Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Angeregt durch die Schilderungen Anton Tschechows aus dem Jahre 1890, unternimmt der Schriftsteller György Dalos im Sommer des Jahres 2000 eine Reise auf die Insel Sachalin. Tschechow hatte die zaristische Strafkolonie am Ende der Welt besucht, um mit eigenen Augen die entsetzlichen Bedingungen zu sehen, unter denen Menschen dort leben mußten. Dalos schreibt die Geschichte 120 Jahre später fort: Er berichtet aus einem fernen Land - am Ende der Welt noch immer und zugleich mitten in der internationalen Politik um Märkte, Macht und Einfluß - und von seinen Gesprächen mit Bürgermeistern und Beamten, mit Ureinwohnern und Demonstranten, mit Künstlern und Schriftstellern.
Rezension Perlentaucher
"Meer ringsumher - Kummer mitten drin" so beschreiben die Bewohner heute ihre Stadt. Sie heißt Alexandrowsk und liegt auf Sachalin. Der ungarische Autor György Dalos war dort und schreibt in seinem Buch: "Auch der Hafen gibt kein Lebenszeichen von sich. Die Trümmer der Docks, der Werft und der verlassenen Bürogebäude wirken wie ein monumentales Heimatmuseum der sozialistischen Industrialisierung." Dalos' Alexandria ist auch eine Vielvölkerstadt, aber hier entstand nie eine Metropole. Hierher wurden erst die Straftäter des russischen Reiches und dann die der Sowjetunion in die Verbannung geschickt. Wer aus Korea oder Japan hierher kam, der kam nicht in der Hoffnung, hier sein Glück zu machen, sondern allein, um dem heimischen Unglück zu fliehen. Vom Juli bis Oktober 1890 lebte Anton Tschechow auf Sachalin. Das Haus, das er in Alexandrowsk bewohnte, ist heute ein an ihn erinnerndes Museum, und die Straße, in der es steht, ist die Tschechowstraße. Das Buch, das er nach seiner Rückkehr schrieb - "Die Insel Sachalin" - beschwört nicht wie Durrells Alexandria-Quartett, exotischen Zauber, verführerische Fremde, sondern ist der Versuch einer realistischen Darstellung von Russlands äußerstem Osten, vor allem auch des zaristischen Sträflingswesens...
Lesen Sie mehr in Arno Widmanns 'Vom Nachttisch geräumt'
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.03.2002
Eine überaus spannende Reise für ein gleichermaßen spannendes Projekt hatte Anton Tschechow im Alter von 30 Jahren im Jahr 1890 unternommen: er besuchte die russische Gefangeneninsel Sachalin, führte dort eine "private Volkszählung" durch und dokumentierte das Leben der Verbannten in einem Buch, das auch heute noch jeder Bewohner dieser Insel kennt, berichtet Norbert Wehr. In seiner sehr ausführlichen Besprechung beschreibt der Rezensent für den Leser zunächst Tschechows Motive für dieses Projekt und die Insel zur Zeit der vorletzten Jahrhundertwende, bevor er auf das Buch des ungarischen Schriftstellers György Dalos eingeht. Der hatte sich vorgenommen, 110 Jahre nach Tschechow nach Sachalin zu reisen, um zu sehen und zu erzählen, wie es den Menschen dort heute ergeht. Das ist zwar streckenweise sehr gelungen, lobt Wehr, gerade an den Stellen, wo Dalos die harten Lebensumstände der Sachaliner schildert. Doch zu viele abstrakte Zahlen, Daten und Fakten und der Rekurs auf Tschechows Buch erschwerten dem Leser die Lektüre und leider, bedauert Wehr, habe Dalos viel zu wenig auf seine eigene Wahrnehmung vertraut und berufe sich zu stark auf Informationen aus zweiter Hand.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.01.2002
Dalos' Reise ist auch die Reise zu einem Schriftsteller. Ulrich M. Schmid, der diesen Band zusammen mit anderen Tschechow-Neuerscheinungen bespricht, erzählt in seiner Rezension zuerst die Geschichte von Tschechows Sachalin-Reise die Dalos' Reisebericht inspirierte - als verrückt habe Tschechow gegolten, als er in den 1890er Jahren zu einer Reise quer durch Sibirien zur Insel Sachalin aufbrach - das Buch, das er mitbrachte, müsse aber als "eines der merkwürdigsten Bücher der Weltliteratur" gelten. Und Schmid ist so verzückt über Tschechow, dass er Dalos fast darüber vergisst - aber dann hat er doch auch den ungarischen Autor mit Gewinn gelesen, lobt die atmosphärische Stärke seines Berichts und die farbige Erzählung von den Schicksalen der Menschen, die es an diesen "paradigmatischen Ort des Vergessens" verschlagen hat.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.10.2001
1890 verfasste Anton Tschechow eine Monografie über die russische Insel Sachalin. Der ungarische Schriftsteller György Dalos begibt sich in seinem Buch "Die Reise nach Sachalin" auf die Spuren Tschechows und setzt so dessen Arbeit fort, erklärt Eberhard Falcke. Für den Rezensenten enthält das Buch viel Wissenswertes: Dalos rekapituliere die Inselgeschichte bis in die Gegenwart hinein und gebe dem Leser einen Eindruck vom wirtschaftlichen und sozialen Verfall. Wieso man sich für einen solch "unsichtbaren Winkel der Erde" interessieren soll? Der Autor gibt selbst die Antwort: "Sachalin ist nicht nur ein Teil von Russland, sondern bildet nahezu alle in Russland gegebenen Bedingungen im Kleinen ab."
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Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
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