Sandbothes Plädoyer für eine pragmatische Medienphilosophie läuft auf den Vorschlag hinaus, den fast schon konfessionell anmutenden Glaubensstreit zwischen Medienrealisten und Medienkonstruktivisten durch die Frage aufzulockern, welche Medienepistemologie für demokratische Gesellschaftsformen angemessen ist. Um eine Antwort auf diese Frage zu geben, legt der Autor die Veränderungen frei, die unsere Mediennutzungsgewohnheiten im Zeitalter des Internet erfahren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.03.2002
Im Rückgriff auf den Pragmatismus von Richard Rorty und auf den ästhetisch erweiterten Vernunftbegriff von Wolfgang Welsch ist Mike Sandbothe auf die Erkenntnis gestoßen, es komme nun nach Jahrhunderten allzu selbstbezogenen - "theoretizistischen", wie Sandbothe das nennt - Philosophierens darauf an, philosophisch die Welt zu verändern. Philosophie also als Handlungsanleitung, und zwar in Analogie zum Umgang mit Internet und Computern. Vom "Sprechen" zum Computer, das weder an Wahrheit noch an Wirklichkeitsrepräsentation gebunden ist, erlernen wir ein philosophisches Sprechen, das nur darauf angelegt ist, "Reaktionen hervorzurufen, auf die dann wieder reagiert werden kann", wie der Rezensent Lorenz Engell formuliert. Philosophie stellt um von Beobachtung auf Zeitigung. Engell findet an Sandbothes Thesen zwar manche Zuspitzung ein bisschen fragwürdig, im Grundsätzlichen ist er mit dem Buch aber sehr einverstanden.
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