Das Buch schildert den Alltag der proletarischen Wiener Vorstädte um 1900: die Sorge ums tägliche Überleben und die Flucht in die Traumwelten der Singspielhallen und Kinos. Es beschreibt die Lebensform rebellischer Straßen- und Jugendgangs und rekonstruiert das Aufbegehren gegen die bürgerlich-aristokratische Elitenkultur.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.03.2000
Mit großer Sympathie allein schon für das Vorhaben selbst, nämlich der Rede vom Wien des bürgerlichen Fin de Siecle das "andere Wien" entgegenzustellen, das zur gleichen Zeit in Armut, Protest und Ausgrenzung lebte, stellt Christiane Zintzen diesen Band vor. Kaum "kundigere Cicerones" als die beiden Autoren kann sie sich vorstellen für einen Ausflug jenseits der Ringstrasse zu den `suburbanen Subkulturen` der Wiener Vorstadt zwischen 1870 und 1910. Wer sich ihrer Führung durch den "Palimpsest" verschiedenster kultureller und historischer "Einschreibungen" anvertraut, lernt, so Zintzen, den Blick der Sozialreportage aus der "Misere der Massenquartiere" ebenso kennen wie den projizierenden Blick der Bürger, einschließlich Freuds, der dem geordneten Zentrum des Ich die Domestizierung des "dunklen Kontinents", des Triebhaften am Rande", anempfahl. Die vielfältigen Informationen haben die Rezensentin ebenso erstaunt wie sie die "Verzahnung" von theoretischen Überlegungen und konkretem Detail überzeugt haben. Eine "an- und aufstachelnde Lektüre", urteilt sie. Beigegeben ist der halbseitigen Besprechung ein beredtes Foto aus dem besprochenen Band zum Thema Vorstadtelend.
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