch nicht mehr an die innerdeutsche, dann an eine "atlantische Mauer"; wo Jirgl der Ausblick fehlt, sieht Lüdtke Tiefgang.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.03.2000
Fasziniert schreibt Peter Walther über diesen Roman - aber letztlich überwiegt doch die Kritik. Er bewundert, wie präzise Jirgl auf den ersten Seiten des Buchs die Grundkonstellation des Romans fügt. Eindringlich geht der Rezensent dann auf das stets totale Liebes- und Lebensunglück der Helden und Heldinnen ein- eine der Frauen wandert gar aus dem Westen in die DDR ein, um dem Vater zu entfliehen, der sie missbrauchte. Jirgl selbst schreibe, dass das Leben eigentlich nur verschiedene Perspektiven des Scheiterns biete, und dabei kenne er keine Nachsicht mit seinen Figuren. "Ein höhnisch-kalter Wind durchweht den Roman." Und gerade das gefällt Walther nicht: Er findet, dass Jirgls Buch letztlich in Indifferenz versinkt. Denn da Jirgl keinen Begriff vom Glück habe, sei er auch nicht fähig zu Tragik
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Peter Nadas: Parallelgeschichten
Aus dem Ungarischen von Christina Viragh. 1989, im Jahr des Mauerfalls, findet der Student Döhring beim Jogging ...
Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner
Geborene Diebe und Lügner, Gefährten des Satans, Waldmenschen, unzähmbare Wilde, eine Bande von ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








